bedeckt München 16°

Netzwerk-Player:Brücke ins Wohnzimmer

Auf Computerfestplatten lagern häufig ganze Film- und Musiksammlungen. Doch wie bekommt man sie auf den Fernseher im Wohnzimmer?

Auf vielen Computerfestplatten schlummern ganze Film- und Musiksammlungen. Diese zum Abspielen im Wohnzimmer erst auf eine DVD oder CD zu brennen, ist umständlich und auf Dauer teuer. Einen Ausweg bieten Netzwerk-Player, die Inhalte von der Computerfestplatte an Fernseher oder Hifi Anlagen übermitteln. Sie bilden so gewissermaßen eine Brücke zwischen PC und Unterhaltungselektronik.

Die Player, die mitunter auch Bezeichnungen wie Streaming-Client oder Digital Media Adapter (DMA) tragen, werden per Netzwerkkabel oder drahtlos per WLAN mit dem Rechner oder einem Router verbunden. Aufgestellt werden sie neben den Geräten der Unterhaltungselektronik, die sie über Cinch- und Videokabel mit Musik oder Filmen speisen sollen. Mit einer Fernbedienung wird der Streaming-Client entweder direkt oder indirekt über den Fernseher gesteuert.

Sollen die Daten per Funk übertragen werden, muss bedacht werden, dass der derzeit gängige WLAN-Standard 802.11g vor allem bei hochauflösenden Filmen schnell an seine Grenzen kommen kann. Die maximale Übertragungsrate von 54 Megabit pro Sekunde (MBit/s) eines 802.11g-Netzes könne in ungünstigen Fällen schnell in einen Bereich abfallen, in dem Videoübertragung wenig Freude bereitet, warnt die Computer-Zeitschrift c't".

Verschiedene Standards

Um hochauflösende (HD) Bilder drahtlos und und ohne wahrnehmbare Qualitätseinbußen über das Netzwerk zu schicken, bietet sich eher der neue 802.11n-Standard an: Er schafft zumindest theoretisch bis zu 300 MBit/s. Wer hingegen weiß, dass er auf absehbare Zeit auf hochauflösende Videos verzichten will, fährt weiterhin mit dem g-Standard gut. Für die Übertragung von Musik bietet selbst der alte b-Standard noch mehr als genug Reserven.

Bisher gibt es noch nicht viele Netzwerk-Player, die drahtlos im n-Standard empfangen. Zum Ladenpreis von rund 250 Euro bietet Linksys bald den DMA2100 an, der sich unter anderem per HDMI an den Fernseher anschließen lässt. HDMI mit eingebautem digitalen Kopierschutz HDCP ist ein Muss, wenn gekaufte hochauflösende Filme übertragen werden sollen. Das größere Schwestermodell DMA2200 mit integriertem DVD-Player wird für 50 Euro mehr zu haben sein.

Apple bietet mit dem etwas irreführenden Namen "Apple TV" ebenfalls einen Netzwerk-Player mit HDMI-Schnittstelle und WLAN 802.11n an. Das an den Apple-WLAN-Router Airport Extreme erinnernde Gerät sei jedoch vielmehr eine Art überdimensionaler iPod, der die Inhalte von iTunes und iPhoto in einem drahtlosen Netz auf einem angeschlossenen HD-Fernseher oder HD-Bildschirm darstellt, urteilt die Zeitschrift Macwelt. Videos gibt das Gerät im HD Standard H.264 oder in MPEG4 wieder, nicht aber die populären Codecs AVI, Divx oder Xvid. Die 40 Gigabyte große Festplatte nutzt TV vor allem zur Datenpufferung beim Streamen.

Brücke ins Wohnzimmer

Noch gibt es deutlich mehr Geräte mit dem 802.11g-WLAN als solche, die nach dem n-Standard funken. Netgear beispielsweise hat mit seinem EVA8000 Digital Entertainer für rund 280 Euro ein HD-fähiges Gerät im Angebot, dass im Videobereich die Codecs MPEG1, MPEG2, MPEG4, AVI,WMV sowie Xvid und im Audiobereich MP3, WAV, WMA, AAC und FLAC unterstützt. Es verfügt über HDMI-, Komponenten-, Scart- und S-Video-Schnittstellen. Mit einer nur unwesentlich schlechteren Ausstattung gibt es den ZyXEL DMA-1000W Wireless Digital Media Adapter bereits für 150 Euro.

Wer kein Problem damit hat, LAN-Kabel zu verlegen, bekommt den HD-fähigen ZyXEL als DMA-1000 ohne WLAN für rund 110 Euro. Alle WLAN-Player sind für den Fall der Fälle auch mit einer LAN-Buchse versehen, die nützlich sein kann, wenn es einmal mit der Übertragungsqualität im WLAN eng werden sollte.

Zusätzlich zum Netzwerk-Player braucht der Anwender zum Streamen auch noch sogenannte Medien-Server-Software für den Computer. Das Programm macht die Inhalte der PC-Festplatte im Netzwerk zugänglich. Windows-Nutzer können den bordeigenen Media Player als Medien-Server verwenden. Der Apple TV funktioniert nur mit iTunes als Software.

Der Nachteil bei Verwendung eines Netzwerk-Players: Der PC muss eingeschaltet sein. Wen das stört, der kann auf bestimmte externe netzwerkfähige NAS-Festplatten (Network Attached Storage) zurückgreifen. Auf diesen Geräten lässt sich Multimedia-Sammlung wie auf einem PC speichern. Zudem werden NAS-Festplatten direkt an den Router angschlossen - der Rechner spielt dann keine Rolle mehr. Die Preise für NAS-Festplatten schwanken zwischen 135 Euro für 250 Gigabyte Speicher und rund 300 Euro für 750 Gigabyte Speicher - kein billiges Vergnügen.

© Dirk Averesch,dpa/mri
Zur SZ-Startseite