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Neue Quartiere in München:Es kann gewohnt werden

Der ehemalige Containerbahnhof galt lange Zeit als Schandfleck. Während die einen immer noch Vorbehalte gegen die Lage am Bahnhof haben, sind die anderen schon eingezogen.

Verkommene alte Gebäude und Bretterschuppen, umrahmt von wucherndem Gestrüpp und Müllablagerungen - diesen unschönen Anblick bot vor noch nicht allzu langer Zeit das Gebiet hinter dem Münchner Hauptbahnhof zwischen Arnulfstraße und Bahngleisen.

Blick in den noch frischen Arnulfpark: Die Wohngebäude (rechts) sind teilweise schon bewohnt, Bürogebäude entlang der Bahnschienen (links)werden noch gebaut. Der Schornstein gehört zum Heizkraftwerk. In dem historischen Gebäude werden Theater und Restaurant Ablenkung bieten.

(Foto: Foto: Arnulfpark®, Vivico)

Inzwischen hat sich dort einiges verändert, denn auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Containerbahnhofes zwischen Hacker- und Donnersbergerbrücke entsteht das neue Stadtquartier Arnulfpark. Noch stehen große Kräne und Baumaschinen auf dem Gelände.

18 Hektar umfasst dieses Innenstadt-Areal, das sich so vorteilhaft verändert hat. Mittelpunkt ist der lang gestreckte, 40.000 Quadratmeter große zentrale Park mit zwei Stadtplätzen an den beiden Schmalseiten. Um ihn herum gruppieren sich die Gebäude. Etwa 81.000 Quadratmeter sind nach den Planvorgaben der Stadt für Wohnungen vorgesehen, 290.000 für Büro und Gewerbe für etwa 4300 Arbeitsplätze.

Wichtig war den städtischen Planern, möglichst viel Grünflächen auszuweisen. Der Park mit seinen Wiesen und derzeit noch recht kleinen Bäumen bietet somit eine Frischluftoase zum Verweilen unmittelbar vor der Wohnungs- oder Bürotür. Es gibt Plätze für Schach- und Boulespieler, Skater und natürlich Kinderspielplätze.

Direkt neben den Gleisen wird auf einer Länge von etwa einem Kilometer die neue Stadtkante mit Bürogebäuden entstehen, die auch als Lärmschutz dient. Die mäanderförmig angelegten Gebäude mit unterschiedlicher Höhenstaffelung werden in den unteren Etagen Büro- und Gewerbeflächen enthalten und bis etwa 2009 fertig gestellt werden. Die oberen Geschosse sind für Wohnungen vorgesehen.

Gegenüber, getrennt durch den Park, der das Neubaugebiet als breites Band durchzieht, entsteht ein Mischgebiet mit Schule. An der Ostseite nahe der Hackerbrücke will die Vivico Real Estate Gmbh, die das Gesamtprojekt entwickelt hat, ein eigenes Bürogebäude für den Sitz ihrer Münchner Zentrale errichten.

Der Arnulfpark "ist eine Liegenschaft, die erst mal gar nicht existierte, die wurde immer ausgeblendet von den Leuten", sagt Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt. Dass viele Münchner das Gebiet einfach ignoriert haben, liege daran, dass es mit den Jahren immer mehr herunter gekommen und verwahrlost sei. Den einstmaligen Schandfleck nun wieder ins Blickfeld zu rücken, sei "noch immer eine Herausforderung". Denn nach wie vor gebe es Vorbehalte gegen die Lage am Bahnhof.

Immerhin konnte der Park schon im Herbst vergangenen Jahres eingeweiht werden. Dass die Parkanlage fertig ist, "war für die Wohnbauträger essentiell wichtig, denn keiner will permanent an einer Baustelle leben", betont Brandt. Die drei beteiligten Wohnbauträger sind seitdem zufrieden mit der Resonanz, die zunächst nur mäßig war. Vor einem Jahr "lief der Verkauf eher schleppend", berichtet Dietmar Windemuth von der Concept Bau, die am Arnulfpark in zwei Häusern insgesamt 72 Wohnungen baut.

Im vergangenen Jahr dann hätten sich die Verkaufszahlen sehr gut entwickelt, und "momentan reißen sich die Leute um unsere Wohnungen". Im ersten Haus gebe es nur noch zwei freie Wohnungen.

Die Bayerische Hausbau GmbH als weiterer Wohnbauträger hat ihre insgesamt 152 Wohnungen bereits fertig gestellt. 64 von ihnen sind nach Angaben von Unternehmenssprecherin Sabine Sommer mittlerweile verkauft. Vor kurzem hätten die ersten Bewohner ihr neues Domizil bezogen, darunter auch etliche Familien mit Kindern.

Als dritter Wohnungsbauträger ist die J. K. Wohnbau dabei. Sie baut zwei A-förmig zum Park ausgerichtete Gebäude mit insgesamt 74 Wohnungen, die zwischen Juli und September dieses Jahres fertig sein sollen. "Die Nachfrage war vom ersten Tag an gut", sagt Firmeninhaber Josef K. Kastenberger. Über 80 Prozent der Wohnungen seien inzwischen verkauft.

Demnächst wird es im neuen Stadtquartier auch eine Kulturstätte geben. Ein Investor hat vor einigen Monaten das alte Heizkraftwerk auf dem Gelände gekauft und will im historischen Maschinenhaus nach den nötigen Sanierungsarbeiten ein Theater sowie ein Restaurant eröffnen.