Produkttest Verzinsung als Falle

Die Postbank-Visa-Card mit Sparfunktion: Wer Rendite will, hat keine vollwertige Kreditkarte mehr

Von Peter Lutzmann

Wieder mal Post von der Postbank: "Dank der neuen, cleveren Sparfunktion Ihrer Postbank VISA Card kassieren Sie ab sofort auch attraktive Zinsen von bis zu 2,7% p.a. auf Ihr gesamtes Guthaben."

So preisen die Banker in Blau-Gelb die neue Guthabenverzinsung auf dem Kreditkartenkonto an. Das Institut setzt in Sachen Schlauheit noch eins drauf: Die im Flyer abgebildete Visa-Karte gehört laut Aufschrift einer Petra Pfiffig.

"Die Sparfunktion bringt Ihnen nur Vorteile: Ob kurzfristig zur Verfügung stehendes Kapital oder langfristige Sparvorhaben - überweisen Sie Ihr Geld einfach auf Ihr Kreditkartenkonto...", versprechen die Postbanker im Anschreiben.

Nicht alles Gold, was glänzt

Liest sich gut: Die Zinsgutschrift erfolgt monatlich, und der Kunde kann täglich über das Geld verfügen. Eine Kreditkarte mit Tagesgeldkonto also. Sogar die 2,7 Prozent Zinsen sind auf den ersten Blick nicht das Schlechteste, liegt der Zinssatz marktüblicher Tagesgeldkonten doch im Schnitt bei 2,45 Prozent pro Jahr und damit unter dem Angebot der Postbanker.

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Und das erkennt der pfiffige Kunde, wenn er den Prospekt genau durchliest. Denn die "attraktiven Zinsen von bis zu 2,7%" gibt es nur ab einem Guthaben von 25 000 Euro auf dem Kreditkartenkonto.

Wer zwischen 5000 und 24 999 Euro auf das Kartenkonto packt, erhält mit einem Zinssatz von 2,2 Prozent schon weniger als auf einem durchschnittlichen Tagesgeldkonto.

Mit gerade mal ein Prozent werden jene abgespeist, die zwischen 1000 und 4999 Euro gut haben. Und ganz leer geht aus, wer weniger als 1000 Euro anlegt.

Bessere Alternativen

"Gewinnbringend Geld parken - oder auch regelmäßig größere Beträge ansparen", wie es in der Werbung weiter heißt, dürfte für viele Kleinanleger anders aussehen.

Denn es gibt bessere Alternativen: Gut verzinste Tagesgeldkonten außerhalb der Postbank bieten schon bis zu 3,75 Prozent ab dem ersten Euro.

Und wer sparen möchte, kann sein Geld beispielsweise auch in kurzfristige Festgelder anlegen. Da gibt es - wiederum außerhalb der Postbank - für Beträge in Höhe von 5000 Euro immerhin schon bis zu 3,90 Prozent für drei Monate, bis zu 4,00 Prozent für sechs Monate und bis zu 4,20 Prozent für ein ganzes Jahr.

Zudem hat die Sparfunktion der Postbank-Visa-Karte für den Kreditkartenkunden mit Guthaben noch einen zentralen Nachteil: Das Konto werde bei Verfügungen mit der Karte aus Guthaben bei Buchung sofort belastet, heißt es bei der Postbank auf Anfrage der SZ.

Das heißt: Wie bei einer EC/Maestro-Karte wird der Betrag sofort abgebucht. Die Kreditkarte ist also eigentlich keine Kreditkarte mehr.

Karte ohne Guthaben

Deshalb muss sich der Visa-Karten-Kunde der Postbank überlegen, ob er die Kreditkarte nicht besser ohne Guthaben führt, was die Postbank weiterhin erlaubt. Dann wird das Konto nämlich in der Regel später und nur einmal rund alle vier Wochen ausgeglichen.

Solch ein Vorgehen hat für einen wirklich cleveren Kunden Vorteile: Er kann beispielsweise Anfang April für 4000 Euro einen Computer mit der Kreditkarte ohne Guthabenverzinsung kaufen.

Erst Ende April muss er das Geld auf dem Girokonto haben, von dem das Kreditkartenkonto ausgeglichen wird. In der Zwischenzeit bleiben ihm fast vier Wochen, in denen er die 4000 Euro woanders parken kann, was ihm beispielsweise zehn Euro Zinsen (4000 Euro zu drei Prozent für einen Monat) bringt.

Fazit: Statt Erspartes auf das Postbank-Kreditkartenkonto zu überweisen, täten Frau oder Herr Pfiffig gut daran, das Geld auf einem höher verzinsten Tagesgeldkonto zu parken.

Die Postbank-Visa-Karte - oder ebenso eine andere Kreditkarte - können schlaue Kunden nehmen (aber ohne Guthabenverzinsung) und sollten dann möglichst viel mit diesen Karten bezahlen.