Elektrosmog:Je näher, desto stärker

Strahlung wird nicht nur von Mobilfunkantennen verursacht. Auch bei Stromkabeln und Haushaltsgeräten empfiehlt sich Vorsorge.

Von Lars Klaaßen

Dem Mobilfunk haben wir nicht nur schicke Handys zu verdanken. Ohne seinen flächendeckenden Erfolg wäre auch die Debatte um Elektrosmog in den vergangenen Jahren nicht so intensiv geführt worden: durch Sendeantennen erzeugte, elektromagnetische Felder, so genannter hochfrequenter Elektrosmog. Doch darauf beschränkt sich Elektrosmog nicht. Fachleute unterscheiden niederfrequente elektrische und magnetische Felder und hochfrequente elektromagnetische Felder voneinander. Das heißt: Auch das gute alte Stromkabel produziert Elektrosmog, den so genannten niederfrequenten.

Überall wo Strom verteilt oder verbraucht wird treten elektrische und magnetische Felder auf. "Die akuten Wirkungen starker niederfrequenter Wechselfelder sind wissenschaftlich gut untersucht und unstrittig", informiert die Verbraucher Initiative. "Elektrische und magnetische Felder lösen im Körper Ströme aus, die ab einer bestimmten Stärke zu Sinnestäuschungen, Muskelverkrampfungen oder gar lebensgefährlichem Herzkammerflimmern führen können."

Deshalb gelten in der EU und in Deutschland für die Allgemeinheit Grenzwerte von 5000 Volt pro Meter (V/m) bei elektrischen und 100 Mikrotesla bei magnetischen Feldern. Damit soll das Entstehen schädlicher Körperströme verhindert werden. Seit Jahren wird diskutiert, ob auch unterhalb der Grenzwerte Gesundheitsschäden auftreten können.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in einer Studie die Belastung von 2000 Personen durch Magnetfelder für 24 Stunden getestet. Im Tagesmittel trat dabei eine Durchschnittsbelastung von 0,1 Mikrotesla auf. Einige Studien liefern Hinweise darauf, dass auch schwache niederfrequente Felder das Entstehen unspezifischer Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen fördern und möglicherweise zur Krebsentstehung beitragen können.

Als Reaktion darauf empfiehlt beispielsweise der Rat für Strahlenschutz der USA (NCRP) einen - nicht verbindlichen - Richtwert von 0,2 Mikrotesla. Dieser Wert gilt in Schweden als Vorgabe für die maximale Belastung von Wohnungen durch Hochspannungsleitungen.

Je näher, desto stärker

Wichtigste Quelle elektrischer und magnetischer Felder sind oberirdisch geführte Hochspannungsleitungen. Ihre Feldstärken nehmen mit zunehmendem Abstand stark ab. Laut RWTH Aachen (im Auftrag der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg) sinkt beispielsweise die Magnetfeldstärke bei einer Hochspannungsleitung mit 110 Kilovolt (kV) innerhalb von 50 Metern auf weniger als ein Mikrotesla.

Bei den im Mittelspannungsnetz üblichen 10 bis 20 kV seien elektromagnetische Felder bereits in einer Entfernung von zehn Metern kaum noch wirksam. Dennoch rät Kurt Renz, Elektrosmogberater aus München: "Wer ein Haus nahe einer Hochspannungsleitung kaufen möchte, sollte zuvor die Elektrosmogbelastung testen lassen." Gleiches gelte für Häuser an einer Fernbahnstrecke. Entlang der Bahnlinie hängt die Belastung von der Entfernung der Oberleitung sowie vom aktuellen Stromverbrauch ab und schwankt daher sehr stark.

Nicht nur vor der Tür, auch im Haus selbst gibt es einiges zu beachten. Renz: "Erdgeschosswohnungen sind von Einleitungen der Stromversorgung in die Häuser am stärksten betroffen." Hier empfehle sich ebenfalls eine Messung vor Einzug.

Wer vom Kabel redet, sollte von Haushaltsgeräten nicht schweigen: Die in ihrer Umgebung auftretenden Feldstärken hängen von der Leistungsaufnahme und der Konstruktion der Geräte ab. Starke magnetische Felder entstehen im Umfeld von Geräten mit Elektromotoren oder Transformatoren und bei Geräten mit hoher Leistung, wie etwa Elektroheizungen. Die von Haushaltsgeräten ausgehenden Felder nehmen mit zunehmendem Abstand rasch ab, die Belastung ist daher insgesamt gering. Sie liegt im Abstand von 30 Zentimetern zu Haushaltsgeräten meist unter einem Mikrotesla, bei Halogenlampen oder elektrischen Heizungen zum Teil auch darüber.

Die Verbraucher Initiative rät: "Elektrische Geräte sollte man nicht im Stand-By-Modus belassen, sondern ausschalten oder vom Netz trennen." Günstig sei es, mehrere Geräte, etwa der Stereo- oder Computeranlage, an eine Steckdosenleiste mit integriertem Schalter anzuschließen und sie dort ein und auszuschalten. Bei ausgeschalteter Steckdosenleiste sind die Netzkabel der angeschlossenen Geräte automatisch feldfrei. Ludwig Weingärtner, der Schlaf- und Arbeitsplätze unter elektrobiologischen Gesichtspunkten untersucht, empfiehlt zudem feldarme Elektroinstallation mit Rundkabeln: Sie verursache im Haus nur schwache Felder. Abschirmende Maßnahmen seien nicht erforderlich.

In älteren Häusern mit "historisch gewachsener" Elektroinstallation oder bei Gebäuden in Ständerbauweise können erhöhte elektrische Feldstärken auftreten. Hier kann ein Netzfreischalter (Netzabkoppler) Abhilfe schaffen. Der Netzfreischalter trennt den Stromkreis automatisch vom Netz, wenn kein Gerät eingeschaltet ist. Sobald Strom gebraucht wird, schaltet das Gerät den Strom wieder ein. Bei der Verwendung von Halogen-, Leuchtstoff- und Energiesparlampen können allerdings Probleme auftreten. Im Zweifelsfall sollte man sich um einen Netzfreischalter mit VDE-Zeichen bemühen.

Bei der Verbraucher Initiative e.V. kann man die Broschüre "Elektrosmog im Alltag" erhalten.

Zur SZ-Startseite
Jetzt entdecken

Gutscheine: