Skandal um Verbraucherdaten:Königreich der Datenpannen

Lesezeit: 2 min

Zum Spottpreis hat ein Brite auf Ebay Daten von einer Million Menschen ersteigert. Für läppische 35 Pfund kaufte er Kreditkartennummern und Kontodaten.

W. Koydl

Jeder weiß, dass man auf der Auktions-Website von Ebay mitunter erstaunliche Funde zu noch erstaunlicheren Preisen machen kann. Doch was der britische Computerexperte Andrew Chapman soeben für läppische 35 Pfund (45 Euro) erstand, hätte sich in den falschen Händen rasch zur Mutter aller Schnäppchen auswachsen können: Auf einer gebrauchten Computer-Festplatte entdeckte er die persönlichen Bank- und Kreditkartendaten von mehr als einer Million Menschen.

Skandal um Verbraucherdaten: Ebay: Im kunterbunten Sortiment des Online-Auktionshauses gibt es neuerdings auch Sonder- angebote für Betrüger.

Ebay: Im kunterbunten Sortiment des Online-Auktionshauses gibt es neuerdings auch Sonder- angebote für Betrüger.

(Foto: Foto: dpa)

Betroffen waren Kunden von American Express sowie der beiden britischen Banken NatWest und Royal Bank of Scotland. Abgespeichert waren nicht nur die Namen und Adressen der Bankkunden, sondern auch deren Handy- und Festnetztelefonnummern, Bankleitzahlen und Kontonummern, Kreditkartennummern, Mädchennamen der Mutter, Angaben zum Einkommen und in manchen Fällen sogar Unterschriften.

"Ich traute meinen Augen nicht", gab der 58-jährige Ebay-Käufer in der Zeitung Daily Mail zu Protokoll. Chapman meldete seinen Fund den Behörden, sodass vermutlich keinem Kunden ein Schaden entstanden ist. Dennoch ist es möglich, dass die Geldinstitute die betroffenen Personen dazu auffordern werden, neue Konten zu eröffnen und neue Kreditkarten zu beantragen.

Peinliche Datenverluste in ganz Großbritannien

Als "Schatzkammer für jeden Datendieb" bezeichnete die Daily Mail die erstandene Festplatte. "Es ist erschreckend", zitierte die Londoner Zeitung den Computerexperten Adam Laurie, "diese Information ist Millionen wert. Ein Dieb hätte sie für einen enormen Einkaufsbummel nutzen können", indem er die Konten argloser Bankkunden geplündert hätte.

Die Festplatte war von einem ehemaligen Mitarbeiter der Firma Graphic Data verkauft worden. Dieses Unternehmen arbeitet für mehrere der bedeutendsten Finanzinstitutionen des Vereinigten Königreichs und archiviert deren Daten in digitaler Form. Ein Firmensprecher machte zunächst keine Angaben dazu, weshalb die Daten nicht von der Festplatte gelöscht worden waren, bevor man sie zum Verkauf anbot. Unterdessen wurde bekannt, dass ein zweiter Computer vermisst wird.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass das britische Innenministerium zwei Memory-Sticks mit den persönlichen Daten von 127 000 Strafgefangenen und Kriminellen verloren hat. Im vergangenen November waren die Daten von mehr als 25 Millionen britischen Kindergeldempfängern spurlos in der Post verschwunden. Insgesamt haben britische Regierungsstellen und Behörden in Großbritannien nach Angaben der Daily Mail seit 2001 bereits 3200 Laptop-Computer und Handys mit vertraulichen Informationen verloren - im Schnitt 468 im Jahr. Der schwerste Sünder war demnach das Verteidigungsministerium mit 994 Laptops, acht Mobiltelefonen und zwölf Taschencomputern, die nicht mehr auffindbar sind.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB