CSU-Chef Seehofer Absage an Paradiesvogel Gloria

CSU-Chef Seehofer setzt zwar auf Frauen-Power. Nicht jedoch, wenn es um die Bundesversammlung und die Präsidentenwahl geht. Fürstin Gloria erteilt er nun eine Absage.

Die CSU bleibt sich treu. Sie ist näher am Menschen, so lautete ja schon ihr Slogan für die Landtagswahl. Und sie hält sich daran. Besonders gerne ist sie nahe an Promis.

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis soll nicht für die CSU in der Bundesversammlung sitzen.

(Foto: Foto: dpa)

Das war schon so unter Franz Josef Strauß, der um die Welt reiste, um etwa Mao Tse-Tung die Hand zu schütteln oder mit Dikatoren auf Großwildjagd zu gehen. Oder Edmund Stoiber, der sich gerne mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin oder US-Gouverneur Arnold Schwarzenegger ablichten ließ.

Kein Wunder also, dass man auch zur Wahl des Bundespräsidenten mit promineten Namen punkten will - und etwa Persönlichkeiten wie Olympiasiegerin Rosi Mittermaier, den Manager Heinrich von Pierer und Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern in die Bundesversammlung entsendet. Oder eben den bayerischen Adel. Wie 2004, als der ehemalige CSU-Chef Stoiber die einstige Punk-Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis als Wahlfrau gewinnen konnte.

In diesem Jahr wird die Fürstin jedoch zu Hause bleiben müssen. Denn obwohl CSU-Chef Horst Seehofer derzeit keine Gelegenheit auslässt, auf Frauen zu setzen - die Dame aus dem Regenburgischen steht nicht auf seiner Liste bayerischer Powerfrauen. Seine Partei werde in diesem Jahr nicht auf "Paradiesvögel" setzen, sagte Seehofer auf der Klausurtagung seiner Partei in Wildbad Kreuth. Wer damit gemeint ist, ist klar: die Hausherrin des Regensburger Schlosses Sankt Emmerau.

Noch so eine Blamage wie vor fünf Jahren will sich die Partei wohl ersparen. Damals schickte Edmund Stoiber die Adelige für die CSU zur Wahl des Bundespräsidenten, sicherlich stolz darauf, eine so prominente Vertreterin gefunden zu haben. Was er nicht wissen konnte: Statt für den Unionskandidaten Horst Köhler stimmte Gloria für die SPD-Kandidatin Gesine Schwan - die auch in diesem Jahr wieder gegen Köhler ins Rennen geht.

Ihre provokanten Kleider und schrillen Frisuren, die noch in den achtziger Jahren eine Rolle spielten, hat die Fürstin zwar abgelegt. Heute tritt sie konservativ auf, gibt sich gläubig katholisch und sozial engagiert. Ihren Freigeist hat sie sich allem Anschein nach erhalten. Dass sie sich damit ihre Freunde in der CSU endgültig verprellt hat, stört sie offenbar wenig.

Die Gleichung "konservativ + katholisch = CSU" stimmt eben nicht erst seit der vergeigten Landtagswahl nicht mehr.