Lernen mit Podcasts:Intelligenz im Ohr

Musik, Kultur, Forschung oder Politik - es gibt eigentlich nichts, wozu sich nicht ein Podcast im Internet findet. Seit gut einem Jahr kann man auch Fremdsprachen mit der neuen Technik lernen.

Yvonne Göpfert

Podcasts sind im Prinzip Rundfunksendungen auf Abruf. Das Wort "Podcast" setzt sich zusammen aus "iPod" (dem tragbaren MP3-Player von Apple) und "Broadcasting" (englisch: Rundfunk, Senden). Über das Internet kann man Podcasts verschiedener Anbieter herunterladen und auf seinem iPod (oder anderen Geräten) speichern und anhören.

Podcast Lernen

Intelligenz im Ohr: Mit Podcasts kann man überall Sprachen lernen

(Foto: Foto: AP)

Mit einem Podcast-Abonnement gebschieht dies automatisch, man verpasst damit beispielsweise keine Folge eines Hörspiels mehr. Radio on demand sozusagen. Aber nicht nur das: Mittlerweile lassen sich damit sogar Fremdsprachen pauken.

Am größten ist das Angebot für alle Wissbegierigen, die ihr Englisch auf Vordermann bringen wollen. Französische Lernwillige müssen sich mit einer geringeren, dafür um so kreativeren Auswahl zufrieden geben.

Spanier und Italiener hinken noch ein wenig hinterher. Leider variiert wie bei klassischen Sprachkursen auch die Qualität der einzelnen Podcasts erheblich. Und so lohnt sich ein genauerer Blick auf drei Kriterien: Wie effizient ist das Vokabeltraining? Wie werden grammatikalische Finessen und Fallen vermittelt? Und was hat sich der Podcastanbieter einfallen lassen, um das Hörverständnis zu trainieren?

Große Auswahl an Englisch-Kursen

Wer sein Englisch auffrischen will, ist mit den Podcasts des Fremdsprachenmagazins Spotlight gut beraten. Spotlight-online.de/podcast und business-spotlight/podcast bieten ihre Audio-Files für Geschäftsenglisch kostenlos an.

business-spotlight fordert jeden Dienstag den Geist mit Grammatik- und Hörverständnisübungen, eingebettet in verschiedene Wirtschaftsthemen, kombiniert mit Tipps für typische Situationen im Job. Die Podcasts sind aus dem Leben gegriffen und daher sehr einprägsam. Am Mittwoch liefert spotlight-online langsam und deutlich gesprochene Lifestyle-Themen.

Der Podcast vom 3. Januar beispielsweise beschäftigt sich mit dem Virtual Reality-Spiel "Second-Life", aber auch Reisethemen wie "Einmal quer durch die USA" sind im Angebot. So spannend verpackt können Fortgeschrittene damit Wortschatz und für das Hörverständnis trainieren.

Komplimente und Liebe auf Distanz

Ebenfalls wöchentlich stellen zwei kalifornische Professoren ihre Podcasts ins Netz, die unter dem Titel "English as a Second Language (ESL) einen bunten Themenreigen abdecken und dabei mal über New York philosophieren, mal über Liebe auf Distanz, mal darüber, wie man auf Englisch Komplimente macht.

Ferner haben die Hochschullehrer einen Podcast speziell für Studenten im Angebot, der auf den bekannten Englisch-Sprachtest TOEFL vorbereitet.

Wer es unterhaltsamer mag: Die Seite englishthroughstories.com schickt jede Woche eine neue Episode einer kleinen Seifenoper über den Äther. Lernziel: Umgangssprache. Alle drei Seiten bieten ihre Podcasts kostenlos an, wer die Macher für ihre Mühen auszeichnen will, kann eine kleine Spende überweisen.

Spezielles für Geschäftsleute

Gute Fortschritte erzielen Lerneifrige mit ondemand-english.com/podcast. Speziell auf Geschäftsenglisch ausgerichtet, decken die Podcasts vier Level von der Grundstufe bis zum Fortgeschrittenen ab. Allerdings ist der Kurs nicht ganz billig.

Nach sieben Tagen Test muss man sich zum weiterlernen für ein Abo entscheiden, dass je nach Dauer unterscheidlich teuer ist. Vier Wochen kosten 30 Dollar, sechs Monate jeweils 25 Dollar und beim Jahresabo zahlt man noch 20 Dollar monatlich.

Ein buntes Themen-Potpurri für alle Niveaus gibt es auf bei der BBC. Grammatikübungen sind dabei genauso Bestandteil wie Wortschatz aus der Umgangsprache. Das Angebot ist kostenlos.

(Auf der nächsten Seite: Podcasts zum Französisch, Spanisch und Italienisch lernen)

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Parlez-vous francais?

