Douglas C. Engelbart:Erfinder der Computermaus ist tot

Douglas C. Engelbart ist tot

Daniel Düsentrieb der Computer-Welt: Douglas C. Engelbart

(Foto: dpa)

1968 setzte er sich mit einem Holzkasten auf die Bühne und steuerte einen riesigen Computer. Douglas C. Engelbart hat die Computermaus erfunden, aber auch Grundlagen des Internets, E-Mails und Videokonferenzen erforscht. Jetzt ist er in Kalifornien gestorben.

Es gibt diesen bemerkenswerten Auftritt am 9. Dezember 1968. In San Francisco treffen sich an diesem Tag auf einer Konferenz mehr als eintausend führende Computer-Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Auf der Bühne, vor einem sechseinhalb Meter großen Bildschirm, sitzt Douglas C. Engelbart, Computertechniker aus Kalifornien. Seinen Kollegen demonstriert er an diesem Tag (hier eine Videoaufzeichnung der Veranstaltung), wie er ein vernetztes Computersystem geschaffen hat, das es ermöglicht, Informationen unter Wissenschaftlern schnell und kollaborativ zu teilen.

Die Fachwelt ist begeistert. Doch das eigentliche Highlight sind nicht die Dinge auf dem für damalige Verhältnisse monströs großen Bildschirm. Das Highlight hält Engelbart in seiner Hand. Es ist ein kleiner Kasten aus Holz, den er erfunden hat und den er zur Steuerung des Computers nutzt. Es ist ein Gerät, das Engelbart berühmt machen und das später als Computermaus in die Technikgeschichte eingehen wird.

Am Dienstagabend starb der IT-Pionier im Alter von 88 Jahren im US-Bundesstaat Kalifornien, wie das Douglas-Engelbart-Institut mitteilt. Der aus Oregon stammende Engelbart widmete sich schon früh der Computertechnik. Er studierte Elektroingenieurwesen und Informatik, ehe er in den 1950er Jahren als Forscher am Stanford Research Institute in Kalifornien anfing. Dort arbeitete er an den Vorläufern jener Technologien, die dem heutigen Computerzeitalter zugrunde liegen. Engelbarts Forschungsprojekte schufen das Fundament für die Entwicklung des Internets, der E-Mail und von Videokonferenzen.

Steve Jobs ist überzeugt

Mit der Erfindung der Maus revolutionierte Engelbart die Steuerung von Computern, die damals noch ganze Räume ausfüllten. Die Ende der 1960er Jahre vorgestellte Urversion war ein Holzkasten mit zwei Metallrädern. Doch es dauerte, bis sich seine Gedanken durchsetzten. Erst Ende der 1970er Jahre schlossen Forscher des legendären Forschungszentrum Xerox PARC den Computer Alto an eine Maus an, mit der man Befehle auf dem Rechner ausführen, Texte markieren und Dateien öffnen konnte. Dann folgte der kommerzielle Durchbruch für die grafische Benutzeroberfläche von Computern - wesentlich unterstützt durch die Computermaus.

Als Apple-Mitbegründer Steve Jobs den Alto 1979 zu Gesicht bekam, beschloss er, die künftigen Apple-Systeme ebenfalls mit einer solchen Bedienoberfläche auszustatten. Während der erste Anlauf mit der Apple Lisa noch floppte, bereitete der Apple Macintosh 1984 der Computermaus den Weg. Später ging auch Microsoft mit Windows in diese Richtung.

Engelbart reichte in seiner Karriere 21 Patente ein. Im Jahr 2000 ehrte ihn der damalige Präsident Bill Clinton mit der Nationalen Technologiemedaille, der höchsten Auszeichnung in den USA auf diesem Feld.

Linktipp: Engelbart ist nicht nur der Erfinder der Computermaus. Er steht für eine ganz neue Art des Denkens unter Computer-Technikern. Mehr dazu gibt es in einem lesenswerten Nachruf von Bret Victor. Wer sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit Engelbarts Gedanken befassen will, dem sei seine Arbeit "Augmenting Human Intellect: A Conceptual Framework" empfohlen.

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