Teppichboden:Ein Guter hält's aus

Ein neuer Teppich muss her. Aber wie findet man unter 3000 verschiedenen Teppichböden in 400.000 Designs den richtigen? Und welcher macht auch noch jeden Schritt und Tritt mit? Tipps für den Einkauf.

Durchschnittlich knapp elf Jahre liegen Teppichböden in deutschen Wohnräumen. Das geht aus einer Statistik des Deutschen Teppich-Forschungsinstituts (TFI) in Aachen hervor. Doch spätestens wenn der Belag Brandflecken, Beschädigungen oder unübersehbare Gebrauchsspuren aufweist, ist ein neuer Teppich fällig. Wellt er sich und wird damit zur Stolperfalle, muss ebenfalls ein neuer Boden her.

Teppichboden: Stöckelschuhe: Die höchste Belastungsstufe für den Bodenbelag.

Stöckelschuhe: Die höchste Belastungsstufe für den Bodenbelag.

(Foto: Foto: dpa)

Stellt sich die Frage, wie dieser aussehen soll.

Immerhin 3000 verschiedene Teppichböden in 300.000 bis 400.000 Designs stehen nach Angaben des Aachener Instituts zur Wahl.

"Das erste und wichtigste Auswahlkriterium ist: Für welchen Raum und welche Beanspruchung wird ein Teppichboden gesucht", erklärt Ralf Schmidt-Pleschka, Umweltreferent bei der Verbraucher Initiative in Berlin.

Im stark strapazierten Eingangsbereich der Wohnung ist ein anderer Belag gefragt als im Kinderzimmer. Dort muss er wiederum anderen Ansprüchen genügen als im Schlafzimmer.

Über die Strapazierfähigkeit eines Belages gibt das Teppich-Siegels (rotes "t") der Europäischen Teppich-Gemeinschaft Auskunft. Für den Privathaushalt eignen sich die Beanspruchungsklassen eins bis drei. Darüber hinaus gelten einige Grundregeln: "Auf einem stark gemusterten Belag in erdigen Farben sind Flecken weniger leicht sichtbar als auf einem hellen, uni-farbenen Belag", erläutert Richard Kille, Fachobmann Bodenbelag im Zentralverband des Raumausstatterhandwerks in Bonn.

In der Regel sei Schlingenware weniger empfindlich als Velours, Kunstfaser pflegeleichter als Naturfaser. Und kurzer Flor lasse sich am einfachsten reinigen.

Bei mehr als 90 Prozent aller Teppichböden besteht die oberste Nutzschicht, der so genannte Flor, aus Kunstfasern. Bei den knapp 10 Prozent Naturfaser-Produkten beherrscht Wolle den Markt. "Welches Material gewählt wird, ist vor allem eine Frage des Geschmacks und des Portemonnaies: Ein Teppichboden aus Wolle ist deutlich teurer als ein Belag aus Kunstfaser in der gleichen Qualität", sagt Ernst Schröder, Leiter des TFI in Aachen.

Ein Belag aus Naturfaser kann zwar Luftfeuchte aufnehmen und wieder abgeben und damit das Raumklima regulieren. Per se gesünder ist er dennoch nicht. "Es gibt sogar einen problematischen Aspekt: Naturfasern sind mit Mottenschutzmitteln behandelt", erklärt Schmidt-Pleschka. Allergiker sollten deshalb lieber auf Kunstfaser setzen - zumal diese einen geringeren Abrieb hat.

Für die Verträglichkeit entscheidender als die Nutzschicht ist allerdings die Unterseite, der so genannte Rücken: Er gibt dem Belag die gewünschte Stabilität und Haltbarkeit. Weitgehend zurückgedrängt sind inzwischen Schaumböden, die aus einer Mischung chemischer und natürlicher Substanzen bestehen. Stattdessen werden vermehrt Jute- oder Kunstfasergeflechte eingesetzt. Mögliche Schadstoffbelastungen aus dem Teppichboden umgeht, wer beim Kauf auf Gütezeichen wie das Teppich-Siegel, das GuT-Schadstoffsiegel oder das TÜV-Umweltsiegel achtet.

Bis vor kurzem war in großen Räumen oder in Wohnungen mit Fußbodenheizung eine vollflächige Verklebung ein Muss. "Inzwischen werden bei Belägen mit glattem Rücken zunehmend Fixierungen oder etwa ein Meter breites doppelseitiges Klebeband, auch Trockenklebstoff genannt, verwendet", erklärt Kille.

Der Klebstoff oder die Fixierung sollte eingehend unter die Lupe genommen und ein möglichst emissionsarmes Produkt gewählt werden. Dieses ist am so genannten Gefahr-Informations-System-Code, besser als GISCODE bekannt, erkennbar: Für den Hausgebrauch eignen sich Dispersionskleber der Klasse 1 ("D1"). Allerdings enthalten viele dieser Kleber statt Lösemitteln auch Gesundheit gefährdende synthetische Weichmacher. "Das ist nicht der Fall bei Klebstoffen, die mit dem System EMICODE gekennzeichnet sind: Das Kürzel "EC1" steht für sehr emissionsarme Produkte", erklärt Schmidt-Pleschka. Die Kennzeichnungen gelten auch für Spachtelmasse und den Vorstrich.

Alternativ kann der Teppichboden mit Hilfe von Klettbändern befestigt oder aber verspannt werden. Letzteres wird als lose Verlegung bezeichnet. Der Boden wird im Türbereich und an den Rändern mit einem doppelseitigen Klebeband fixiert. "Allerdings ist der Teppichboden dann anfällig für Feuchtigkeit: Er kann Wellen bilden oder auch schrumpfen", warnt Schröder.

In großen Räumen und überall da, wo eine regelmäßige Feuchtreinigung notwendig ist, kommt dieser Nachteil besonders zum Tragen. "Die Ausnahme bilden Produkte, die für die lose Verlegung hergestellt wurden und für Bürostuhlrollen, Fußbodenheizung und Schampoonieren geeignet sind", ergänzt Kille.

© dpa - Eva Neumann
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