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Palast der Republik abgerissen:Erichs Lampenladen ist Geschichte

Nach jahrelanger Verzögerung wurde der letzte Rest der Palastruine in Berlin von einem Abrissbagger platt gemacht.

Karl Marx und Friedrich Engels als Denkmalfiguren sahen weg, als hinter ihrem Rücken nach jahrelanger Verzögerung der letzte Rest der Palastruine vom Abrissbagger platt gemacht wurde.

Ein letztes Mal "knabberte" der Abrissbagger an den Resten des ehemaligen Palasts der Republik in Berlin.

(Foto: Foto: dpa)

In ihrem Namen war einst "Erichs Lampenladen" als emonstrativer "Volkspalast" des "Arbeiter- und Bauernstaats" DDR an der Stelle der von der SED gesprengten Ruine des Berliner Stadtschlosses errichtet worden. Marx und Engels werden an ihrem Denkmalstandort am früheren Marx-Engels-Platz und der Liebknechtbrücke über der Spree nun auch den Wiederaufbau des Hohenzollern-Schlosses miterleben müssen.

Am Dienstag war noch ein letztes Mal der große Abrissbagger mit seinem 40 Meter langen Greifarm und der "Knabberzange" gefordert, bevor mit dem Abtransport der Schuttreste und dem Planieren des Schlossplatzes ein wichtiger Schritt in die neue Zukunft der Hauptstadt getan wurde.

Der Palast der Republik war zu DDR-Zeiten nicht nur Sitz der Volkskammer, sondern auch als Treffpunkt für Konzerte oder als Adresse zum Ausgehen beliebt. Der am 23. April 1976 eröffnete Palast galt als Visitenkarte des Sozialismus.

Teure Asbestentsorgung

Während seine Gegner den Palast als Schandfleck in Berlins historischer Mitte und als abrissreife Ruine sahen, hatte ihn die Kunst- und Kreativszene lange nach dem Ende der DDR für die Zwischennutzung bis zum endgültigen Abriss entdeckt. Die Ruine mit dem abmontierten DDR- Emblem am Spreeufer wurde zum Schauort von 900 Kunst-Events, darunter eine Castorf-Inszenierung von "Berlin Alexanderplatz".

Ursprünglich waren für den Abriss des 180 Meter langen und 32 Meter hohen Palasts zwölf Millionen Euro kalkuliert worden. Für die aufwendige Asbestbeseitigung kamen dann noch 20 Millionen Euro hinzu, so dass der Palast-Abriss insgesamt 32 Millionen Euro kosten wird, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angab.

"Wir sind sehr froh, dass die Arbeiten so gut geklappt haben und es auch keine Verletzten gab", sagte Michael Möller. Die "technisch anspruchsvollste" Phase der Abrissarbeiten sei das Herablassen der 120 Tonnen schweren, sieben Meter hohen und 100 Meter langen Stahldachträger über dem großen Saal gewesen, erinnerte sich der Bauleiter. Er war von Anbeginn der Abrissarbeiten im Januar 2006 dabei. Jetzt übergibt er das Areal "besenrein" an den Landschaftsbauer, der den Schlossplatz bis zum Beginn des Wiederaufbaus des Stadtschlosses 2010 begrünen und als Erholungsfläche für die Hauptstädter gestalten soll.

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