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Tuning-Legende Carlo Abarth:Im Zeichen des Skorpions

Abarth kehrt zurück

Neustart einer Legende

Carlo Abarth glänzte nicht nur als Organisator und Entwickler, sondern er ist vor allem als diktatorischer Chef seines Rennstalles unvergessen. Der Aufwand war enorm. Zu manchen Rennen - beispielsweise zum 500-km-Rennen auf dem Nürburgring 1964 - schleppten die Tieflader gleich 16 Abarth-Rennwagen heran. Im Cashmere-Pulli stand der "Maestro", dem Arroganz nicht fremd war, dann am Pistenrand und befehligte seine Fahrer mit Armschwüngen wie ein Dirigent. Gehorsam, Disziplin, Sauberheit, Ordnung forderte er vom Team. Blitzblank mussten die Autos sein. Ferrari oder Porsche konnte Abarth nie erreichen, aber in den kleinen Hubraumklassen dominierten seine Autos. Man zählte in Turin bis zu 800 Siege und Rekorde pro Saison.

Viele Deutsche gehörten zu Abarths "Renn-Söldnern". Allen voran der frühere Mercedes-Grand-Prix-Pilot Hans Herrmann, der von 1962 bis 1965 Werksfahrer war. Aber auch Kurt Ahrens, Jochen Neerpasch, Toni Fischhaber, Eberhard Mahle, Willi Kauhsen, Johann Abt, oder Erich Bitter. Und jeder kennt bunteste Abarth-Geschichten.

Einer der treuesten Vasallen war der Österreicher Johannes Ortner. Jahrelang ertrug er die Wutanfälle seines Chefs. Zu Exzessen kam es, wenn beispielsweise der Streckenrekord um ein, zwei Zehntel verfehlt wurde. Auch war es ein Drama, wenn mal ein Abarth von der Piste flog. Ortner: "Er liebte halt zuallererst seine Autos, dann sich selbst, erst dann kamen seine Rennfahrer." Hans Herrmann bestätigt das: "Es bereitete dem Carlo fast körperliche Schmerzen, wenn ein Auto zertrümmert wurde." Als Jochen Rindt einmal einen Abarth an den Strohballen zerbeulte und mit den Worten an der Box ablieferte "da habt's euern Krempel", entschied der "Patron" umgehend: "Der fährt nie mehr für mich."

Klaus Steinmetz, später BMW-Rennleiter und dann Tuner schneller Opel, jonglierte bei Abarth jahrelang in einer Dreifach-Rolle: Rennmanager, Rennfahrer und Entertainer für den Chef. Das führte zu unvergesslichen Szenen. Carlo Abarth, der sich ja tagsüber mächtig aufregte, konnte abends schlecht einschlafen. Deshalb las er zur Entspannung gern "Robinson" oder Märchenbücher. Als seine Fahrer 1965 am Nürburgring einmal abends im Hotel "St. Georg" beim Essen saßen, wurde Klaus Steinmetz in Abarths Zimmer befohlen. Der Chef lag schon im Bett. "Jetzt muss er Carlo wieder Märchen vorlesen," juxten die Fahrer, schlichen hoch in den ersten Stock und lauschten an der Tür. Richtig - das war die Stimme von Steinmetz. Er las vor: "Da sagte der Fuchs zur Katze. Komm, lass uns ein Stück des Weges gemeinsam gehen..." Im Motorsport von heute wäre ein Carlo Abarth undenkbar. Wie schade.