Atomkraft CSU auf Endlagersuche

Auch in Bayern soll in Zukunft radioaktiver Abfall gelagert werden. Während die Landesregierung noch auf der Suche nach einem geeigneten Ort ist, bereitet man sich im Bayerischen Wald bereits auf den Protest vor.

Wo Deutschlands Atommüll künftig lagern soll, war für die CSU lange Zeit klar: möglichst weit weg. Etwa im niedersächsischen Gorleben, sicher aber nicht im Freistaat. "Kein Endlager in Bayern möglich", druckte das Landesamt für Umwelt (LfU) 2010 daher auf den Titel einer Broschüre. Die Position war klar: Salzvorkommen gebe es in Bayern, jedoch seien die nicht dick genug. Ton sei zwar vorhanden, aber von zu vielen Grundwasseradern durchzogen.

Notausgangsschild im Atommüllendlager Gorleben

(Foto: dapd)

Bleibe nur der Granit. Den gibt es vor allem im Bayerischen Wald. Auch ungeeignet, urteilte das LfU und verweist auf Untersuchungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Zu groß seien die tektonischen Spannungen, zu zerklüftet das Gebirge.

Die BGR hatte 1995 einen Katalog von untersuchungswürdigen Gesteinsformationen für die Endlagerung veröffentlicht. Auf dieser Basis wurde bisher nicht weiter nach Standorten gesucht, denn Gestein gilt in Deutschland als weniger geeignet für die Endlagerung von Atomabfällen.

Gorleben-Erkundung geht weiter

In der Studie wurden in Bayern das Fichtelgebirge und der Saldenburger Granit im Bayerwald untersucht und als "nur bedingt für die weitere Standortsuche geeignet" klassifiziert, das Granitmassiv von Finsterau im Bayerischen Wald als "sehr eingeschränkt geeignet". Im nördlichen Oberpfälzer Wald wurden einzelne "günstige" Bereiche ausgemacht. Dort sei das Gestein aber zum Teil inhomogen, die BGR emp- fahl detaillierte Untersuchungen.

Am Montag kündigte nun Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an, dass auch in Bayern nach einem Endlager gesucht werden müsse. Bislang gibt es dafür freilich erst die grundsätzliche Einigung in der Berliner Koalition. Der Zeitplan etwa muss ebenso erst mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den anderen Ministerpräsidenten ausgehandelt werden wie die Kriterien. Bis zum 8.Juli, dem Tag, an dem der neue deutsche Atomausstieg im Bundesrat besiegelt werden soll, steht Seehofer zufolge auch das Prozedere für die neue Endlager-suche fest. Zugleich geht aber die Erkundung von Gorleben weiter.

Im Bayerischen Wald formiert sich bereits Protest. Martin Behringer, Bürgermeister von Thurmansbang und Chef einer Bürgerinitiative, die seit bald 20 Jahren gegen ein eventuelles Endlager kämpft, prophezeite ein "zweites Wackersdorf", falls die Überlegungen neu aufgenommen würden. Der Freyunger Landrat Ludwig Lankl (CSU) kündigte verärgert die entschiedene Gegenwehr der Bevölkerung an.