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Weltspiegel (20): Automarkt China:Flügellahmer Drache

Die Shanghai Motor Show läuft. Zwar steckt auch China in der Krise, doch der Einbruch ist noch gering - weswegen das Land für deutsche Autobauer höchst attraktiv bleibt.

Die Redaktion von sueddeutsche.de sieht sich um - im "Weltspiegel": Welche Autos fahren die anderen? Wie reagieren andere Länder und Hersteller auf den Klimawandel? Wer steigt auf alternativ angetriebene Fahrzeuge um?

Bei uns nicht zu haben, in China sehr begehrt: der VW Bora

(Foto: Foto: Pressinform)

Seit mehr als einem Jahrzehnt kannte Chinas Wirtschaft nur eine Richtung: steil nach oben. Nun wird der Höhenflug des chinesischen Drachens gebremst. Im ersten Quartal 2009 stieg das Bruttoinlandsprodukt "nur" noch um 6,1 Prozent - wenig für chinesische Verhältnisse, aber immer noch gut für neidische Blicke anderer Staaten.

Auch auf dem Automarkt sieht es so schlecht nicht aus: "China ist und bleibt der wichtigste Wachstumsmarkt in der Welt. Nachdem dort im letzten Jahr 5,6 Millionen Pkw verkauft wurden, rechnen wir 2009 mit einer leichten Abkühlung, die aber deutlich geringer sein wird als in anderen Märkten", glaubt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen und Professor für Automobilwirtschaft.

Dudenhöffer prognostiziert für den chinesischen Markt einen Rückgang von gerade mal vier Prozent auf 5,4 Millionen PKW - im Vergleich zu den gewaltigen Einbrüchen anderer Märkte wäre das nur ein kleiner Dämpfer. "Um das Jahr 2020 kann dann China der größte Pkw-Markt der Welt werden. Dabei müssen wir mit hartem Wettbewerb der Chinesen rechnen, die auch bei den Innovationen schnell lernen und aufholen. Das Zukunftsthema Elektromobilität und Hybrid werden die Chinesen schneller umsetzen, als wir uns das vorstellen", glaubt Dudenhöffer.

Beim Elektroauto hat China bereits eine Marschroute festgelegt. Die Renault-Nissan-Allianz hat eine Vereinbarung mit der chinesischen Regierung geschlossen, bei der es um die Entwicklung von Elektroautos samt der nötigen Infrastruktur geht. Schon 2011 könnten in großem Stil Stromer auf Chinas Straßen rollen. "Kein anderer Automobilhersteller außer uns unterzeichnet derzeit bereits Verträge mit Regierungen verschiedener Länder in aller Welt, um Elektrofahrzeugen zu einer flächendeckenden Verbreitung zu verhelfen", betont Renault-Chef Carlos Ghosn.

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Flügellahmer Drache