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Nürnberg:Hitler-Bauten als Sanierungsfall

Einsturzgefahr auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg: Oberbürgermeister Maly rechnet mit Millionenkosten.

Für Hitler muss ein wahnwitziger Traum Wirklichkeit geworden sein: Eine gigantische Tribüne erhob sich wie ein Altar über einem riesigen Feld, über hunderttausend Menschen waren davor aufmarschiert, Hakenkreuzfahnen wehten, so weit das Auge reichte.

Nürnberger Zeppelintribüne muss saniert werden: Blick in die Halle in der Zeppelintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

(Foto: Foto: dpa)

Bei den Nürnberger Reichsparteitagen der NSDAP wurde an der Inszenierung nicht gespart - die Architektur des eigens gebauten Parteitagsgeländes bot die perfekte Kulisse. Die Bauten aus den dreißiger Jahren sind bis heute erhalten, ein schweres Erbe für die Stadt.

Denn die größte bauliche Hinterlassenschaft der NS-Zeit steht unter Denkmalschutz und muss nach Jahren der Einzelreparaturen umfassend saniert werden.

"Es ist sehr problematisch. Bund und Stadt werden Millionen ausgeben, um Gebäude der Nazis zu erhalten", sagt Siegfried Zelnhefer, Sprecher der Stadt und Historiker mit Spezialgebiet NSDAP-Parteitage.

Vor allem die 300 Meter lange Zeppelintribüne und das dazugehörige Feld mit 60.000 Zuschauersitzplätzen müssen vor dem Verfall gerettet werden. Zwischen den steinernen Sitzreihen haben sich Sträucher festgesetzt. Teile der Tribüne mussten wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. "Wenn wir nichts tun, können wir hier in ein paar Jahren die Steine einsammeln", meint Zelnhefer.

Fränkischer Pragmatismus

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) rechnet mit einem "mittleren zweistelligen Millionenbetrag" für die Sanierung. Den müsste die Stadt eigentlich alleine aufbringen. Doch die Hoffnung auf Hilfe vom Bund ist groß. "Das ist keine Nürnberger Angelegenheit, sondern eine, die ganz Deutschland betrifft", sagt Maly.

Der Erhalt des elf Quadratkilometer großen Geländes mit dem Zeppelinfeld, der Kongresshalle und der zwei Kilometer langen Aufmarschstraße hat schon jetzt riesige Summen verschlungen. Nachdem die Nürnberger die Nazibauten in den vierziger und fünfziger Jahren weitestgehend ignoriert hatten, setzte später eine Diskussion ein, wie mit den Erbstücken umgegangen werden könnte.

2001 wurde das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in der Kongresshalle eröffnet, bezahlt zu je einem Drittel von Bund, Land und Stadt. Das Zentrum hat sich als Museum, Gedenkstätte und Diskussionsort weltweit einen Namen gemacht. 2004 legte die Stadt Leitlinien zum Umgang mit dem Reichsparteitagsgelände fest. Danach sollen die Gebäude im jetzigen Zustand erhalten bleiben.

Kommende Generationen sollen damit die Chance bekommen, nach ihrem je eigenen Konzept an die Nazidiktatur zu erinnern. Andererseits regen sich moralische Bedenken, die Nazigebäude, die zum Teil jetzt schon stark verfallen sind, zu rekonstruieren.

Die Nürnberger selbst gingen von Anfang an mit Pragmatismus an die Sache. Schon in den späten vierziger Jahren fanden rund um die Zeppelintribüne die ersten Autorennen statt. Bob Dylan und die Rolling Stones sind auf dem Zeppelinfeld aufgetreten. Jedes Jahr wird das Gelände beim Musikfestival "Rock im Park" zum riesigen Camping- und Vergnügungsplatz. "Das gesamte Gelände war für die Nürnberger seit Jahrhunderten ein Naherholungsgebiet, lange vor den Nazis", erklärt Zelnhefer.

Die Stadt ist mehr als froh, dass der Schauplatz von Hitlers Größenwahn nicht zur Pilgerstätte für Neonazis geworden ist. Zelnhefer: "Das Gelände ist in den Alltag der Nürnberger integriert."