Roaminggebühren Was telefonieren im Ausland kostet

Wer auch im Urlaub für einen guten Preis telefonieren und im Internet surfen möchte, sollte vor der Abreise bei seinem Provider nachhaken.

(Foto: Daniel Naupold/dpa)
  • Wer in der EU Urlaub macht, muss fürs Telefonieren immer weniger zahlen.
  • Urlauber mit deutscher Flatrate können diese für einen kleinen Aufpreis meist auch im EU-Ausland nutzen, zum Teil sogar in der Türkei und der Schweiz.
  • Für manche Prepaid-Kunden ist es nicht einmal mehr teurer als daheim.
  • Außerhalb der Europäischen Union und auf Kreuzfahrtschiffen kann es dagegen teuer werden.
Von Berrit Gräber

Wer zu Ostern oder im Sommer verreist, kann sein Handy oder Tablet getrost mitnehmen. Die Preise fürs Telefonieren, Simsen und Internet-Surfen sind erschwinglich geworden, zumindest innerhalb der Europäischen Union. Spanienreisende etwa müssen für ein Fünf-Minuten-Gespräch mit den Lieben daheim bestenfalls nur noch 1,10 Euro zahlen. Urlauber mit deutscher Flatrate können diese für einen kleinen Aufpreis meist auch im EU-Ausland nutzen, zum Teil sogar in der Türkei und der Schweiz. Für manche Prepaid-Kunden ist es nicht einmal mehr teurer als daheim.

Aber: "Wer den Bestpreis im Urlaub will, muss sich selbst kümmern und vor Abreise bei seinem Provider nachhaken", rät Thomas Grund, Telekommunikationsexperte von Stiftung Warentest. Richtig teuer kann es immer noch außerhalb der Europäischen Union werden - und auf Kreuzfahrtschiffen.

Wie viel kosten die EU-Tarife?

Wer innerhalb der Europäischen Union verreist, sollte die von der EU festgeschriebenen Preisobergrenzen fürs Telefonieren und Internet-Surfen kennen. Ein Telefonat aus diesen Staaten nach Hause darf zurzeit maximal 23 Cent pro Minute (inklusive Mehrwertsteuer) kosten. Für eingehende Gespräche werden sechs Cent, pro SMS sieben Cent fällig. Beim Abrufen von E-Mails, Bildern oder beim Surfen dürfen pro Megabyte (MB) höchstens 24 Cent in Rechnung gestellt werden. Die Limits gelten sowohl für Kunden mit Mobilfunkvertrag als auch für Prepaidkarten. Für 20 Euro kann ein Reisender EU-weit zum Beispiel etwa 45 Minuten lang telefonieren, sieben SMS schreiben und 20 MB Daten verbrauchen, wie der Online-Ratgeber teltarif.de vorrechnet. Noch ungewiss ist allerdings, ob die Roaminggebühren in der Europäischen Union Ende 2015 ganz abgeschafft werden, sodass Mobilfunkkunden überall wie zu Hause kommunizieren können.

Was ist wichtig für Vertragskunden?

Urlauber, die nur kurz zu Hause Bescheid geben und nicht ausgiebig telefonieren und surfen wollen, fahren mit dem EU-Tarif am besten, wie Thomas Grund betont. Sie sollten ihn vor der Abreise ausdrücklich verlangen. Denn: Vertragskunden bekommen das offizielle EU-Gebührenmodell nicht immer automatisch eingebucht. Viele landen ungefragt in EU-Auslandstarifen, die ihre Provider parallel anbieten und voreingestellt haben. Diese kommen Wenigtelefonierer aber in der Regel teurer zu stehen. Die Minute ist zwar billiger als im EU-Tarif. "Zum Kostentreiber kann aber die Verbindungsgebühr werden, die einmalig 75 Cent betragen kann", gibt Grund zu bedenken. Sie wird auch für eingehende Telefonate fällig. Außerdem wird meist jede angebrochene Minute voll berechnet. Im EU-Tarif wird dagegen sekundengenau, abgerechnet, nur die ersten 30 Sekunden zählen pauschal. "Sich informieren spart Geld", betont auch Falko Hansen, Sprecher von teltarif.de.

