Österreich Ärger mit der Dynastie Meinl

Österreich hat einen neuen Börsenskandal. Verwickelt sind mehrere Firmen, die den Traditionsnamen Meinl tragen - und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Der löste in seiner Zeit als Regierungsmitglied bereits so manchen Ärger aus.

Von Wolfgang Simonitsch

Es geht um viel Geld und drei an der Wiener Börse notierte Meinl-Papiere, deren Kurs schwer unter Druck geraten ist.

Auslöser war ein zunächst in aller Stille abgewickelter, mehr als 1,8 Milliarden Euro teurer Rückkauf von Zertifikaten, die die Kursentwicklung der Aktien der auf der englischen Kanalinsel Jersey angesiedelten Immobilienfirma Meinl-European Land (MEL) widerspiegelt.

Als dies bekannt wurde, stürzte der Kurs der MEL-Aktie binnen einer Woche von 17 auf knapp 12 Euro ab. Auch die Papiere der Meinl Airports International Limited (MAI) und der Meinl International Power (MIP), in der Ex-Finanzminister Grasser als Eigentümer mit einem Anteil von einem Drittel im Vorstand sitzt, brachen ein.

Im Zwielicht

Nun gerät auch noch die Wiener Meinl-Bank, die alle drei Aktiengesellschaften als Investmentbank begleitet, jedoch nicht daran beteiligt ist, ins Zwielicht.

Sie soll, angeblich wegen Problemen mit Computern, Verkaufsaufträge für MEL-Aktien nicht zeitgerecht abgewickelt haben. Laut dem Wiener WirtschaftsBlatt habe sie bereits Schadensersatz an sechs Anleger bezahlt.

Damit nicht genug: Versicherungen, Pensionskassen und Kleinanleger sollen Millionenklagen gegen die Bank und MEL vorbereiten. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) prüft derzeit den Verdacht auf Marktmanipulation, Verletzung der Publikationspflichten und irreführende Angaben im Kapitalmarktprospekt.

Umstrittener Rückkauf

Im Zentrum der Vorwürfe steht der umstrittene und nicht gemeldete Rückkauf der Zertifikate. Die Wiener Börse und etliche Juristen vertreten die Ansicht, Meinl könne sich nicht auf die für Jersey maßgeblichen Publizitätspflichten berufen, die keine Pflicht zur Veröffentlichung von solchen Transaktionen vorsehen.

Sie meinen, die Meldepflichten des österreichischen Börsengesetzes wären auch für MEL einzuhalten gewesen, weil im April die EU-Transparenzrichtlinie für alle an der Wiener Börse notierten Aktien in Kraft getreten ist. Sollte dagegen verstoßen worden sein, drohten MEL hohe Entschädigungszahlungen, weil Anleger gute Erfolgsaussichten mit Schadensersatzklagen haben dürften.

Die Bank weist die Vorwürfe jedoch zurück. Ex-Finanzminister Grasser nennt die Kursstürze der Meinl-Aktien eine "irrationale Übertreibung der Märkte" und behauptet, die Substanz der Firmen sei gut.

Hohe Managementgebühren

Grasser ist in seiner neuen Rolle aber nicht unumstritten: Als Meinl-Manager ist er wegen seiner MIP-Managementgebühren von 3,2 Millionen Euro in die Kritik geraten.

Auch der Bankchef Julius Meinl V., der zuletzt Kleinanleger heftig umworben hat, hat sich geäußert. Er verspricht Besserung und kündigte an, bei der Einhaltung der Börsenregeln "Musterschüler" werden zu wollen.