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Räume gestalten:Warum das Styling nicht gelingt

In der Zeitschrift sah es so schön aus: gewischte Wände, Terrakottafliesen, leichte Korbmöbel. Und im eigenen Wohnzimmer wirkt das Ganze kalt und ungemütlich. Was ist bloß falsch gelaufen?

Im Magazin sah das Zimmer toll aus: Dunkle gewischte Wände, Terrakottafliesen, dazu leichte Korbmöbel. In der eigenen Wohnung wirken dunkle Farben und Fliesen plötzlich kalt und ungemütlich. "Die Einrichtung mag im sonnigen Süden gut aussehen, aber diese Ausstrahlung wirkt nicht im kalten Norden", sagt Kerstin Huber, Innenarchitektin aus Landsham (Bayern).

Statt blind Konzepte zu übernehmen, muss die eigene Einrichtung auf die heimische Wohnung abgestimmt werden. Gute Ideen finden sich in Einrichtungsmagazinen aber durchaus. Denn Wohnen hat zwar viel mit Geschmack zu tun, ein paar Regeln für eine gelungene Einrichtung gibt es aber trotzdem.

Ob die Wohnung im Landhausstil oder puristisch eingerichtet wird, hängt von den eigenen Vorlieben ab. Wichtig ist ein Gesamtkonzept. "Formensprache und Farbwelt müssen zusammen passen. Dann wirkt die Einrichtung stimmig", erklärt der Innenarchitekt Heiko Gruber aus Rüdesheim (Rheinland-Pfalz). Gut sei, in einem Farbspektrum zu bleiben. Erdtöne wie Braun, Gelb oder Orange passten beispielsweise zu dunklen Nußbaum-Möbeln. Wer auf schwarze Möbel steht, sollte sie mit grauen Tönen kombinieren, erklärt Norbert Berndt, Präsident des Zentralverbandes Raum und Ausstattung in Bonn.

Mit einzelnen Möbeln oder Dekorationsartikeln lassen sich Akzente setzen: "Wenn sie ein Zimmer mit weichen Farben eingerichtet haben, können sie einen kräftigen Ton dazu nehmen, etwa für die Kissen", rät Huber. Eine andere Möglichkeit sei, lackierte Oberflächen mit matten zu kombinieren und so Kontraste zu schaffen, erklärt Heiko Gruber.

Beliebt ist die Verbindung von modernen Möbeln und Antiquitäten - doch sie funktioniert nicht immer: "Wenn Sie einen verschnörkelten, antiken Schrank haben, kann man ein modernes geradliniges Möbelstück dazu stellen", sagt Huber. Bei aller Kombinationsfreude ist allerdings Vorsicht geboten. Ein Stil muss deutlich überwiegen, erklärt Berndt. Sonst wirkt die Wohnung zusammengestückelt.

Genau das ist das Problem vieler Wohn-, Ess- oder Schlafzimmer. Die meisten Menschen sammeln über Jahre Möbel an, Freunde bringen Dekoartikel von Reisen mit, der geerbte Sessel braucht einen Platz. Ziehen zwei Personen zusammen, werden die Möbel kombiniert. "Die Leute sehen oft nur das Einzelstück, nicht aber das Gesamtbild. Schrank und Sofa sind allein vielleicht schön, aber in der Kombination eine Katastrophe", erklärt Huber.

Warum das Styling nicht gelingt

Ist die Wohnung mit verschiedenen Möbeln voll gestopft, wirkt sie überladen. Spätestens dann ist es Zeit, sich von einzelnen Stücken zu trennen: "Eine Wohnung muss immer wieder gepflegt werden, indem Sachen weggestellt und Platz geschaffen wird", erklärt Gruber.

Haben die Bewohner genug von ihrem chaotischen Mix, hilft nur, die Wohnung systematisch neu zu gestalten. "Schauen Sie sich an, welche Möbel ihnen wirklich gefallen", rät Kerstin Huber. "Der Rest kommt weg."

In einer Mietwohnung müsse anschließend geprüft werden, welche Gegebenheiten nicht verändert werden können - etwa der Fußboden oder die Farbe der Fenster.

Schließlich sollte der Bewohner überlegen, wie er sich das Zimmer idealerweise wünscht, was davon mit den eigenen Möbeln zu realisieren ist und wie diese möglicherweise umgestaltet werden können. Denn schon mit etwas Farbe und anders aufgestellt, kann das alte Regal zum Hingucker werden, sagt Berndt.

Sind diese Überlegungen abgeschlossen, sollte die Suche nach neuen Möbeln beginnen. Und erst wenn die passenden Einrichtungsgegenstände gefunden wurden, ist es Zeit über Farben an den Wänden nachzudenken. "Viele machen das andersherum. Sie streichen die Wände, kaufen dann Möbel und beides passt später nicht optimal zusammen", sagt Huber. Bei der Farbauswahl spielen Form und Größe des Raums eine wichtige Rolle.

Dunkle Töne eignen sich nur für große Zimmer, und je dunkler die Decke gestrichen wird, desto mehr drückt sie nach unten. "Dunkle Farben bieten sich nur für sehr hohe Decken an", erklärt Berndt.

Kleine Räume sollten in pastelligen Tönen gestaltet werden. "Durch sie werden die bestehenden Raumgrenzen aufgelöst", erklärt Gruber. Wird eine Wand dunkel gestrichen, bekommt der Raum Tiefe. Ein helles Möbelstück davor schafft Kontraste. "Ich würde aber nur maximal zwei Wände dunkel streichen." Ähnliche Vorsicht sei bei kräftig gemusterten Tapeten angebracht, da die Fläche schnell unruhig wirkt.

Zum Streichen und Putzen eignet sich eine Deckenlampe gut. Sonst haben die Bewohner mehr von Einzelleuchten, die sie im Raum verteilt anbringen können. So lassen sich Beleuchtungszonen schaffen: Auf dem Sofa, beim Lesen, scheint helles Licht, in der Ecke nur indirektes. "Dann blicken Sie nicht in ein dunkles Loch", sagt Gruber.

Bei der Auswahl der Lampen spielt die Lichtfarbe eine wichtige Rolle. "Sie sollten in einer Farbe bleiben und nicht gelbes Licht von Glühbirnen mit Halogenstrahlern kombinieren", erklärt der Innenarchitekt. "Da fühlt sich der Mensch nicht wohl." Passen Einrichtung, Wandfarben und Licht zusammen, ergibt sich ein stimmiges Bild. Und das ist das Ziel: "Eine Wohnung ist gut eingerichtet, wenn sie raus gehen und sagen "Die sieht toll aus", ohne benennen zu können, woran es genau liegt", sagt Huber.

Informationen:

Bund deutscher Innenarchitekten (BDIA), Königswinterer Str. 675, 53227 Bonn, Tel.: 0228/90 82 940.

Zentralverband Raum und Ausstattung, Burgstrasse 81, 53177 Bonn, Tel.: 0228/36 79 00.

(dpa - Carina Frey

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