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Online-Vermittlung Homejoy in Deutschland:Putzhilfe aus dem Netz

Mit wenigen Klicks zur Haushaltshilfe: Heute startet die amerikanische Online-Vermittlung Homejoy in Deutschland. Es ist ein junger und umkämpfter Markt. Der Fiskus dürfte sich über die Expansion der Plattformen ohnehin freuen.

Von Jan Willmroth

In so manchem Haushalt geht der Arbeitstag auch nach Feierabend weiter. Da werden dann Waschmaschine und Staubsauger angeschmissen, Bett oder Bad gesäubert. Und so mancher wünscht sich, wenn es allzu anstrengend wird, etwas professionelle Unterstützung. Doch die Suche nach einer solchen Hilfe kann ebenso anstrengend sein. Zuverlässig und aufrichtig soll die Putzfrau sein, nicht zu teuer - und am besten noch bereit, ein Gewerbe anzumelden. Viele suchen lange; einige finden nie, was sie sich wünschen.

Online-Portale wie das Start-up Homejoy aus dem Silicon Valley stoßen in diese Lücke. Nun auch in Deutschland. Mit wenigen Klicks, so das Versprechen, können Interessenten auf einer Internetseite angeben, wofür sie eine Haushaltshilfe brauchen - und schon am selben Tag suchen die Vermittler nach einer passenden Reinigungskraft. Egal, ob sie nur das Bad oder gleich die ganze Wohnung putzen soll. Je nach Umfang der Aufgaben und Größe der Wohnung schätzt Homejoy die benötigte Zeit. Die Stunde gibt es für 15 Euro zum Festpreis, davon bleiben drei bis vier Euro bei dem Unternehmen - je nach Erfahrung der Putzfrau und den Bewertungen, die andere Kunden gegeben haben.

Homejoy ist damit in einem jungen, aber dennoch umkämpften Markt unterwegs. Drei Konkurrenten bieten einen vergleichbaren Dienst bereits in mehreren deutschen Städten an. Vor etwa einem Jahr ging Cleanagents online, im Frühjahr folgten die Portale Helpling und Book A Tiger. Das eine gehört zur Holding Rocket Internet, das andere haben Claude Ritter und Nikita Fahrenholz, Gründer des Online-Lieferdienstes Lieferheld, gestartet. Sie erhoffen sich ein lukratives Geschäft - so wie Google: Der US-Konzern hat im Dezember 38 Millionen Dollar Risikokapital in Homejoy gesteckt.

Zu dem Zeitpunkt war das Portal erst ein knappes Jahr online. Gegründet haben es die Geschwister Aaron und Adora Cheung im Juli 2012. Anfangs boten sie ihre Dienste in San Francisco an. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Um mehr als 30 Prozent sei der Umsatz seitdem jeden Monat gewachsen, sagt der künftige Deutschland-Geschäftsführer Michael Riegel. "In San Francisco wachsen wir immer noch genauso stark wie am Anfang", sagt er. Das habe das Unternehmen ermutigt, früher als geplant nach Deutschland zu expandieren. Erst im April war der britische Ableger von Homejoy in London gestartet. Inzwischen ist das Jungunternehmen in 32 Städten weltweit vertreten. Nach Berlin soll noch bis Ende Juli München folgen. "Wir wollen in Europa schneller wachsen als in den USA", sagt Riegel.

Der Deutschland-Start von Homejoy war schon länger erwartet worden. Um sich einen Vorsprung vor den Amerikanern zu sichern, hat sich die deutsche Konkurrenz im aktuellen Jahr beeilt. Kaum vier Monate waren bei Rocket Internet seit der Gründung vergangen, bis Helpling im April die ersten Reinigungskräfte in den vier deutschen Millionenstädten vermittelte. Mittlerweile ist das Portal mit 85 Mitarbeitern in neun deutschen Städten, seit Anfang Juni auch in Österreich, Frankreich, Schweden und den Niederlanden aktiv. Cleanagents hat hierzulande 13 Städte im Programm, dazu Brüssel, Wien sowie drei polnische Städte. Book A Tiger beschränkt sich noch auf Berlin, Hamburg und Frankfurt.

Bis zu 95 Prozent der privaten Haushaltshilfen arbeiten schwarz

Über die rasche Expansion der Vermittlungsportale dürfte sich auch der Staat freuen. Jährlich entgehen dem Fiskus bis zu 340 Milliarden Euro durch Schwarzarbeit, schätzen Experten. Putzkräfte in Privathaushalten dürften davon nur einen kleinen Teil ausmachen - doch in keinem anderen Markt ist die Schwarzarbeit so dominant. Etwa viereinhalb Millionen Haushalte - also jeder zehnte - beschäftigen nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft Haushaltshilfen, von denen die meisten Putzkräfte sind. Bis zu 95 Prozent von ihnen arbeiten schwarz, schätzt das Kölner Institut. Die Zahl ist zwar schon einige Jahre alt, aber wohl noch aktuell. Wer seine Haushaltshilfe ohne eine offizielle Rechnung bezahlt und somit auch keine Steuern abführt, der begeht eine Ordnungswidrigkeit, die bis zu 300 000 Euro Strafe kosten kann. Die Putzkraft ist nicht krankenversichert, hat keine Rentenansprüche und bleibt auf den Kosten eines Unfalls sitzen, wenn mal etwas passiert.

Die Online-Vermittler verweisen auch auf diese Schattenseiten - und machen so Werbung für sich. In den 15 Euro Stundenlohn sind bei Homejoy Haftpflicht- und Unfallversicherung der Arbeitnehmer enthalten. "Wir unterstützen die Reinigungskräfte auch bei der Beantragung eines Gewerbescheins", sagt Geschäftsführer Riegel. Bei Homejoy wie auch bei der Konkurrenz haben nur angemeldete Arbeitnehmer eine Chance.

Die Eindämmung der Schwarzarbeit ist auch eines der Ziele, die das Familienministerium mit der Gründung einer eigenen Plattform verfolgt. Wie im Mai bekannt wurde, läuft derzeit die Planung, im kommenden Jahr soll das Portal aufgebaut werden. Ziel sei es, Eltern zu entlasten und Familie und Beruf besser vereinbar zu machen, hieß es dazu aus dem Ministerium. Die vier Start-ups, die den deutschen Markt für Haushaltsdienstleistungen gerade aufmischen, bekämen damit staatliche Konkurrenz.

Der Branchenverband Bitkom wähnt schon den Wettbewerb in Gefahr. Michael Riegel bleibt hingegen gelassen: "Jeder neue Wettbewerber hat positive Effekte für den Gesamtmarkt." Er fände auch eine Kooperation sehr interessant. Das Ministerium sieht das ähnlich. "Wir beobachten die Entwicklung, die sich derzeit am Markt vollzieht", sagt eine Sprecherin.

© SZ vom 12.06.2014/fie
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