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Historische Staatspleiten:Wenn dem Staat das Geld ausgeht

Griechenland belasten rund 350 Milliarden Euro Schulden, Hellas droht der Staatsbankrott. In der Historie gab es schon so manche Pleite - unter anderem wegen kriegslüsterner Könige, gieriger Spekulanten und zu vielen Korinthen. Ein Blick in die Geschichte der Staatsbankrotte von 1340 bis heute.

Mario Lochner

10 Bilder

Battle_of_Auray_2.jpg

Quelle: SZ

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Griechenland belasten hunderte Milliarden Euro Schulden, die Welt fürchtet einen Staatsbankrott. In der Historie gab es schon so manche Pleite - unter anderem wegen kriegslüsterner Könige, gieriger Spekulanten und zu vielen Korinthen. Ein Blick in die Geschichte der Staatsbankrotte vom 14. Jahrhundert bis heute.

Im Jahr 1340 ging zum ersten Mal ein europäischer Staat pleite: England. König Edward II. musste den Schuldendienst gegenüber italienischen Bankiers einstellen. Den Engländern war das Geld nach einer misslungenen Frankreich-Invasion ausgegangen, die zum Hundertjährigen Krieg führte - im Bild die Schlacht von Auray. Aber nicht nur England war von der Staatspleite betroffen, auch in Florenz brachen große Finanzhäuser zusammen.

Demonstrators gather and shout slogans in Madrid's famous landmark Puerta del Sol

Quelle: REUTERS

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Die Rekordliste der Staatspleiten führt Spanien an: 13 Mal war das Land schon zahlungsunfähig. Allein während der Regierungszeit von König Philipp II. war Spanien dreimal bankrott: 1557, 1575 und 1596. Vor allem die Kriegslust des Königs strapazierte die Staatskasse - er soll rund 90 Prozent seines Haushalts für das Militär ausgegeben haben.

Die Spanische Armada musste sich 1588 aber trotzdem den Engländern geschlagen geben.

Gegen den Wirtschaftskurs der Regierung protestierten die Spanier auch in der jetzigen Krise wieder, hier ein Bild von 2011 aus Madrid.

Frankreich schmückt sich mit dem Louvre

Quelle: AFP

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An den Rand des Bankrotts brachte Frankreich 1805 ein Konsortium französischer Kaufleute: Die "Compagnie des Négociants réunis" hatte mit spanischen Silberreserven in Mexiko spekuliert und den Staat damit um viel Geld betrogen. Napoleon schimpfte das Vorgehen "Schaffung von Falschgeld". Zwischen 1500 und 1800 erlebte Frankreich insgesamt acht Pleiten - der Louvre im Bild überstand sie alle.

Ratgeber Reisen: Wien

Quelle: ddp

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Durch die Napoleonischen Kriege ging der österreichische Staat 1811 bankrott. Das Kaisertum, im Bild die Sommerresidenz Schloss Schönbrunn in Wien, hatte den Fünften Koalitionskrieg verloren und sich im Frieden von Schönbrunn verpflichtet, 85 Millionen Francs Ausgleich an Frankreich zu zahlen. Das ließ die kaiserlichen Finanzen zusammenbrechen, weil Österreich durch den Krieg zuvor bereits hochverschuldet war. Das war dem Staat jedoch keine Lektion: 1812 nahm Österreich wieder Schulden auf für den Sechsten Koalitionskrieg - nur vier Jahre später war das Land erneut pleite.

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Quelle: Reuters

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Im Jahr 1876 musste das Osmanische Reich den Staatsbankrott erklären. Bei der Herstellung von Seide und Wolle konnten die Osmanen nicht mehr mit der Massenproduktion der europäischen Textilfabriken mithalten. Zudem verschlang die Bürokratie immer mehr Geld - und Steuererhöhungen erwiesen sich als falscher Weg, weil die Bauern deswegen reihenweise flüchteten und so die Ernten ausfielen.

Griechenland-Hilfe

Quelle: dpa

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Auch die Griechen waren bereits pleite: im Jahr 1893. Die entscheidende Rolle dabei spielte das wichtigste Exportprodukt der Griechen: die Korinthen. Zunächst war der Preis für die Weinbeeren stark gestiegen, vor allem weil die französischen Weinberge vom Mehltau befallen waren. Dann kam die Wende: Die Franzosen erhoben Schutzzölle, ihre Weinberge erholten sich - dagegen stürzte der Weltmarktpreis für Korinthen auf ein Sechstel, die Griechen gingen schließlich pleite.

Kathedrale in Mexiko-Stadt, 1998

Quelle: DPA

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Ein Sprung in die Moderne: Insgesamt acht Staatspleiten erlebte Mexiko seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1810/1821. Das letzte Mal musste das Land seinen Schuldendienst vor 29 Jahren einstellen - Finanzminister Jesus Silva-Herzog erklärte im August 1982 den teilweisen Staatsbankrott. Die Mexikaner hatten 80 Milliarden Dollar Auslandsschulden angehäuft. Zudem hatten sie mit Kapitalflucht und der US-Rezession zu kämpfen. Im Bild die Kathedrale im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt.

JELZIN TSCHERNOMYRDIN

Quelle: DPA

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1998 rollte der Rubel nicht mehr: Russland ging zum fünften Mal in seiner Geschichte pleite. Staatsanleihen im Volumen von 13,5 Milliarden US-Dollar waren ausgefallen. Der Grund dafür: der Verfall des Ölpreises im Jahr 1997. Die Exporterlöse brachen ein und damit die Einnahmen des Staates. Zudem war die russische Wirtschaft hochverschuldet und nicht mehr zahlungsfähig. Gewinner der Rubelkrise waren russische Oligarchen, die mit Energie- und Rohstoffunternehmen Vermögen verdienten und damit schließlich den Präsidentschaftswahlkampf Jelzins unterstützten (rechts im Bild, mit seinem Premier Wiktor Tschernomyrdin). Jelzin revanchierte sich dafür nach der Wahl mit seiner Steuerpolitik.

Geschäftsaufgabe in Buenos Aires

Quelle: AP

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Im Jahr 2002 erklärte Argentinien den größten staatlichen Zahlungsausfall der Geschichte. Mehr als 100 Milliarden Dollar Anleiheschulden waren betroffen. Während der Argentinien-Krise machte das Land eine schwere Rezession durch, bis schließlich das Finanzsystem kollabierte. Übergangspräsident Adolfo Rodríguez Saá verkündete 2001 im Parlament die Einstellung der Schuldenzahlungen - unter tosendem Beifall der Abgeordneten. Ursachen der Krise waren vor allem die Überschuldung des Landes und eine Überbewertung des Peso gegenüber dem US-Dollar.

Finanzkrise - Isländer gehen auf die Straße

Quelle: dpa

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Die Finanzkrise traf Island besonders hart: Die Regierung musste im Oktober 2008 den gesamten Bankensektor verstaatlichen, um den Staatsbankrott zunächst abzuwenden. Trotzdem war Island kurz darauf de facto zahlungsunfähig, als die Regierung eine fällige Anleihe der verstaatlichten Glitnir-Bank in Höhe von 750 Millionen US-Dollar nicht zurückzahlte. Formal zahlungsunfähig war Island aber nicht, weil die Anleihe nicht von Island selbst emittiert worden war.

© sueddeutsche.de/bbr
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