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Wikipedia:Wahr oder falsch?

Das US-Magazin "Wired" hat mit der Software eine Liste verdächtiger Veränderungen erstellt. So versuchte jemand von einem Rechner der israelischen Regierung aus, den Text über die Mauer in den palästinensischen Gebieten zu löschen. Übrig blieben wenige Sätze. Die Entscheidung der Vereinten Nationen, das umstrittene Bauwerk als illegal zu bezeichnen, sei "abscheulich, undemokratisch, illegal, rassistisch", heißt es nur noch.

Der Ölkonzern Chevron-Texaco löschte demnach gleich den ganzen Text über Biodiesel, während Microsoft eine kritische Passage über seine fehleranfällige Spielkonsole XBox 360 verschwinden ließ. Doch nicht nur für Unternehmen und Regierungsbehörden enthält die Liste peinliche Enthüllungen. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den eigenen Eintrag verändert. Verweise auf kritische Texte verschwanden zwischenzeitlich im digitalen Orkus.

Kindische Einträge

Eher kindisch sind dagegen Einträge, die ein Mitarbeiter der britischen BBC vornahm. Der anonyme Autor behauptete, der ehemalige britische Ministerpräsident Tony Blair habe bei einem EU-Gipfel zu viel Wodka getrunken und sich anschließend "lebhaft" im Schlafzimmer ausgetobt. Ursprünglich war von Blairs ungesund hohem Kaffeekonsum vor einem Besuch im Fitness-Studio die Rede.

Die Betreiber von Wikipedia sehen die Veröffentlichungen betont gelassen. "Das ist nichts weltbewegend Neues", sagt Arne Klempert, Geschäftsführer der Wikimedia Deutschland. Alle Beiträge würden von den zahlreichen Autoren permanent überprüft. Nun sei nur "übersichtlich zusammengefasst", welche Unternehmen und Institutionen Wikipedia bearbeiteten. "Ein Großteil der anonymen Einträge ist produktiv und im Sinne des Projekts".