NPD-Aufmarsch in Nürnberg Neo-Nazis sollen "ins Leere laufen"

Nürnberg will den zentralen Aufmarsch der NPD am 1. Mai zu einem "Geisterlauf" machen und ihm keine Aufmerksamkeit schenken. Die Strategie behagt nicht allen.

Nürnberg will den zentralen Aufmarsch der NPD am 1. Mai zu einem "Geisterlauf" machen. Die Neo-Nazis sollten auf ihrer Route durch die Stadt in "nackte Fensterscheiben und kalte Fassaden" schauen, forderte Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) in Nürnberg.

NPD-Anhänger in Nürnberg sollen nach dem Willen der Stadt einfach keine Aufmerksamkeit erfahren.

(Foto: Foto: ddp)

Das "Zeigen der kalten Schulter" solle in bewusstem Gegensatz zum ehemaligen Zuspruch der Bevölkerung zum Nationalsozialismus stehen, erklärte Maly. Auf dem Hans-Sachs-Platz, wo die Nazis 1938 die Nürnberger Hauptsynagoge abgerissen haben, plant die Stadt zusammen mit Vertretern aus Religion und Politik eine demokratische Kundgebung.

Es habe "einen symbolischen Effekt, wenn die Erben des Nationalsozialismus sich versammeln um zu demonstrieren, dass wir so etwas nie wieder haben wollen", sagte Arno Hamburger, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg. "Wir wollen demonstrieren, dass diese Leute kein Recht haben, unsere Stadt noch einmal zu missbrauchen."

Bisher hat die Stadt keine Rechtsgrundlage gegen die NPD-Aufmärsche in der Hand und muss der Partei das Recht auf Versammlungsfreiheit zugestehen. Dagegen macht unter anderem das "Nürnberger Bündnis gegen den NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2008" mobil: Die Organisation lehnt es "strikt ab, den Nazis die kalte Schulter zu zeigen" und plant Protestaktionen gegen die NPD.

Oberbürgermeister Maly verteidigt dagegen seine Strategie der Missachtung: Es sei nicht möglich, sich der NPD entgegenzustellen, "ohne die Polizei zum Prellbock zu machen", erklärte der Oberbürgermeister. Für ihn sei das Konzept der fehlenden Aufmerksamkeit richtig, da die Nazis damit ins Leere liefen.