Lernen mit Podcasts: Beim Bundeskanzlerin-Podcast von Angela Merkel lernt man zwar keine Fremdsprache, aber vielleicht etwas anderes

Beim Bundeskanzlerin-Podcast von Angela Merkel lernt man zwar keine Fremdsprache, aber vielleicht etwas anderes

(Foto: Foto: dpa)

Um das Französisch aufzufrischen, gibt es die Seite frenchpodclass.com. Sebastien Babolat, ein nach Kalifornien ausgewanderter Franzose, gibt zwei Mal pro Woche einen kreativen, technisch professionellen Video-Podcast heraus, für den er bislang kein Geld verlangt.

Der Lerneffekt wird durch Rätsel und Sprachspiele erzielt. Und wem die eine oder andere Konstruktion in der Lektion nicht ganz klar wird, kann sich in das Forum einloggen, in dem reger Betrieb herrscht. Dort wird alles rund ums Thema diskutiert, von internationalen Begrüßungsritualen bis hin zu französischer Lyrik.

Nicht weniger kreativ gibt sich chansontrainer.com. Hier dient jede Woche ein französischer Chanson als Ausgangsmaterial. Das Lied kommt komplett mit Übersetzung, dazu gibt es eine Vokabelliste, die jedes Wort auf Wunsch noch mal einzeln vorspricht.

Lernen durch Hören und Lesen lautet das Konzept. Mit einem Abschlusstest kann der Nutzer überprüfen, wie viele Vokabeln hängengeblieben sind. Die Kosten hierfür sind überschaubar: Ein französischer Song pro Woche kostet 30 Euro im Jahr, zwei Chansons bekommen lernwillige Gemüter für 50 Euro und drei Chansons pro Woche schlagen mit 70 Euro pro Jahr zu Buche. Es empfiehlt sich allerdings, erst einmal sieben Tage gratis zu testen, um zu sehen, ob das Niveau passt.

Spanisch und Italienisch noch selten

Eher kurz und einfach gehalten ist das kostenlose Lernangebot von spanisch-live.de, das Anfängern und leicht Fortgeschrittenen näher bringt, welche Art Kaffee ein Spanienurlauber in einer Bar bestellen kann oder wie ein Vorstellungsgespräch abläuft.

Leider dürfte aufgrund der Unregelmäßigkeit der neuen Lektionen und dem fehlenden roten Faden nur mäßiger Erfolg beschieden sein. Die Podcasts eignen sich jedoch gut als Ergänzung zu anderen Spanisch-Podcasts wie beispielsweise notesinspanisch.com oder dem klassischen, in diesem Falle kostenlosen Sprachkurs super-spanisch.de.

Dolce Vita à la Italiana findet man bei kiza.de. Die Podcasts kommen im typisch italienischen Rhythmus, also unregelmäßig, dafür geht es im Forum umso heißer her. Dort werden beispielsweise so schwerwiegende Fragen wie "Was ist das italienische Pendant zu frech?" debattiert. Auch für diesen Kurs muss der Italienliebhaber nichts bezahlen.

Auch für asiatische Sprachen gibt es Lernunterstützung mittels Podcast. Der Chinesepod bietet beispielsweise eine hilfreiche Unterstützung zum Schulbuch-Chinesisch, weil er Situationen behandelt, die dort nicht vorkommen.

(Auf der nächsten Seite: Fazit und Bewertungskriterien)

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So kommt der Podcast auf den Player

Um die Podcasts zu hören, kann man sie in iTunes abonnieren. Eine Alternative zum Programm von Apple ist das Open Source-Programm Juice. Vor allem wenn ein anderer Player als der iPod zum Abspielen genutzt werden soll, ist Juice eine gute Alternative.

Die meisten Angebote haben auch einen RSS-Feed für Podcasts, der sich immer zu Wort meldet, sobald eine neue Datei ins Netz gestellt wird. Abgespielt werden können die Lektionen auf dem iPod und anderen MP3-Playern zum Lernen in der U-Bahn oder in der Hängematte. Wer mehr "Lernatmosphäre" haben will, kann sich auch vor den Rechner setzen.

Mit welchen Podcasts auch immer man seine Sprachkenntnisse auf Trab hält, es gibt ein paar Fragen, die man sich bei der Auswahl des richtigen Produktes stellen sollte. Wer sich wirklich verbessern möchte, braucht Podcasts, die ihn auf seiner Leistungsstufe fordern.

Ferner steht die Frage im Raum, wie man Zeit für eine Lektion hat. Wer nur einmal pro Woche Muße hat, sollte sich nicht mit einem täglichen Podcast quälen. Je nach den persönlichen Schwächen sollten die Lernwilligen auch genau schauen, wie viel Grammatiktraining in den Lektionen enthalten ist oder ob der Schwerpunkt auf Wortschatzaufbau liegt. Großen Vorteil bieten vor allem Podcats von Webseiten, die stark auf die interaktive Komponente setzen, die letztendlich den Lehrer ersetzt.

Und zu guter Letzt stellt sich auch die Frage nach dem Preis: Viele Podcasts sind kostenlos, andere gibt es nur als kostenpflichtige Abonnements.

© sueddeutsche.de
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