Katholische Universität Eichstätt Das Waterloo der Bischöfe

Der bereits gewählte Präsident der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt tritt sein Amt nicht an. Der Grund: Seine exorbitanten Gehaltsforderungen. Die Professoren wollen jetzt eine Hauslösung.

Von Christine Burtscheidt

Die Stimmung an der katholischen Stiftungsuniversität in Eichstätt schwankt zwischen Apathie und Wut. Worte wie "Missmanagement", "Desaster" und "Rufschädigung" zirkulieren, seit am Montag publik wurde, dass der kürzlich zum Präsidenten gewählte Theologe Reinhard Hütter von der Duke University in Durham (USA) das Amt nicht antritt.

Schweigt zu den Vorgängen: der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke.

(Foto: Foto: dpa)

Binnen eines Jahres geschieht dies nun zum zweiten Mal. Im Mai 2008 erhielt der Regensburger Religionspädagoge Ulrich Hemel nicht den Segen der Kirche, weil er offenbar nicht katholisch genug war. Diesmal lassen die bayerischen Bischöfe Hütter ziehen, weil er zu teuer ist.

Bedauern über Hütters Rückzug gibt es kaum. Eher scheint man froh zu sein, dass der Uni der Konfessionswechsler, der als katholischer Hardliner gilt, erspart bleibt. Offiziell will das keiner sagen. Nur die Studenten erklären, hinter der Entscheidung des Trägers zu stehen. Seine "exorbitanten Forderungen" hätten die Vorbehalte gegenüber Hütter bestätigt, heißt es. Ähnlich sehen das offenbar auch die Mitglieder des Senats, dem größten Kollegialorgan der Hochschule.

Insgesamt drei Millionen Euro gefordert

Als die Kirche die Mitglieder am Dienstagnachmittag informierte, sollen sie applaudiert haben. Wie viel der Theologe aus North Carolina gefordert hat, will jedoch keiner der Beteiligten verraten. "Es hätte massive Auswirkungen auf den Haushalt gehabt", erklärt lediglich der für die Präsidentenwahl zuständige Hochschulratsvorsitzende Helmut Altner. Aus Kirchen- und Uni-Kreisen sickert dann aber doch etwas durch. Das durchschnittliche Gehalt eines deutschen Uni-Präsidenten hängt von der Größe der Einrichtung ab und liegt zwischen 85.000 und 130.000 Euro. Der Chef der Uni Eichstätt bewegte sich bislang eher am unteren Rand der Skala.

Hütter jedoch soll in die Verhandlungen mit der Forderung 130.000 Euro gegangen sein. Obendrein soll er Rentenansprüche rückwirkend auf 20 Jahre gestellt haben, die ihm soeben in der Wirtschaftskrise verlorengingen. Und er wollte eine gute Ausstattung für seinen Lehrstuhl. Allein die beiden letzten Forderungen hätten Kosten in Höhe von drei Millionen Euro verursacht.

Der Kirche war das zu viel. "Sicherlich zählte Hütter zu den Wunschkandidaten, aber nicht um jeden Preis", sagt der Vorsitzende der Universitätsstiftung, Prälat Peter Beer. Er ist enttäuscht über Hütters Verhalten. Man habe Vorgespräche geführt und während der Verhandlungen versucht, andere Wege zu öffnen, die Hütter aber nicht in Betracht ziehen wollte.

Mit Unverständnis reagierte die bayerische Hochschulszene auf den Vorgang. "Da muss man doch vorab genau sondieren noch dazu bei der Vorgeschichte, wie sie die Uni Eichstätt hat", sagte etwa der Münchner TU-Präsident Wolfgang Herrmann. Noch dazu, wenn ein Bewerber von einer renommierten Privat-Uni wie der Duke University käme. "Das ist doch klar, dass das teuer wird." Mangelnde Professionalität werfen auch Eichstätter Professoren der Kirche vor. "Die bayerischen Bischöfe wissen nicht, wie eine Universität funktioniert", heißt es. Doch werden auch Zweifel laut, ob Hütter nicht absichtlich überzogen habe, weil das Amt doch ein "Himmelfahrtskommando" sei.

Sicher ist, dass der Posten des Uni-Präsidenten nun neu ausgeschrieben werden muss. Juristisch scheint es nicht möglich sein, Hütters Mitbewerber zu reaktivieren, den Potsdamer Slawisten Norbert Franz und den Bonner Politologen Ludger Kühnhardt. Doch eine Neuwahl wird dauern. Der Hochschulrat stellt sich deshalb auf eine neue Interimsleitung ein - "für mindestens zwei Jahre", sagt Altner. Am 4. Juni will sich das Gremium treffen. Professoren der Hochschule fordern jetzt eine Lösung aus den eigenen Reihen, um vor den "violetten Eminenzen mal Ruhe zu haben".