bedeckt München

Toyota Auris:Der Auris-Flop

Mit einer riesigen Werbekampagne wollte Toyota vor einem Jahr den Auris unter die Leute bringen, kaum eine Plakatwand blieb unbestückt. Doch: Wo ist das Auto selbst eigentlich geblieben?

Eigentlich ist Toyota mit den Verkaufszahlen des Auris nicht unzufrieden. Sagt die Firma. Für dieses Jahr stellt Toyota-Sprecher Karsten Rehmann eine Steigerung der Verkaufszahlen auf 27.000 Fahrzeuge in Aussicht. Im vergangenen Jahr konnten die deutschen Händler immerhin 20.387 Fahrzeuge an Frau und Mann bringen. Damit übersprang der Auris die sogenannte Wahrnehmungsschwelle von 15.000 Fahrzeugen zwar deutlich, dennoch muss man den Konkurrenten von Golf, Astra, Peugeot 308 und Focus im Straßenbild richtigehend suchen. Selten ist eine millionenschwere (27 Motive, 200.000 Plakatwände) Kampagne so verpufft.

So war das vor einem Jahr: Es gab kein Entkommen - Toyota hatte rund 200.000 Plakatwände für die Auris-Werbung gebucht.

(Foto: Foto: Toyota)

Viel Marketing, wenig Verkauf

Dass der Auris subjektiv als wenig präsent erscheint, liegt dabei nicht nur an der verkauften Stückzahl. Es ist auch das zurückhaltende Design, das ihn ähnlich wie sein Vorgänger Corolla in der Masse untertauchen lässt. Ganz anders als den Toyota Prius, von dem 2007 keine 4600 Stück verkauft wurden, den dank Hybrid und Design aber trotzdem fast jeder kennt.

Der Auris hat also durchaus dazu beigetragen, dass Toyota 2007 auf dem deutschen Markt einen Rückschlag einstecken musste. Denn bei allem Bekanntheitsgrad: Neben dem Auris, der sich schlechter verkaufte als erwartet, sind auch die kostspieligen Hybrid-Modelle hierzulande regelrechte Ladenhüter.

Dabei wird sich fast niemand am Design des Auris stoßen: Es ist bieder, eigentlich fast schon langweilig. Die Frontansicht bietet durch große Klarglasscheinwerfern mit integrierten Blinkern und einer scheinbar weit heruntergezogenen Motorhaube das typische Toyota-Gesicht, die Heckansicht könnte auch von jedem anderen Japaner oder gar aus einer anderen Fahrzeugklasse stammen. Auch die nach hinten ansteigende Schulterlinie ist längst Klassenstandard. Verwechselbarkeit stand offenbar im Lastenheft der Designer.

Toyota Auris

Goldsucher

Der Auris-Flop

Eigentlich wird der Auris, und auch das muss gesagt sein, unter Wert geschlagen. Denn im Gegensatz zu seinem müden Äußeren präsentiert sich das Interieur deutlich sehenswerter. Besonders die ungewöhnlich gestylte Mittelkonsole zieht viele Blicke auf sich. So etwas bräuchte der Auris auch außen. Der geschwungene Raumteiler sieht nicht nur dynamisch und elegant aus - er ist auch praktisch.

Auch wenn der Name Auris Assoziationen mit Gold hervorrufen soll: Der Wagen hatte alles andere als einen glänzenden Einstand.

(Foto: Foto: Toyota)

Eigentlich unter Wert geschlagen

Die vorderen Sitze und das Lenkrad sind zudem vielfach einstellbar, um auch großen Mitteleuropäern eine normale Sitzposition zu bescheren. Auffällig ist der ungewöhnlich hoch platzierte Schalthebel. Er liegt gut in der Hand und trägt zu einer entspannten Sitzhaltung bei - schon nach wenigen Kilometern Stadtverkehr mag man sich keine andere Position des Gangschalters vorstellen.

Zum guten Gefühl im Innenraum steuert der Vierzylinder-Benzinmotor einen fast geräuschlosen Leerlauf bei. Bis zum mittleren Drehzahlbereich ist der 1,6 Liter große Vierzylinder mit Dual-VVTi-Technologie sehr dezent und bringt mit 124 PS bei 6000 Touren eine ordentliche Portion Fahrspaß mit. Von null auf Tempo 100 in 10,4 Sekunden - das ist kein schlechter Wert. Ebenso wenig die Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h.

Der Auris-Flop

Allerdings sind ab Tempo 120 die Motorengeräusche nicht mehr zu überhören. Ab 160 Stundenkilometern werden sie dann von starken Windgeräuschen übertönt. Für den Bereich dazwischen stände dem Benziner ein sechster Gang gut zu Gesicht. Das bieten jedoch nur die Dieselbrüder. In der Stadt und auf dem Land ist der Golf-Konkurrent in seinem Element - sei es durch das gute Gefühl beim Schalten im Berufsverkehr oder durch das gute Fahrgefühl auf kurvigen Landstraßen. Auch hier präsentiert sich der Toyota Auris solide und unauffällig.

Auch am Preis kann es nicht wirklich liegen, dass der Auris relativ erfolglos ist: Der dreitürige Auris Sol 1.6 kostet ab 18.900 Euro und ist mit ESP, Nebelscheinwerfern, ISOFIX-Befestigungen hinten, Bordcomputer, Lederlenkrad, Klimaautomatik, Tempomat und Audiosystem gut ausgestattet. Sinnvolle Extras sind die 390 Euro Einparkhilfe und die 2620 Euro teure DVD-Navigation. Wer Xenon-Scheinwerfer möchte, muss auch zwei zusätzliche Türen kaufen. Klingt seltsam, ist es auch: Xenon ist nur in der Ausstattungslinien Executive (bei den Benzinern) vorgesehen und die gibt es nur für den fünftürigen Auris. Der kostet dann schon 21.250 Euro - Regen- und Lichtsensor, ein automatisch abblendender Innenspiegel, Smartkey und 16-Zoll-Leichtmetallräder sind dann allerdings ebenso serienmäßig.

Es ist wie so oft bei Toyota: Es ist das unscheinbare Design, das einen durchschlagenden Erfolg verhindert. Etwas mehr Witz, etwas mehr Esprit, ein paar kleine Dinge, an denen die Augen etwas länger hängen bleiben - und schon sähen die Dinge vielleicht anders aus. Werbung allein kann eben doch nicht alles richten.

© sueddeutsche.de/Pressinform/gf
Zur SZ-Startseite