CSU: Rücktritt Beckstein Söder - einer für die "Nummer zehn"

Wirbel an der CSU-Spitze: Was wird mit dem ambitionierten Europaminister Markus Söder? Er macht schon mal im TV-Studio bei "Kerner" bella figura.

Von Marcel Burkhardt

Die CSU sehnt sich nach dem Wahldebakel am Sonntag mehr denn je nach einem starken Ministerpräsidenten, der Bayern unter schwierigen Umständen kraftvoll und geschickt regiert. Nach Becksteins Rückritt am heutigen Mittwoch fragen sich viele: Wer kann ihn ersetzen?

Markus Söder und Günther Beckstein vor wenigen Tagen auf dem Münchner Oktoberfest. Nun könnte der Junge in die Fußstapfen des Alten treten.

(Foto: Foto: dpa)

Für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten gab es außer dem charismatischen Horst Seehofer keinen potentiellen Kandidaten, der sich als Nachfolger aufdrängt.

Eine Rückkehr Stoibers, der mitverantwortlich ist für die Wahlschlappe der CSU, halten nicht viele für hilfreich. Markus Söder, Europaminister in der Bayerischen Staatskanzlei, zeigt sich jedenfalls als potentieller Kandidat für höhere Aufgaben bereit. Dienstagabend antwortete er in der ZDF-Talkrunde "Johannes B. Kerner" auf die Frage des Moderators: "Was wird eigentlich aus Ihnen?" mit den frei interpretierbaren Worten: "Ja, das zeigt sich in den nächsten Tagen und Wochen."

Dabei rutschte der 41-jährige Jurist ein wenig auf dem Stuhl herum und wusste offenbar nicht recht, ob er gelassen oder ernst dreinschauen sollte. Kerner insistierte: "So leicht kommen Sie aus der Sache nicht raus: Sie sind Anfang 40, Sie müssen noch ein bisschen, ja?!" Söder antwortete: "Ich werde wahrscheinlich auch noch ein bisschen."

Söder: "Stoiber ist neben Strauß der größte Sohn der CSU"

Viele in der CSU fragen sich jetzt: Wenn Seehofer das Amt des Ministerpräsidenten nicht übernimmt, steht dann Söder vor dem ganz großen Karrieresprung? Oder wenn Seehofer übernimmt, wird er dann Bundesminister?

Söders große Stärke liegt darin, mit Männern Bündnisse zu schließen, die den Sprung in Spitzenpositionen schaffen könnten. Edmund Stoiber duzt er und lobt ihn, wann er nur kann. Einer seiner Standardsätze: "Er ist neben Franz Josef Strauß der größte Sohn der CSU!"

Der größte Parteifreund des langjährigen Generalsekretärs heißt seit einiger Zeit Horst Seehofer. Mit dem Sprung an die Spitze der CSU hat sich Seehofer seinen politischen Traum erfüllt. Seine Verbündete in diesem Machtspiel waren Edmund Stoiber und Markus Söder.

Aufblühende Liaison zwischen Seehofer und Söder

Beiden stand er nie besonders nahe, jetzt aber nennt er sie Freunde. Daran lässt sich ablesen, wie tief die Krise der CSU ist. Söder hegte lange Zeit eine tiefe Abneigung gegen Seehofer. Er hielt den Ingolstädter für einen Showman, einen Egoisten, unfähig zur soliden Zusammenarbeit. Seehofer wiederum sah in Söder ein politisches Großmaul: Er machte sich lustig über den früheren CSU-Generalsekretär, der seinen politischen Gegnern in Talkshows lieber unter die Gürtellinie schlug, statt sich um das politische Werk zu kümmern.

Die neue Allianz aber gedeiht prächtig. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel "verstehen sich die beiden prächtig, SMS gehen hin und her, es wird häufig telefoniert". Söder lobt Seehofer als "echten Profi".

Zwar wird Söder auch nicht von allen in der CSU heißgeliebt. Aber eine Stütze ist der Machtpolitiker mit feinem Instinkt doch - und mit seinen 41 Jahren ist er ein Mann der Zukunft. Als bayerischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten versucht er auch, wegzukommen vom Image des Hallodris. Inhaltlich schärft er sein Profil zum Beispiel in der Umweltpolitik und den Fragen der Gentechnik. So kritisierte er die zu große Aufgeschlossenheit gegenüber Gentechnik bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und der CDU.

Eines ist sicher: Markus Söder sieht sich in einer Linie mit den großen Männern seiner Partei. Als Generalsekretär habe er seine Rolle "klassisch" interpretiert, teilte der CSU-Mann mit, "so wie Stoiber sie bei Strauß interpretiert hat".

Stoiber lobte seinen Ziehsohn erst im Sommer während des Wahlkampfs auf einer fränkischen Bierzeltbühne: Der einstige CSU-Generalsekretär sei ja ein "lauffreudiger, junger Stürmer" gewesen. Nun aber stelle er einen Wandel fest: "Du beginnst, dir die Nummer 10 zu nehmen und in die Rolle des Spielgestalters hineinzuwachsen."

Zum Einzug blies dem Duo Stoiber-Söder die Siebenbürger Blaskapelle den Defiliermarsch, Hunderte Besucher im Zelt huldigten dem CSU-Ehrenvorsitzenden stehend. "Wie in alten Zeiten", jubelte Söder. Wenn er über die Zukunft seiner Partei spricht, schwingt immer die Vergangenheit mit. Und wenn Söder von Strauß und Stoiber in höchsten Tönen schwärmt, bekommen seine Augen einen besonderen Glanz.

Söder sieht sich in den politischen Fußstapfen der Altvorderen und beschwört den bayerischen Patriotismus und die Größe der CSU. Ob er in die Galerie der Großen aufgenommen wird, wird sich zeigen.

Auch wenn Parteifreund Seehofer jetzt das Rennen machen sollte - Söder hat noch viel Zeit.

Horst Seehofer

Kennedy der CSU