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Ehemalige Bahnhöfe:Märchenstunde in der Schalterhalle

In der Regel sind es Bahnhöfe in kleineren Städten, die verkauft werden. In Glashütte in Sachsen wurde aus dem Bahnhofsgebäude eine Uhrenmanufaktur, im brandenburgischen Ludwigsfelde ein Museum, in Plettenberg im Sauerland eine Musikschule. In Bayern gibt es, wie etwa in Landsberg am Lech, etliche Bürgerbahnhöfe, in denen Ämter und kulturelle Einrichtungen untergebracht sind. Meistens verwandeln sich großzügige Schalterhallen in Büros, Arztpraxen, Restaurants und Geschäfte.

Im niedersächsischen Wolfenbüttel kaufte ein Bauunternehmer das Empfangsgebäude, das er heute als Kulturbahnhof präsentiert. Dort befindet sich seit 2006 außer Anwaltsbüros und der Stadtbibliothek das Restaurant "Achtzehn 38", das seine Gäste an der Tür mit dem Hinweis begrüßt: "Der Bahnhof Wolfenbüttel sowie die erste deutsche Staatseisenbahn wurden im Jahre 1838 erbaut. Am 1. Dezember 1838 wurde der erste Streckenabschnitt von Braunschweig bis Wolfenbüttel eröffnet."

Nein zum Nachtclub

Bis vor kurzem prägte die mit Graffiti übersäte Fassade das Bild. Heute erinnert das sanierte Gebäude mit seinem hellen Naturstein, das abends angestrahlt wird, wieder an die historische Bedeutung. Die Kehrseite: Bahnreisende können sich nicht mehr beim Kauf einer Fahrkarte beraten lassen - es gibt nur noch einen Automaten am Bahnsteig. Und der Weg vom Bahnhof zu den Gleisen ist länger geworden, denn ein Tunnel wurde geschlossen.

Wolfenbüttel steht für eine Lösung, wie sie oft praktiziert wird: aus einem öffentlichen Gebäude entsteht ein halb-öffentliches. Im Restaurant ist nur zahlende Kundschaft gern gesehen, in die angrenzende Bibliothek kann dagegen jeder kommen. Bestimmte Nutzungen schließt die Bahn beim Verkauf aus, wie zum Beispiel einen Nachtclub.