bedeckt München 17°

Paris:Hoffnung vor Gipfeltreffen

Mit Spannung wird der Krisengipfel der Euro-Staaten in Paris erwartet. Das britische Paket könnte Modell für ein EU-weites Rettungspaket stehen. Kanzlerin Merkel wirbt unterdessen um Verständnis bei den Bürgern.

Wenige Stunden vor dem Pariser Krisengipfel der Euro-Staaten am heutigen Sonntagabend scheint sich eine Einigung auf das britische Modell zur Eindämmung der Finanzkrise abzuzeichnen. Großbritannien hatte 500 Milliarden Pfund (636 Mrd. Euro) bereitgestellt, um Leihgeschäfte von Banken zu garantieren und das Eigenkapital der Finanzinstitute mit bis zu 50 Milliarden Pfund zu stärken.

Merkel wirbt um Verständnis bei den Bürgern.

(Foto: Foto: dpa)

Auch Frankreich und Deutschland signalisierten ihre Bereitschaft, diese Instrumente zu akzeptieren. Beide Staaten wollen ihre Rettungspakete noch diese Woche in das Parlament einbringen.

Allerdings betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag, jedes Land werde entsprechend seiner Lage die nötigen Werkzeuge einsetzen.

Brown fordert Zusammenarbeit

Vor dem Gipfel der Euro-Staaten trifft der französische Gastgeber Nicolas Sarkozy mit dem britischen Premierminister Gordon Brown zusammen. Großbritannien gehört nicht den 15 Ländern der Euro-Zone an, steht aber im Zentrum der Bankenkrise.

Brown warb vor dem Treffen für eine internationale Zusammenarbeit. "Kein Land - auch nicht das größte - kann es in Zeiten wie diesen alleine schaffen", schrieb Brown im Sunday Mirror. Er wolle in Paris die anderen europäischen Staaten überzeugen, das britische Modell zu übernehmen.

Bundeskanzlerin Merkel bezeichnete den Krisengipfel in Paris als nächsten Schritt nach dem G-7-Treffen am Samstag, bevor es zur nationalen Umsetzung von Maßnahmen komme.

Es gehe um die Einigung auf einen einheitlichen "Instrumentenkasten" für Europa. Ein Paket zur Stützung der Banken werde zeitlich sehr schnell auf den Weg gebracht, sagte Merkel am Samstag nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy.

Sondersitzung des Kabinetts

Das Rettungspaket für die deutsche Finanzbranche soll bereits am Montag in einer Sondersitzung des Kabinetts beraten werden. Mit dem größten Banken-Rettungspaket der Nachkriegsgeschichte will die Regierung die sich auch in Deutschland immer weiter zuspitzende Finanz- und Wirtschaftskrise entschärfen.

Das Bundeskabinett wird dazu in einer Sondersitzung ein auf dem Gebiet der Wirtschaft noch nie dagewesenes Eil-Gesetzgebungsverfahren einleiten, das am Ende den Steuerzahler nach Schätzungen in den Fraktionen um mehr als 100 Milliarden Euro belasten könnte. Medienberichte, in denen von Summen von bis zu 400 Milliarden Euro die Rede war, wurden in Regierungs- und Fraktionskreise zurückgewiesen.

Merkel warb um Verständnis für die milliardenschweren Hilfsmaßnahmen. "Nur ein Handeln des Staates kann jetzt das notwendige Vertrauen zurückbringen", sagte sie der Bild am Sonntag. "Wir tun das nicht im Interesse der Banken, sondern im Interesse der Menschen."

Großbritanniens Regierung will sich bei Großbanken einkaufen

Unterdessen hat sich die britische Bankenbranche Kreisen zufolge für Montagmorgen auf die Enthüllung der Pläne für staatliche Kapitalspritzen eingestellt. Mit entsprechenden Ankündigungen werde vor Börsenauftakt gerechnet, sagte eine mit der Entwicklung vertraute Person.

Am Sonntag verhandelten die Banken noch in Krisengesprächen mit der Regierung und mit den Aufsichtsbehörden über Einzelheiten der Pläne, nach denen der britische Staat milliardenschwere Anteile an mehreren Institute übernehmen würde. Großbritannien hatte 50 Milliarden Pfund Kapitalhilfen angeboten.

Nach einem Bericht der Sunday Times könnte wegen des enormen Umfangs der Maßnahme der Handel an der Londoner Börse ausgesetzt werden.

Die London Stock Exchange (LSE) dämpfte jedoch entsprechende Erwartungen: "Nach meiner Information wird der Markt am Montag öffnen", sagte ein LSE-Sprecher. Die Sunday Times berichtete weiter, die Royal Bank of Scotland (RBS), HBOS, Lloyds TBS und Barclays könnten zusammen 35 Milliarden Pfund beantragen.

© dpa/AP/dmo/ssh
Zur SZ-Startseite