Datenwachstum der digitalisierten Welt:Wie sich die digitale Revolution beschleunigt

In die Bilanz von Hilbert und López sind nur diese 50 Megabyte als Informationsgehalt eingegangen. Das bedeutet auch: Eine volle Festplatte des Jahres 2007 enthält in der Bilanz mehr Information als die gleiche Hardware sieben Jahre zuvor.

Bei den gespeicherten Daten zeigt sich auch, wie schnell die Welt von analogen auf digitale Daten umgestiegen ist: Im Jahr 2000 war noch drei Viertel aller Information analog gespeichert, 2007 nurmehr ein Zehntel. In absoluten Zahlen betrachtet ist der analoge Anteil auf die Hälfte geschrumpft, digitale Daten haben auf das 20-fache zugelegt.

Das stärkste Wachstum im erfassten Zeitraum hat aber die Rechenleistung gezeigt, die im Mittel um 58 Prozent pro Jahr wuchs. Die Rechenleistung ist damit neun Mal so schnell gestiegen wie die Weltwirtschaft.

Zur Jahrtausendwende hat sich die Kapazität in manchen Jahren fast verdoppelt, im Durchschnitt geschah es alle 18 Monate - damit hat sich Moores Gesetz auch in diesem Punkt erfüllt. Der Mitbegründer von Intel hatte 1965 das exponentielle Wachstum der Computertechnik und eine Verdopplung in diesem Rhythmus vorhergesagt.

Ein genauer Blick in die Zahlen dürfte bei vielen Menschen nostalgische Gefühle wecken, die den Wandel der Technik der vergangenen Jahrzehnte miterlebt haben. Vor 25 Jahren machten zum Beispiel Taschenrechner mit 41 Prozent den größten Einzelposten der Computerleistung aus, heute sind es Heim- und Bürocomputer (siehe Grafik).

Ein Handy mit der Weltrechenkraft von 1986

Allein in Handys und Smartphones mit ihrem Sechs-Prozent-Anteil steckt heute 1000-mal so viel Rechenleistung wie es 1986 auf der ganzen Welt gab. Supercomputer, die oft gerühmten Rechengiganten, machen nur 0,3 Prozent der aktuellen Kapazität aus.

Auch die Telekommunikation hat sich total verändert, von 80 Prozent analoger Telefonie im Jahr 1986 zu 97 Prozent Internet 2007. So etwas altmodisches wie Briefe in der Post haben ihren Drittel-Prozent-Anteil vor 25 Jahren längst verloren und werden jetzt in Tausendstel Promille gemessen.

Auch ihr absolutes Volumen schrumpt seit 1993. Dagegen wird die Medienlandschaft noch immer vom analog übermittelten Fernsehen beherrscht, dessen Anteil über die Studiendauer nur von 92 auf 74 Prozent gesunken ist.

López und Hilbert haben dabei aber nur die Sendungen gezählt, die tatsächlich irgendwo über Mattscheiben flimmern; nicht eingeschaltete Programme der Dutzenden Spartenkanäle spielten keine Rolle. "Information ist etwas, was bei einem Menschen ankommt", sagt Hilbert. "Wir konnten allerdings nicht erkennen, ob die Leute auch hinschauen."

Sind Sie bereit?

Spektakuläre Veränderungen bieten auch die Speichertechniken. Enthielten 1986 noch VHS-Videokassetten die absolute Mehrheit aller Infomation, nehmen heute diverse Festplatten einen ähnlichen Anteil auf. LPs, Tonkassetten und analoge Fotos stellten vor 25 Jahren jeweils ein Siebtel bis ein Achtel aller Informationen dar, heute sind sie unbedeutend.

Verschiedene Scheiben und digital-bespielte Bänder haben ihren Platz eingenommen. In absoluten Zahlen betrachtet haben sich die ausgedruckten Fotos aber fast verdreifacht. Und von Videos auf VHS-Kassetten gibt es heute elfmal so viel wie 1986, aber die Menge sinkt seit dem Jahr 2000 rasant.

Andere Experten, etwa die Marktforscher der Firma IDC, bilanzieren den Inhalt des "digitalen Universums" mit ähnlichen Werten wie die Forscher in Science. Und sie erwarten eine weitere gewaltige Steigerung: Von 2007 bis 2011 soll die Datenmenge auf 1800 Exabyte wachsen, also auf das 6,4-fache. "Sind Sie bereit?", fragen die Experten.

© SZ vom 11.02.2011/joku
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