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Toyota Auris 2.0 D-4D:Und wie steht es mit der Aura?

Toyota schickt ein Goldstück in die hart umkämpfte automobile Kompaktklasse: Der Name des Auris ist abgeleitet vom lateinischen "Aurum" (= Gold). Ob er für Toyota zur Goldgrube wird, liegt allerdings in den Sternen.

So richtig weiß man wohl selbst bei Toyota nicht, wo in der hauseigenen Systematik man den Auris einordnen soll. Als Nachfolger für den Corolla? Ja. Aber: Der, mit 32 Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit ein Renner und Toyotas erfolgreichstes Modell, wird weiter gebaut. Nur nicht mehr für Europa. Außer als Stufenheck-Limousine. Und auch das dann nicht in Deutschland. Da aber doch noch als Corolla Verso. Der aber künftig nur noch Verso heißen soll. Wenn wir das alles so richtig verstanden haben.

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Toyota schickt den Auris in die hart umkämpfte automobile Kompaktklasse.

(Foto: Foto: Toyota)

Ansonsten lassen wir es einfach bei der Zusammenfassung von Toyota-Pressechef Wolf-Henning Fanslau: "Der Auris ist nicht der neue Corolla, der Auris ist der neue Toyota." Zumindest am zweiten Halbsatz besteht kein Zweifel.

Warum der ganze Kraftakt? Ganz offensichtlich, weil Toyota in Deutschland Probleme mit dem Image des Corolla sieht. Kaum einer, der ihn nicht kennt, zumindest dem Namen nach. Aber kaum auch einer, der ihn nicht für einen fürchterlichen Langweiler hält. "Der Corolla ist nicht sehr begehrlich für die Leute", geben selbst Toyotas Marketingexperten zu. Zeit also für das, was sie "eine völlige Neuposition in der Kompaktklasse" nennen. Ziel sei es gewesen, nach dem zu biederen Corolla "ein emotionales Auto" zu kreieren. Klar. Und: "Der Auris hat eine große Bedeutung für Toyota."

Keine Flugzeuge im Bauch

Ob er ihr in Sachen Emotion gerecht werden wird, sei zumindest mal bezweifelt. Der Auris bringt zwar zum Beispiel im Innenraum viele gute Ideen und sogar eine ebenso mutige wie gelungene Formensprache mit. Er ist bis ins Detail durchdacht und rundherum ein technisch nahezu perfekter Konkurrent für Golf & Co. Nur das mir den großen Emotionen - das hat irgendwie noch nicht so ganz geklappt. Wer sich den Auris von außen anschaut, der wird sich nicht mit Grausen wenden - aber auch keine Flugzeuge im Bauch kreisen spüren.

Der im südfranzösischen Designzentrum der Japaner gezeichnete und in Großbritannien und der Türkei gebaute Auris sieht nicht viel weniger konservativ aus als der Corolla. Oder der Golf. Ein bisschen pummelig von vorn und hinten, nicht wirklich dynamisch in der Seitenansicht, trotz des sich nach hinten verjüngenden Fensterbandes. Man sieht ihm sofort an, dass er praktisch ist. Platz hat. Ausgezeichnet verarbeitet ist. Vernünftig. Aber keiner, der die großen Emotionen weckt.

Innen haben es die Designer dagegen in weiten Teilen geschafft, Vernunft und Emotion zusammenzubringen. Gestartet wird per Knopfdruck (und man weiß spätestens jetzt schon nicht so recht: Wohin mit dem Fahrzeugschlüssel?). Der Diesel nagelt los - dezent, aber auch nicht unbedingt leiser als bei der gehobenen Konkurrenz.

Stil und Praxis

Der erste Blick bleibt an der Mittelkonsole hängen, an der die Toyota-Designer ganze Arbeit geleistet haben. Wie eine Bogenbrücke entspringt sie aus dem Wagenboden zwischen den Vordersitzen, bezieht formal die Handbremse als Gestaltungselement mit ein, weitet sich um den nach Van-Art hoch neben dem Lenkrad positionierten Schalthebel und läuft im Armaturenbrett aus.

Die beiden großen Rundinstrumente direkt vor dem Fahrer sind mit die besten, die wir in der Kompaktklasse je gesehen haben: Die digitalen Anzeigen für Tankinhalt, Wassertemperatur, Kilometerzähler & Co. sind in den Naben von Tacho und Drehzahlmesser positioniert und perfekt ablesbar. Alles wirkt hochwertig und gut verarbeitet, die Oberflächen sind angenehm strukturiert.

Platz bietet der 4,22 Meter lange und 1,76 Meter breite Auris reichlich - nicht zuletzt dank des Radstands von 2,60 Metern und des fehlenden Mitteltunnels. Die Sitze vorne sind ebenso wie die Lenksäule vielfach verstellbar - allerdings ist der Seitenhalt allenfalls durchschnittlich - und die Sitzfläche für größere Fahrer zu kurz.

Bildstrecke

Toyota Auris

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