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Schrebergarten:Lust auf Zucht und Ordnung

323 grüne Quadratmeter für nur 378 Euro im Jahr gefällig? Tipps, wie man mitten in München zu einem eigenen Garten kommt.

Von Eike Schrimm

Zugegeben. Zum Thema Schrebergarten fallen einem jungen Menschen die schlimmsten Dinge ein: Scharfkantige Hecken, blitzblanke Lauben Marke "Voralpenland", hochglanzpolierte Zwerge. Aber nach einem Spaziergang durch eine Kleingartenanlage ist man ganz schnell neidisch. Wer kann schon mitten in der Großstadt unter seinem eigenen Apfelbaum sitzen und sonnenwarme Tomaten ernten?

Vor allem junge Familien entdecken den Schrebergarten für sich: "Das Durchschnittsalter ist um etwa zehn Jahre gesunken", bilanziert Rolf Neuser, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde.

In München sind es immerhin 8261 Menschen, die ein bezahlbares Fleckchen Erde als Kleingärtner beackern. Die Stadt verpachtet 308 Hektar Münchner Boden an 78 städtische Kleingartenanlagen.

Oft liegen die Gärten in den besten Wohnlagen, wie zum Beispiel NW 5 in der Taxisstraße 10. Oder sie grenzen an einen öffentlichen Park, wie SW 83 in der Nestroystraße 20. "Im Moment sind zwar keine Gärten frei, aber es findet zurzeit ein Generationswechsel statt. Wer sich also jetzt bewirbt, kann vielleicht in einigen Monaten schon zum Gärtner werden", wirbt Erich Lindermeir, gleichzeitig Vorstand des Münchener Kleingartenverbands und der Anlage SW 83 am Westpark.

Voraussetzungen des Bewerbers

Leider einmalig in Deutschland: Die Stadt München verlangt, dass die Einkommensgrenzen nach § 9 Wohnraumförderungsgesetz eingehalten werden. Eine Ehepaar darf im Jahr zusammen also nicht mehr 33.500 Euro brutto verdienen, um einen Schrebergarten zu pachten. "Die Grenzen sind viel zu niedrig. So kommen die Leut' doch aber nicht zu ihrem Garten. Wir verhandeln schon mit der Stadt und setzen alles daran, dass diese Höchstgrenze aufgehoben wird", kritisiert Lindermeir.

Der Bewerber muss mit seinem Hauptwohnsitz in München gemeldet sein. Am besten, er wohnt in der Nähe des Schrebergartens, so dass er ihn zu Fuß oder mit dem Rad schnell erreichen kann.

Familien, Alleinerziehende, Rentner, Behinderte und seit neuestem auch Langzeitarbeitslose werden - genau in dieser Reihenfolge - vorgezogen.

Wie und wo man sich bewirbt

Jeder, der einen Schrebergarten pachten will, muss für zehn Euro im Jahr Mitglied werden im Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

In München vergibt nicht die Stadt die einzelnen Gärten, sondern sie verpachtet die gesamte Fläche an die einzelnen Vereine. Diese wählen die Bewerber selbstständig aus, mit ganz eigenen Aufnahmeverfahren. Das Los entscheidet nur, wenn eine ganze neue Anlage aufgeteilt wird.

Der Bewerber sollte die nächstgelegenen Anlagen erkunden, um seinen persönlichen Favouriten zu finden. Am schwarzen Brett hängen immer Sprechzeiten und Ansprechpartner aus, die über das Bewerbungsverfahren Auskunft geben.

Die Anlage SW 83 am Westpark zum Beispiel lädt einmal im Jahr alle Bewerber ein. Am zweiten Samstag im September kann jeder kommen, der an einem Schrebergarten interessiert ist und der Vorstand klärt dann auf über Aufgaben und Pflichten eines jeden Pächters. "Bei einem Ehepaar müssen beide gern im Dreck wühlen, sonst klappt das nicht mit dem Garten", prophezeit Lindermeir Jahr für Jahr.

Aufgaben und Regeln

Auf 50 Prozent des Bodens muss Obst oder Gemüse gedeihen, auf den restlichen 50 Prozent darf sich der Gärtner erholen. Es reicht also nicht, gelegentlich am Wochenende vorbeizuschauen. In der Anlage SW 83 gilt das Gebot: "Das Unkraut darf nicht über den Salat hinausschießen."

Der Bewerber muss aber nicht unbedingt ein Profi sein in Sachen Grünzeug. Gartennachbar oder der Verein stehen dem Neuankömmling mit Rat zur Seite. Eines muss er allerdings immer beachten: Läuse oder Pilze darf er nicht mit chemischem Gift bekämpfen.

Das Bundeskleingartengesetz nimmt es mit dem Schrebergarten ganz genau: Der Kleingarten - so der politisch-korrekte Name - darf nicht größer sein als 400 Quadratmeter. Davon nimmt die einfache Laube höchstens 24 Quadratmeter Platz weg.

Zweimal im Jahr bringen Pächter Hauptwege und Parkplätze gemeinsam in Ordnung. Wer den Dienst nicht leisten kann, darf sich frei kaufen. "Von dem Geld wird dann die anschließende Brotzeit für die anderen finanziert", erklärt Lindermeir das Prinzip in seiner Anlage.

Kosten

Egal, ob der Schrebergarten direkt an einer befahrenen Bahnschiene liegt oder im ruhigen Villenviertel, die Stadt berechnet im Jahr pauschal 0,56 Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen 0,04 Euro pro Quadratmeter für den so genannten Aufwendungsersatz, Kosten für Wasser, Strom, Versicherung und Vereinsbeitrag. Macht zum Beispiel insgesamt für einen 323 Quadratmeter großen Schrebergarten 378 Euro im Jahr.

Nicht zu vergessen ist die Ablöse für den Garten: Ein unabhängiger Gutachter bewertet den Garten mit allem, was sich darauf befindet. Ein Neu-Pächter muss mit 3000 bis 3500 Euro für Laube, Pflanzen und Geräte rechnen.

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