Volvo 850 TDI Kombi Und immer unterwegs

Mit großem Platzangebot, viel Komfort und hohem Preis

(SZ vom 29.05.1996) Kombis sind gesellschaftsfähig geworden. Das dokumentiert sich auch in der Namensgebung, denn die Marketingexperten bezeichnen einen Kombi nicht mehr einfach als Kombi, sondern als Avant, T-Modell oder Break. Manche Hersteller halten es da ein bißchen konservativer und nennen die Dinge weiterhin beim Namen. Bei Volvo gibt es den 850 als Limousine und als 'Kombinationsfahrzeug' - und dieser Name ist Programm. Der Raumriese aus Schweden stellte sich bei längeren Strecken auf Landstraßen und Autobahnen als äußerst vielseitiges Fahrzeug heraus, das beim Transport von Passagieren, Getier und Gepäck seine Stärken ausspielte, ohne daß dabei der Komfort auf der Strecke bleibt.

Je nach Bedarf läßt sich die Ladefläche durch das Umklappen der Rücksitze vergrößern oder verkleinern - und es entsteht eine ebene Fläche, deren Breite lediglich durch die Einbuchtungen der Radkästen etwas verschmälert wird. Als relativ wertlos erweisen sich in der Praxis aber die beiden separaten Staufächer, die man mittels einer Klappe unter dem eigentlichen Laderaum öffnen kann: Sie sind einfach zu klein. Praktisch hingegen ist das in die Gepäckraumabdeckung integrierte Trennetz.

Ebenso leicht, wie sich der Innenraum verändern läßt, funktionieren die Bedienungselemente des 850: Die Servolenkung ist extrem leichtgängig, für die Bedienung der Hebel und Schalter kann man sich auf seine Intuition verlassen. Das Fahrwerk ist so abgestimmt, daß es nicht überempfindlich auf Bodenunebenheiten reagiert, aber auch bei viel Last im Auto kommt auf kurvigen Strecken kein schwammiges Gefühl auf.

Als Antriebsquelle stand uns ein Turbodiesel-Direkteinspritzmotor mit fünf Zylindern, einem Hubraum von 2,5 Litern und einer Leistung von 103 kW (140 PS) zur Verfügung. Aus diesen Daten werden Experten schon entnehmen, daß es sich nicht um eine Volvo-Entwicklung, sondern einen TDI-Motor bayerischer Provenienz handelt. Die Schweden haben den TDI von Audi zugekauft - und damit keinen schlechten Griff getan. Das Aggregat überzeugt durch eine kräftige Leistungsentfaltung - auch wenn das Einsetzen des Turbo noch leicht spürbar ist - und vor allem durch einen Drittelmix- Verbrauch von 6,0 Liter auf 100 Kilometer. In der Praxis fließen gut sieben Liter durch die Einspritzdüsen, was dem Kombi eine Reichweite von knapp 1000 Kilometern verleiht. Die Beschleunigung von Null auf 100 km/h dauert mindestens 9,9 Sekunden, bei 200 km/h ist der Wind stärker als der Motor.

Besonders angenehm ist auf langen Strecken, daß sich der Diesel nicht als rauher Geselle, sondern als akustischer Leisetreter entpuppt. Nur kurz nach dem Start und im Leerlauf läßt sich leises Nageln vernehmen.

Auch 1996 bleiben die Schweden bei ihrer Gleichpreispolitik für Limousine und Kombi. 52 100 Mark kostet der 850 in der gewünschten Karosserieform - das ist kein Sonderangebot, aber ein angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis. Die Schweden verkaufen inzwischen weit mehr als die Hälfte aller 850 als Kombis. Denn ihre Besitzer transportieren damit nicht nur Getränkekisten, Mountain- Bikes und Surfbretter, sondern vor allem auch Lifestyle.

Von Otto Fritscher