Was gilt für Prepaid-Handys?

Urlauber, die ein Handy mit Guthabenkarte vom Discounter mit auf Reisen nehmen, haben häufig automatisch den EU-Tarif eingebucht. Aber es geht noch deutlich billiger. Für Prepaid-Kunden der E-Plus-Gruppe, die jetzt zum Telefónica-Konzern gehört, sind Telefonate und die mobile Datennutzung im EU-Ausland genauso günstig wie zu Hause. Für die Kundschaft von Simyo und Blau fallen neun Cent pro Minute im Inland wie im EU-Ausland an, eingehende Gespräche sind immer kostenfrei. Ein günstiges Elf-Cent-Angebot, das den EU-Tarif ebenfalls unterbietet, gibt es für Kunden von Aldi-Talk, so Grund.

Wie kann man die Flatrate mitnehmen?

Mit vielen Handy-Flatrates ist Telefonieren und Surfen neuerdings auch im EU-Ausland möglich - manchmal auch in der Schweiz oder der Türkei, also über die Grenzen der Europäischen Union hinaus. "Vielnutzer sollten sich noch vor der Abfahrt bei ihrem Provider schlaumachen und vergleichen, ob sich die Flat auch am Urlaubsort lohnt", rät Grund von Stiftung Warentest. Der Service ist aber nicht umsonst. Kunden der Deutschen Telekom beispielsweise können eine Dreifach-Flat für zusätzlich 19,95 Euro monatlich dazubuchen. Für fünf Euro extra Grundgebühr im Monat gibt es die Option ein ganzes Jahr lang. Vodafone dagegen bietet eine ReiseFlat Plus für 2,99 Euro pro Nutzungstag an. Auch die E-Plus-Kunden können ihre deutsche Flatrate EU-weit nutzen, und zwar für drei Euro monatliche Grundgebühr extra.

Was ist mit weltweiten Verbindungen?

Außerhalb der EU gibt es nach wie vor dicke Kostenfallen. Aus der Türkei daheim anrufen kostet zum Beispiel mit einem Vertragshandy bis zu 1,63 Euro pro Minute, aus den USA oder Kanada zwischen 1,49 und 1,63 Euro, von Ägypten aus sogar happige 2,99 Euro. Auch eingehende Anrufe kosten. Für den Türkei-Urlauber beispielsweise bis zu 69 Cent pro Minute, für den Ägypten-Touristen stolze 1,79 Euro. Und der Datenabruf geht richtig ins Geld. Kurz mal die E-Mails checken kann etwa in Tunesien 19 Euro pro Megabyte kosten. Wer weiß, dass er im Urlaub häufig im Internet ist, sollte bei seinem Anbieter lieber spezielle Datenpakete kaufen. Vor Abreise die Internetverbindung in ausländische Netze deaktivieren, schützt vor hohen Rechnungen. Dann können sich Navigationsprogramme und Apps nicht mehr ständig selbst ins Internet einwählen. Außerdem ratsam: Die Handy-Mailbox vor der Reise abschalten.

Worauf ist auf hoher See zu achten?

Wer vorhat, auf Kreuzfahrt zu gehen, sollte sich unbedingt über die Kosten informieren, bevor man an Bord das Handy oder Tablet benutzt, warnt Martina Totz von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Denn die günstigen EU-Tarife gelten in europäischen Gewässern nicht, und außerhalb schon gar nicht. Je nach Anbieter kann die Kommunikation über das schiffseigene Netz daheim horrend teuer werden. Eine Minute nach Hause telefonieren kann bis zu sieben Euro und mehr kosten. Auch das Surfen im Flugzeug, das bei manchen Gesellschaften inzwischen erlaubt ist, habe seinen Preis, betont Totz. Wer also abwartet, bis das Schiff im Hafen oder der Flieger gelandet ist, kann in der Regel viel Geld sparen.