Seat Toledo 1.9 TD Spanier mit großzügigem Gemüt

Für 30 330 Mark ist die Ausstattung so gut wie komplett

(SZ vom 12.10.1994) Die Ergonomie - die Wissenschaft von den Leistungsmöglichkeiten und -grenzen des arbeitenden Menschen sowie von der optimalen wechselseitigen Anpassung zwischen dem Menschen und seinen Arbeitsbedingungen, wie uns der Duden lehrt - ist auch bei den Autoherstellern schon lange ein Thema, das immer wieder dazu führt, daß der 'Arbeitsplatz' im Auto umgestaltet wird. Wenn die 'wechselseitige Anpassung' gut ausgereift ist, wird das für gewöhnlich so beschrieben: Man setzt sich ins Auto, findet sich bei Schaltern, Knöpfen und Hebeln sofort zurecht und braucht nur noch zu starten. Ein Vorteil dabei ist auch, daß der Fahrer bei spontanen Vorgängen - zum Beispiel, wenn er in einen Tunnel fährt und den Lichtschalter vorher noch nicht 'gesucht' hat - diesen problemlos findet.

Die spanische Volkswagentochter Seat hat sich beim Toledo bestimmt auch ihre Gedanken über die Bequemlichkeit (und auch die Sicherheit) beim Bedienen wichtiger Schalter, wie dem Licht- und Heckscheibenheizungsschalter, gemacht. Schreiben Seat doch in der Pressemappe, daß man bei deren Betätigen die Hände nicht vom Lenkrad nehmen muß. Das stimmt durchaus für Blinker- und Scheibenwischerhebel, aber nicht für obengenannte. Im Gegenteil: Man muß um das Lenkrad herumgreifen, um an diese Kippschalter zu kommen, beziehungsweise den Lichtschalter unter dem Lüftungsauslaß suchen. Das designerisch gelungene Armaturenbrett folgt leider nicht dem Prinzip von Funktion und Design.

Nun aber (vorerst) genug davon. Der Toledo 1.9 TD GLX, mit dem wir uns ein bißchen näher beschäftigt haben, ist ein Wagen, der sich im Segment der Mittelklasse gut behaupten kann. So ist etwa der Kofferraum ein kaum zu sättigener Stauraum. Schon bei aufrechter Rückenlehne (sie kann asymmetrisch geteilt werden) umfaßt er ein Volumen von 550 Liter - umgeklappt sind es sogar 1360 Liter. Ein Wert, der sich sehen lassen kann, auch weil die Ladekante - rückenfreundlich - tief angesetzt ist. Im Innenraum setzt sich der Eindruck eines großzügigen Gemüts weiter fort. Kopf- und Beinfreiheit sind auch für die Fondpassagiere gut - der Wermutstropfen dabei ist aber, daß die Laufschienen der Vordersitze zu kurz ausgefallen sind, was vor allem Langeratene beanstanden.

Der Turbodiesel, der mit einer Leistung von 55 kW (75 PS) das 1080 Kilogramm schwere Auto antreibt, ist sowohl ein klassischer Turbo als auch ein tradioneller Diesel. Das heißt, er braucht etwa 3000/min, um richtig auf Touren zu kommen und er nagelt unüberhörbar (auch bei warmen Motor) vor sich hin. Beides macht ihn nicht unsympathisch, denn seine Kraftentfaltung und sein Fahrverhalten sind der Größe des Wagens angemessen, so daß er wenn nötig auch noch Reserven auf Lager hat. Der Mittelklassewagen erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 171 km/h und beschleunigt in 14,9 Sekunden von Null auf 100 km/h. Der Drittelmixverbrauch beträgt 6,2 Liter auf 100 Kilometer. Zur Serie der 30 330 Mark teuren GLX-Version gehören eine Servolenkung, höhenverstellbare Sicherheitsgurte und Kopfstützen sowie die umklappbare Rücksitzbank, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und beheizbare Außenspiegel.

Von Marion Zellner