Süddeutsche Zeitung

Profil Otmar Hasler:Auf heikler Mission

Der liechtensteinsche Regierungschef in Berlin - das erste Mal seit 16 Jahren, dass ein Premier aus Vaduz Rede und Antwort steht.

Judith Raupp

In Liechtenstein erzählen die Einheimischen gern einen Witz. Wer im Auto unterwegs sei, müsse eine winkende Hand aus Plastik montieren. Denn wenn der Fahrer selber alle grüßen würde, die er kennt, sei die Unfallgefahr zu groß. Tatsächlich geht es in dem kleinen Alpenstaat mit seinen 35.000 Bewohnern ziemlich familiär zu. Wer zum Beispiel zu Recherchezwecken in den Hauptort (so lautet die offizielle Bezeichnung, nicht Hauptstadt) Vaduz reist, wird von Regierungschef Otmar Hasler persönlich begrüßt. Die örtliche Presse ist dann dabei. Und am nächsten Tag steht in der Zeitung, dass "internationale Journalisten" zu Besuch gewesen seien.

Hasler ist ein ausgesprochen höflicher Mensch. Natürlich weiß er, dass fast jedes Gespräch über Liechtenstein früher oder später bei den Geldgeschäften ankommt. Das wird auch so sein, wenn der Regierungschef von der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP) an diesem Dienstag und Mittwoch Kanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Peer Steinbrück und Innenminister Wolfgang Schäuble trifft. Es ist das erste Mal seit 16 Jahren, dass ein Premier aus Vaduz in Berlin vorspricht. Es könnte ein Triumph für Hasler sein, wenn da nicht die Affäre Klaus Zumwinkel wäre. Der frühere Chef der Deutschen Post soll eine Million Euro Steuern über Stiftungen in Liechtenstein hinterzogen haben.

Hasler, ein studierter Lehrer, muss also wieder einmal die Geduld eines Pädagogen aufbringen.

Was ist sauberes Geld?

Wie immer in solchen Fällen wird er wohl erklären, dass Liechtenstein eine besonders scharfe Finanzmarktaufsicht habe, dass die Zeiten vorbei seien, in denen Kriminelle ihr Geld waschen konnten. Bei diesem Thema bleibt Hasler, der auch Finanzminister von Liechtenstein ist, in aller Regel ganz entspannt. Sein Land, sagt er, wolle nur noch sauberes Geld verwalten.

Doch was ist sauber? Für eine klärende Antwort ist Hasler bei früheren Gelegenheiten oft auf die Floskel des "gesunden Steuerwettbewerbs" ausgewichen. Der 54 Jahre alte Liechtensteiner merkte dann gerne an, dass es nicht die Schuld seines Landes sei, wenn reiche Ausländer wegen der Niedrigtarife in das Fürstentum flüchteten. Und dass Liechtenstein aufgrund seiner Gesetze bei Steuerhinterziehung keine Rechtshilfe leisten muss, hat er stets verteidigt.

Ob Hasler, Vater von vier Kindern, das selbst wirklich fair findet, versteckt er hinter einer immerzu freundlichen Fassade. Seit er 1989 ins Parlament gewählt wurde, hat er gelernt, dass in Liechtenstein nur vorwärts kommt, wer nicht durch allzu laute Töne auffällt. Das Volk, gesättigt vom Reichtum, will keinen Streit. Selbst als Hasler mit seiner FBP bei den Wahlen 2001 die absolute Mehrheit im Parlament gewann, bot er der Opposition eine Koalition an.

Doch die Vaterländische Union stieg erst nach der Wahl 2005 in die Regierung ein, als die FBP die absolute Mehrheit wieder verlor.

Über die wirklich wichtigen Regierungsgeschäfte spricht Hasler aber mit Erbprinz Alois, dem Fürst Hans-Adam II. die Macht im Staat übertragen hat. Wenn Alois wollte, könnte er Hasler jederzeit entlassen. Aber das wird Hasler, dem Meister der Diplomatie, nicht so schnell passieren.

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SZ vom 19.02.2008/ang
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