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Missbrauchsvorwurf:Wollte der Priester die Vorfälle vertuschen?

Der Bamberger Domkapitular soll versucht haben, eines seiner Opfer zum Schweigen zu nötigen. Das Bistum weist die Vorwürfe zurück.

Der Domkapitular des Erzbistums Bamberg soll versucht haben, von einem mutmaßlichen Opfer eine Verschwiegenheitserklärung einzufordern. Der 63-Jährige steht unter Verdacht, in den 70ern und 80ern Knaben im katholischen Bamberger Internat Ottonianum sexuell missbraucht zu haben.

Im vergangenen Jahr soll der Priester von einem Opfer eine Verzichtserklärung zu eingefordert haben.

(Foto: Foto: ddp)

Dem Focus zufolge traf sich der Priester im Herbst 2007 im Beisein eines Mitarbeiters, eines Juristen und eines Psychologen mit einem heute 40 Jahre alten Mann. Dieser gehörte zu den mutmaßlichen Missbrauchsopfern im Internat.

Im bistumseigenen Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg sollte der Mann eine Erklärung unterschreiben, nach der er sich verpflichtete, nie wieder Missbrauchsvorwürfe gegen den inzwischen beurlaubten Domkapitular zu erheben. Der 40-Jährige lehnte dies ab, obwohl die Teilnehmer der Runde ihm laut Focus mit einer Verleumdungsklage drohten. Der damals anwesende Psychologe habe nach diesem Vorfall schließlich den Erzbischof gedrängt, die Vorfälle öffentlich zu machen und die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

Das Erzbistum Bamberg hat diese Vertuschungsvorwürfe nun zurückgewiesen. Dem mutmaßlichen Opfer sei "zu keinem Zeitpunkt eine Verzichts- oder Unterlassungserklärung vorgelegt" worden, teilte die Diözese mit.

Vergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, sie habe ein Ermittlungsverfahren gegen den Domkapitular wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen eingeleitet. Vier ehemalige Schüler des Bamberger Internats werfen dem Priester sexuellen Missbrauch vor. Dieser war in dem Internat zunächst als Präfekt und später als Direktor tätig.

In Gesprächen mit Diözesanvertretern wollte sich der Domkapitular nicht an die mutmaßlichen Übergriffe erinnern können. Der heute 63-Jährige wurde wegen der Vorwürfe beurlaubt und war am vergangenen Mittwoch als Personalchef der Diözese zurückgetreten.