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Ashton Kutcher und Twitter:Innovatives Prinzip von Exklusivität

Seit Ostermontag gibt es bei YouTube einen anderthalbminütigen Film, der so etwas wie Hinweise auf eine Antwort liefert. Darin sieht man Ashton Kutcher in der Rolle seines Lebens: in der Inszenierung seiner selbst. Kutcher trägt einen weißen Sommerhut und ein blaues, weit aufgeknöpftes Hemd. Er erzählt, dass er gerade die Statistiken seines Twitter-Accounts anschaue und festgestellt habe, dass er mit 842.550 Followern (Stand 13. April) nur etwa 50.000 Leser hinter den Nachrichten von CNN (twitter.com/cnnbrk) liege.

Wie der Screenshot der Internetseite http://twitterholic.com/ zeigt, ist Ashton Kutcher CNN bei den Follower-Zahlen dicht auf den Fersen.

(Foto: Foto: dpa)

Rückeroberung des Bildes

Dabei grinst er wie ein kleiner Junge und sagt, dass er das ziemlich verrückt finde. Dann schlägt er der Internet-Gemeinde ein Geschäft vor: Wenn er es schaffe, vor CNN eine Million Follower auf Twitter zu erreichen, gehe er persönlich bei CNN-Gründer Ted Turner in Atlanta vorbei, um diesem einen Klingelstreich zu spielen (die passende Vokabel, die vermutlich nicht im Wortschatz des Schulenglischen vorkommt, lautet "to ding-dong ditch Ted Turner"). Dass der Promi, gewöhnlich Gegenstand einer fremdbestimmten Berichterstattung durch Paparazzi, eine Nachrichtenagentur in Sachen Verbreitung (Follower) überholen will, ist eine neue, eine smarte, sicher auch gewagte Strategie. Es geht Kutcher und Moore um die Rückeroberung des Bildes, das in der Öffentlichkeit über sie verbreitet wird.

Damit ist die behauptete Demokratisierung der Publikationsmittel durch das Internet nun bei denen angekommen, die schon immer in der Öffentlichkeit standen: Ashton Kutcher und alle anderen VIPs, die twittern, nutzen die Kurzmitteilungsplattform, um die Macht darüber zurückzugewinnen, was und wie über sie berichtet wird. Wenn Kutcher Bilder vom angeblichen Hinterteil seiner Ehefrau ins Netz stellt, verlieren alle Paparazzi-Schnappschüsse mit ähnlichen Motiven ihren Wert.

Jeder ist sich selbst der Nächste

Kutchers Botschaft lautet: Näher und authentischer kann niemand über mein Leben berichten als ich selbst. Und solange er sicherstellt, dass die Leser ihm abnehmen, dass es auch wirklich er selber ist, der da schreibt, und dass es auch wirklich der Rücken seiner Frau ist, den er da fotografiert, wird er wohl dieses Spiel gewinnen. Und je offener die Kommunikation zwischen ihm und Moore ist, desto glaubwürdiger wirkt dieses innovative Prinzip von Exklusivität.

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