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Grafenwöhr:Amerikas jüngste Stadt

In der Siedlung am Truppenübungsplatz Grafenwöhr wurde eine Milliarde Euro verbaut. Doch der große Wirtschaftsboom in der Oberpfalz blieb bislang aus.

Großer Parkplatz, große Autos, große Plastiktüten: Wer in diesen Tagen nach Netzaberg in der Oberpfalz kommt und durch die Sicherheitskontrollen den Weg findet zur Main Street Mall, vorbei an Burger King und an der Tankstelle mit 24 Zapfsäulen, der wähnt sich in den USA. Und ganz falsch ist die Einschätzung ja auch nicht.

Grafenwöhr war bislang ein Trainingsplatz für Nato-Truppen, nun wird die Region Stützpunkt für 3500 Soldaten.

(Foto: Foto: dpa)

Netzaberg ist so etwas wie die jüngste Gemeinde der Amerikaner, gelegen am Rande des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr, nahe der gleichnamigen Stadt. In diesen Tagen werden die letzten von insgesamt 830 Häusern an die US-Armee übergeben. Damit nimmt eines der größten Bauprojekte Bayerns Gestalt an: Die Unterkunft für die 172. Infanteriebrigade der US-Armee, die bis Ende 2010 komplett von Schweinfurt nach Grafenwöhr verlegt wird.

War Grafenwöhr bislang vor allem ein europaweit bedeutender Trainingsplatz für Nato-Truppen, wird die Region jetzt zu einem dauerhaften Stützpunkt für 3500 Soldaten und ihre Familienangehörigen. Von einem "idealen" Übungsgelände sprechen die Militärs dabei, aber auch die deutschen Anwohner hofften lange, dass ihre neuen Nachbarn Schwung bringen ins strukturschwache Ostbayern - war doch eine Zeitlang der Standort in Gefahr.

"Das ist wie Weihnachten mitten im Sommer", sagte Grafenwöhrs Bürgermeister Helmuth Wächter (SPD) entsprechend begeistert im Jahr 2001, als aus dem Pentagon die Nachricht durchsickerte, dass Grafenwöhr nicht geschlossen, sondern im Gegenteil zu einem zentralen Stützpunkt der US-Armee ausgebaut wird. Damit werde die nördliche Oberpfalz "endgültig zur Boomregion", jubelte damals der Bürgermeister.

2000 Zivilbedienstete

Ein wenig zurückhaltender, aber nicht unzufrieden klingt Wilhelm Keck, Wirtschaftsleiter der Stadt Grafenwöhr, heute, nachdem etwa die Hälfte der Schweinfurter Brigade umgezogen ist. "Es läuft gut an." Gerade die Gastronomie und Freizeiteinrichtungen würden einen Aufschwung spüren. Und auch die ehemalige Tennishalle, die vor kurzem noch begehrtes Objekt der NPD war, sei durch die stationierten Amerikaner und ihre Familien gut genutzt:

Megaplay heißt die Halle inzwischen und ist eine Art überdimensionierter Kinderspielplatz, betrieben von einem Privatinvestor. "Das kommt sehr sehr gut an", sagt Keck. Auch Kfz-Händler würden sich neu ansiedeln, so wie das Geschäft, das ganz nah vor Tor 3 seine US-Cars mit offenen Motorhauben präsentiert: Mächtiger Hubraum und viel Chrom sind hier noch gefragt, auch wenn es oft nur die paar Kilometer vom Tor zum Burger King und der eigenen Shopping Mall geht.