China Der 400-Milliarden-Dollar-Mann

Lou Jiwei wird der Chef des größten Fonds der Welt. Er soll die chinesischen Devisenreserven rentabler anlegen - und wird großen Einfluss auf die westliche Finanzwelt haben.

Von Janis Vougioukas

Er wird einer der mächtigsten Männer der globalen Finanzszene werden. Lou Jiwei, der Pragmatiker, geboren 1950 in der Händlerstadt Yiwu im Jangtsedelta, nicht weit entfernt von Schanghai.

Lou Jiwei, der mächtige Pragmatiker

(Foto: Foto: Reuters)

Bereits seit einigen Wochen verbreitete sich das Gerücht von seinem Aufstieg in der chinesischen Finanzwelt, an diesem Freitag folgte die offizielle Bestätigung: China wird eine staatliche Agentur gründen, um die Devisenreserven künftig profitabler einzusetzen. Auf einer Pressekonferenz verkündete Finanzminister Jin Renqing: "Die Investmentfirma befindet sich bereits im Gründungsprozess."

Der Fonds wird direkt dem Staatsrat unterstehen. Jin nannte keine genauen Zahlen zur Menge der betroffenen Reserven, wohl auch aus Furcht, den Dollarkurs zu drücken. Denn rund zwei Drittel der chinesischen Devisenreserven sind in amerikanischen Staatsanleihen angelegt.

Das bedeutet, dass die Volksrepublik inzwischen zu einem der wichtigsten Gläubiger der USA geworden ist. Aber es bedeutet auch: Wenn der Dollarkurs sinkt, schwindet das chinesische Volksvermögen.

Zahl mit zwölf Nullen

Chinesische Experten spekulieren, dass die Investmentagentur in mehreren Schritten mit einem Kapital von 300 bis 400 Milliarden Dollar ausgestattet werden soll. Die Devisenreserven umfassen etwa eine Billion Dollar, das ist eine Zahl mit zwölf Nullen.

Bereits Mitte der Woche wurde Lou bisher Vizefinanzminister, zum stellvertretenden Generalsekretär des Staatsrats befördert. Er soll die Gründung der Investmentgesellschaft vorbereiten. Er wird damit zu einem der einflussreichsten Männer der Finanzwelt. Weltweit kontrolliert kein anderer Fonds eine solche Summe wie Lou.

Lou gilt als praktisch veranlagt, studierte Computerwissenschaften an der Qinghua-Universität und Ökonometrie an der renommierten chinesischen Akademie der Wissenschaften. 1973 trat er der Kommunistischen Partei bei und stieg schnell auf.

1995 wurde er zum stellvertretenden Gouverneur der Provinz Guizhou ernannt. Zu dem Zeitpunkt war er selbst noch nie in Guizhou gewesen. Drei Jahre später wurde Lou unter dem beliebten Reformpolitiker Zhu Rongji zum stellvertretenden Finanzminister ernannt.

"Wir verstanden nichts"

Wie Zhu hatte auch Lou einen wichtigen Teil seiner politischen Erfahrungen in Schanghai erworben und galt in Peking als Mitglied der einflussreichen und wirtschaftsfreundlichen "Schanghai-Fraktion".

Es war keineswegs klar, dass Lou sich in diese Richtung entwickeln würde. Als die Kulturrevolution das Land erschütterte, war er 16. Die Schulen wurden geschlossen. "Wir wussten nichts. Wir verstanden nichts.

Wir waren glücklich, dass wir nicht in die Schule gehen mussten, sondern zu Hause spielen konnten", sagte Lou später. Als junger Mann trat er dem Militär bei und verbrachte fünf Jahre auf einem Stützpunkt in Hainan, dem südlichsten Zipfel der chinesischen Landmasse. "Es war damals der einzige Ausweg", urteilt Lou heute.

Aber vielleicht war das Durcheinander der Ideologien, das Lou in seiner Jugend erlebte, auch der Grund, warum aus ihm später ein Technokrat werden sollte, der offensichtlich weltanschaulich weitgehend neutral ist. Das wird ihm in seiner neuen Funktion nur nutzen.