Strompreise steigen drastisch Außer Kontrolle

Kaum ist die Genehmigungspflicht für Strompreise weggefallen, holen die Anbieter zum ersten Schlag aus: Knapp 130 Versorger erhöhen ihre Preise. Teils um mehr als 30 Prozent.

Mindestens 126 Energieversorger nutzen den Wegfall der Preisaufsicht zum 1. Juli, um ihre Strompreise zu erhöhen. Wie das unabhängige Verbraucherportal Verivox.de berichtete, steigen die Grundversorgungstrafie um durchschnittlich acht Prozent, manche Kunden müssen bis zu 34 Prozent mehr bezahlen. Weitere Erhöhungen werden erwartet.

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Die Stromrechnung für einen Haushalt mit 4000 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr steige damit auf durchschnittlich 815 Euro jährlich und liege fast 7 Prozent höher als zur Jahresmitte 2006. Manche Kunden wie in Weißenfels in Sachsen-Anhalt müssten sogar um 34 Prozent höhere Preise verkraften und 1100 Euro für 4000 Kilowattstunden bezahlen.

Deutliche Preisunterschiede

Im Vergleich der zehn größten Städte in Deutschland sind die Strompreise nach Angaben von Verivox.de in Stuttgart mit 871 Euro pro Jahr am höchsten. Es folgen Bremen (853 Euro), Berlin (843 Euro), Essen (841 Euro), Hamburg (836 Euro), Frankfurt am Main (831 Euro), Düsseldorf (824 Euro), Dortmund (808 Euro), Köln (805 Euro) und München (804 Euro).

Den bundesweit günstigsten Grundversorgungstarif bietet nach der Aufstellung die Aschaffenburger Versorgungs-GmbH mit 661 Euro. Verivox.de hat für seine Liste die Grundversorgungstarife von 861 Stromversorgern verglichen.

Die meisten Anbieter begründeten die Erhöhung mit gestiegenen Beschaffungskosten. Allerdings sei der dafür maßgebliche Großhandelspreis an der Strombörse in Leipzig in den vergangenen zwölf Monaten nicht gestiegen, sondern im Trend auf hohem Niveau gleich geblieben, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Zu den großen Anbietern, die den Grundtarif erhöhen, gehörten Vattenfall in Berlin und Hamburg, die Düsseldorfer Stadtwerke und die Envia Mitteldeutsche Energie AG in Brandenburg. Die beiden größten deutschen Versorger E.ON und RWE mit zusammen rund 18 Millionen Haushalts-Kunden hatten angekündigt, ihre Preise vorerst konstant zu halten.

Nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) hatten sie - wie auch andere Anbieter- bereits zum Jahresbeginn im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung die Tarife angehoben. Für die Stromkunden in Elmshorn bei Hamburg, Aachen und Ludwigslust-Grabow sinken die Tarife.

Die Länder hatten die Genehmigungspflicht der Strompreise von diesem Sonntag an abgeschafft, weil die entsprechende Verordnung ein untaugliches Mittel gegen steigende Preise sei. Die Versorger mussten bislang ihre Strompreise drei Monate im Voraus vom Wirtschaftsministerium des jeweiligen Bundeslandes genehmigen lassen.

Im Gegenzug sollen die Kartellbehörden künftig leichter gegen Marktmissbrauch vorgehen können.

"95 Prozent der Endkundenpreise konnten nicht von den Ländern beeinflusst werden", zitiert die FAZ den hessischen Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU), der dies Instrument bisher nutzte, um den Preisanstieg zumindest zeitweise zu dämpfen.

"Daher war die Preisaufsicht ein stumpfes Schwert", stellte Rhiel fest. Baden-Württemberg hatte die Preisaufsicht bereits im Jahr 2000 abgeschafft. Der VDEW schätzt, dass die Strompreise 2007 in Deutschland im Schnitt um fünf Prozent steigen und auch künftig weiter klettern werden. Verbandschef Werner Brinker sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa: "Die Zeiten billiger Energie sind vorbei.