Nachrichten aus Krisengebieten:Wittern und Twittern

Lesezeit: 2 min

Mithilfe des Internet-Kurznachrichtendienstes Twitter informieren Augenzeugen schnell und direkt aus Krisengebieten. Entsteht so eine neue Nachrichtenkultur?

Niklas Hofmann

Um Vinukumar Ranganathan kommt niemand herum, der die Rolle der Mikroblogger bei den Anschlägen von Mumbai beschreiben will. Vinu, wie er sich im Internet nennt, ist Manager einer IT-Firma in der indischen Wirtschaftsmetropole. "Ich höre Schüsse", schrieb Vinu am vergangenen Mittwoch auf seiner Seite beim Internet-Kurznachrichtendienst twitter.com.

Nachrichten aus Krisengebieten: Twitter: mit 140 Zeichen knapper als eine SMS

Twitter: mit 140 Zeichen knapper als eine SMS

(Foto: Screenshot: sueddeutsche.de)

Dann rannte er mit einer Kamera auf die Straße. Über Stunden informierte er die Nutzer der Seite mit seinem Mobiltelefon via SMS über das, was er auf den Straßen sah. Bilder, die er von der chaotischen Lage machte, stellte er bei der Foto-Community Flickr.com online. Und er war nicht der einzige.

Ein Gewitter von Twitter-Alarmen ging über dem Netz nieder. Zeitweise erschien pro Sekunde mehr als eine Meldung mit dem Schlagwort "Mumbai" auf der Seite des Dienstes. Viele waren als Augenzeugen vor Ort und berichteten schneller als jedes klassische Medium aus erster Hand.

Falschmeldung in Umlauf

Die chassidischen Juden in New York, deren Rabbiner in Mumbai als Geisel genommen und später ermordet wurde, nutzten Twitter, um möglichst keine Information aus Indien zu verpassen. Viele schrieben aber auch nur ab, was sie im Fernsehen sahen, im Rundfunk hörten, im Internet lasen. Und brachten dabei manche Falschmeldung in Umlauf. Dazu gehörte ironischerweise wohl auch die Nachricht, die indische Regierung habe die Twitter-Betreiber darum gebeten, den Suchbegriff "Mumbai" zu sperren. Zu viele hätten Details der Polizeioperationen gemeldet und diese dadurch gefährdet.

Der Name "Twitter" hat seinen Ursprung im englischen Verb "to tweet", zwitschern. Spontan und mit 140 Zeichen sogar knapper als eine SMS sind die Mikro-Blog-Einträge, so genannte "Tweets". Aber sie erreichen mindestens so viele Leser wie ein Weblog. Vom internetfähigen Handy lassen sie sich auch unterwegs bequem und mit Sekundenaufwand erstellen. In den zwei Jahren seines Bestehens ist Twitter so einerseits ein gigantischer Pausenhof geworden, auf dem Jugendliche aller Altersstufen die Welt über ihr Mittagessen und ihre Fernsehgewohnheiten auf dem Laufenden halten.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB