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Kampf gegen Finanzkrise:Eine Billion für Schrottpapiere

Mit privatem Geld aus der Krise: Um die Banken zu entschulden, plant US-Finanzminister Geithner jetzt Bündnisse mit Spekulanten.

Die US-Regierung will Banken knapp die Hälfte ihrer faulen Wertpapiere abnehmen, um die Klemme auf den Kreditmärkten zu lösen. Dafür plant sie, Bündnisse mit Spekulanten einzugehen. An diesem Montag wird der Plan am frühen Nachmittag offiziell vorgestellt. Die Amerikaner versuchen, mit den neuen Maßnahmen die Finanzkrise an ihrer Wurzel zu bekämpfen.

Obamas Schlag gegen die Finanzkrise - Zusammenarbeit mit Spekulanten.

(Foto: Foto: AP)

Schon im Februar hatte Finanzminister Timothy Geithner seinen Plan umrissen. Allerdings blieb er dabei so vage, dass Investoren Vertrauen in sein Krisenmanagement verloren.

Dieses Mal wird Geithner konkreter. Nach ersten Informationen will er Banken mit Hilfe privater Investoren faule Wertpapiere im Volumen von einer Billion Dollar abkaufen. Insgesamt haben Amerikas Finanzinstitute noch etwa zwei Billionen Dollar in Anlagen investiert, die sie auf dem freien Markt nicht loswerden.

Zumeist beruhen diese auf gebündelten Hypotheken. Da niemand weiß, wie viele Amerikaner noch in Zahlungsverzug geraten, ist es fast unmöglich, den wahren Wert dieser Finanzprodukte zu ermitteln. Für jeden Dollar, den die Banken in faule Wertpapiere gesteckt haben, wollen sie mindestens 60 Cent zurückbekommen. Hedgefonds bieten gerade einmal 30 Cent.

Kernstück des Plans ist die Zusammenarbeit mit Spekulanten. Das Finanzministerium will Investmentfirmen anheuern, die glauben, dass sich der Preis der Wertpapiere in den nächsten Jahren erholt. Für jeden Dollar, den die Privatinvestoren einsetzen, will die Regierung einen Dollar dazugeben. Mögliche Gewinne und Verluste sollen geteilt werden.

Dem Markt auf die Sprünge helfen

Das Programm wird von zwei weiteren Maßnahmen flankiert. Erstens sollen mit Hilfe der staatlichen Einlagensicherung FDIC günstige Darlehen an Fonds vergeben werden, die mit dem Geld Bankkredite kaufen wollen.

Dies würde die Kapitalausstattung der Banken verbessern. Hierbei wäre die Regierung sogar bereit, jeden privaten Dollar mit vier Dollar aus dem Staatshaushalt aufzustocken. Zweitens will die Regierung ein Programm ausweiten, bei dem Schrottpapiere als Sicherheiten für Kredite bei der Notenbank (Fed) hinterlegt werden können.

Allerdings gibt es Zweifel daran, ob der Plan funktioniert. Die Bereitschaft von Privatinvestoren, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, hat durch den Streit über Bonuszahlungen an der Wall Street erheblich gelitten. Der Kongress will eine Strafsteuer auf Gehaltsprämien in staatlich gestützten Unternehmen erlassen.

Viele Fondsmanager befürchten, dass auch sie Einschränkungen hinnehmen müssen, wenn sie Investitionshilfen akzeptieren. Versicherungen der Regierung, ihnen keine solche Vorschriften zu machen, misstrauen sie. Auch die Frage, ob die Subventionen die Preisvorstellungen von Investoren und Banken in Einklang bringen werden, ist offen. Die Vorgängerregierung jedenfalls scheiterte bei dem Versuch, den Wert der Schrottpapiere zu bemessen.

Weitere Bankenpleiten

Bankenpleiten machten am Wochenende deutlich, wie groß die Notlage immer noch ist. Die Behörden schlossen am Wochenende in den Vereinigten Staaten neben drei kleineren Regionalbanken auch zwei große Genossenschaftsbanken. Die Krise hat sich damit auf Teile der Bankenbranche ausgeweitet, die eigentlich als risikoscheu gelten.

Die beiden betroffenen Institute hätten sich jedoch weit von ihrem Kerngeschäft entfernt und eine "inakzeptabel hohe Konzentration an Risiken" angehäuft, meldeten die Behörden. Insgesamt scheiterten in diesem Jahr bereits 20 Banken.

Um Finanzkrisen künftig zu vermeiden, will die amerikanische Regierung die Aufsicht über das Finanzsystem verbessern. Die Befugnisse der Fed sollen massiv ausgebaut werden. Zudem sollen sich die Gehälter an der Wall Street nicht mehr an kurzfristigen Gewinnen, sondern an der langfristigen Profitabilität orientieren. Entsprechende Pläne wollen die Amerikaner im Vorfeld des Treffen der Staatengruppe G20 Anfang April vorlegen.