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Zahl der Autodiebstähle steigt:Polen das Dorado der Automafia?

Doch wenn Polen Mitte der 90er Jahre zu Recht als Dorado der Automafia galt, so ist es dank eines Maßnahmenpaketes in den aktuellen Diebstahlstatistiken der EU auf den fünften Platz abgerutscht, vorn liegen nun Großbritannien, Italien, Frankreich und Spanien. In Warschau hatte man damals schnell begriffen, dass vor allem die Zulassung gestohlener Autos erschwert werden muss. Ein neues System wurde eingeführt. Obwohl es den Bürgern mehr abverlangt, hat die Presse es nie in Frage gestellt, denn die erstarkende polnische Mittelklasse war ja ebenfalls stark von Autodiebstählen betroffen.

Das System sieht vor, dass bei Besitzerwechsel erst ein vereidigter Gutachter die Übereinstimmung von Kfz-Nummern und Papieren bescheinigen muss. Diese Angaben werden an den Meldestellen verifiziert, dann wird der Wagen zunächst für einen Monat registriert. In dieser Zeit werden alle Daten mit den europäischen Diebstahl- und Herstellerregistern verglichen. Bei der endgültigen Zulassung werden dann vier identische Hologramme vergeben: zwei für die Autonummern, eines für die Wagenpapiere, das letzte für einen Aufkleber, der auf der Innenseite der Frontscheibe angebracht wird. Beim Versuch, ihn abzulösen, zerfasert er.

Über ihre mobilen Ablesgeräte können Polizeistreifen leicht feststellen, ob die Hologramme mit dem Zentralcomputer übereinstimmen. Zudem reflektieren sie nachts in einer bestimmten Farbe. Vor allem aber wurden diese Kontrollinstanzen organisatorisch strikt voneinander getrennt.

Schon eine vor zehn Jahren veröffentlichte Bestandsaufnahme des Verbandes der deutschen Versicherungen war voll des Lobes: "Hervorragend, nachahmenswert!" Deutsche Experten meinen, das polnische System mit der Vierfachsicherung durch Hologramme solle am besten EU-weit eingeführt werden. Doch die Politik hat sich kaum bewegt. Auch weist Warschaus Polizeikommandantur darauf hin, dass die Diebstahlsmeldungen aus Deutschland meist erst mit Verzögerung in internationale Systeme kommen. Oft zu spät, längst gilt der Satz nicht mehr: "Heute gestohlen, morgen in Polen."

Vielmehr sind die gestohlenen Wagen oft schon am selben Tag über die Ostgrenze Polens in eine der ehemaligen Sowjetrepubliken verschwunden, und deutlich einfachere Wege dahin führen heute ohnehin über Bulgarien und Rumänien. "Russland, die Ukraine und Weißrussland sind große schwarze Löcher", sagt ein in Polen eingesetzter BKA-Experte. In der Tat werden in diesen Ländern gestohlene Wagen problemlos legalisiert. In diesem Punkt verlangt Warschau politischen Druck der EU auf die östlichen Nachbarn - und beklagt sich, dass gerade die Deutschen dazu neigen, das Thema bei politischen Gesprächen höflich auszusparen.

© SZ vom 03.01.2012/jkz