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Projekt in Hamburg:Stadt Hamburg steht hinter der Idee

Die Stadt Hamburg unterstützt die Idee. "Wir finden, dass Wlan zu jeder großen Stadt gehört", sagt Carsten Brosda vom Amt Medien des Hamburger Senats. Die Stadt sei auch bereit, bei vergleichbaren Angeboten anderen Anbietern Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Dabei soll es nicht nur um kommerzielle Anbieter gehen, Hamburg will auch private Initiativen und öffentliche Einrichtungen wie Ämter ermutigen, ihr Wlan zu öffnen.

Die Störerhaftung in der jetzigen Form ist da allerdings noch ein Problem, sagt Brosda. Deswegen hat Hamburg bereits über eine Bundesratsinitiative eine Überarbeitung der Regelung gefordert. "Es muss Wege geben, Leuten, die Wlan zur Verfügung stellen, mehr rechtliche Sicherheit zu geben, als das heute der Fall ist", sagt Brosda.

Die Initiative "Freifunk" macht das längst. Sie verteilt Router an Privatpersonen, die dann ihr Funknetz für die Allgemeinheit öffnen können. Um die deutsche Störerhaftung zu umgehen, schicken sie den Verkehr über einen Umweg ins Ausland. "Normalerweise geht der Datenverkehr zum Provider und dann ins Internet", erklärt Martin Brink-Abeler. "Freifunk nimmt da einen Umweg." Brink-Abeler sitzt in den Räumen des Chaos Computer Clubs in einer alten Kaserne, mit dem die Freifunker eng verbunden sind. Immer montags beantworten einige der 20 Ehrenamtlichen hier Fragen, geben Router aus.

Freifunker fordern Regeln für kommerzielle Anbieter

Ein Freifunk-Router kostet 15 Euro. Zuhause kann ihn jeder einfach an sein privates Netzwerkgerät stecken. Etwa 650 Router sind in Hamburg gerade aktiv, auf einer Karte auf der Webseite der Freifunker blinken sie über die ganze Stadt verteilt. Einwählen können sich Gäste, ohne ihre E-Mail-Adresse hinterlassen oder Login-Daten einrichten zu müssen. Das ist den Freifunkern wichtig. "Bei kommerziellen Anbietern bezahlt der Nutzer häufig mit seinen Daten, die der Anbieter auswertet", sagt Brink-Abeler. Das sei dann vielleicht kostenlos, aber nicht umsonst. Oder es gibt wie bei der Telekom neben dem kostenlosen Basis-Angebot ein kostenpflichtiges Angebot, zu dem der Nutzer geleitet werden soll.

Kommerziellen Anbietern wie der Telekom müssten enge Rahmenbedingungen gesteckt werden, finden die Freifunker. "Man muss ihnen sehr genau auf die Finger gucken, was Datenschutz und Netzneutralität angeht", sagt Brink-Abeler. Netzneutralität bedeutet, dass alle Daten im Netz gleich behandelt werden, kein Nutzer bevorzugt oder benachteiligt wird. Für die Freifunker ist offenes, freies Wlan ein soziales Projekt. "Das Schöne ist, dass wir kein kommerzielles Interesse haben", sagt Brink-Abeler. "Wir können im Zweifelsfall auch langsam wachsen und dabei erfolgreich sein."

Bei willy.tel hingegen soll es schnell gehen. Im kommenden Jahr will Geschäftsführer Bernd Thielk mit dem Ausbau beginnen, zum Beispiel am Hamburger Rathausmarkt, wo ohnehin Umbauten anstehen. Bis 2020 sollen dann alle 7000 Access Points stehen in der freien Wlan-Stadt Hamburg.

© SZ vom 13.12.2014
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