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Ratgeber Auto enteisen:Eiskalt erwischt

Keine Standheizung? Pech gehabt. Jetzt dürfen Sie kratzen, sprühen und schaufeln. Tipps zum Entfernen von angefrorenem Schnee und Eis

Egal, wie hart die Winternacht war: Vor dem Anlassen muss das komplette Auto von Eis und Schnee befreit werden. Das kann zum Frühsport ausarten, und am besten steht man gleich eine Viertelstunde früher auf, denn dauern tut es vermutlich obendrein.

Das Fahrzeug beim Freischaufeln schon mal warmlaufen zu lassen, schadet dem Motor und der Umwelt. Nur ein Guckloch frei zu kratzen, ist grob fahrlässig, gefährlich und verboten.

Schnee muss auch von Dach, Kofferraum und Motorhaube entfernt werden. Plötzliche Sichtbehinderungen durch aufgewirbelten Schneestaub sind gefährlich. Eisstücke, die sich nach der Fahrt am Vortag an und in den Radkästen angesammelt haben, sind ebenfalls zu entfernen. Sonst können sie sich während der Fahrt lösen und behindern, auf der Straße liegend, andere Verkehrsteilnehmer.

Das verflixte Türschloss

Wer rechtzeitig an den Winter gedacht hat, hat vielleicht auch alles im Auto liegen, was er zum Freischaufeln braucht.

Gut vorausgedacht. Nur leider vielleicht nicht weit genug. Denn was ist, wenn man gar nicht erst an diese benötigten Helferlein herankommt, weil die Türschlösser zugefroren sind?

Keine Probleme haben jetzt Besitzer neuerer Autos mit Funkfernbedienung. Ein Druck aufs Knöpfchen, und die Tür ist entriegelt.

Wer klassisch schließen muss, sollte vorgesorgt und die Schlösser rechtzeitig mit Graphitfett gegen Zufrieren geschützt haben. Sonst steht er nun womöglich vor dem ersten Hindernis.

Glücklich nun, wer dem Laster Nikotin frönt. Sofern der Morgen nicht zu windig ist, kann er ein ebenso altes wie wirkungsvolles Hausmittel anwenden: Feuerzeug ausgepackt, Schlüssel erhitzen und dann schnell ins Schloss damit.

Oft klappt es auf Anhieb, spätestens aber nach dem dritten Anlauf geht das Schloss üblicherweise auf. Nach demselben Prinzip funktionieren elektrische Enteiser, die für wenige Mark im Zubehörhandel angeboten werden. Hier erwärmt sich ein ins Schlüsselloch gesteckter bzw. daran gehaltener Stift auf Knopfdruck.

Das ist etwas bequemer als der Feuerzeugeinsatz, aber der Stromverbrauch ist verhältnismäßig hoch; die Batterien halten daher nicht sehr lange.

Beliebter sind daher dezidierte Türschlossenteiser, die im allgemeinen recht zuverlässig funktionieren. Aus einer kleinen Sprühflasche wird eine Defrosterlösung ins Schlüsselloch gesprüht, nach kurzer Wartezeit kann nun aufgeschlossen werden.

Dumm natürlich, wenn der Türschlossenteiser im Handschuhfach liegt. Also: immer in die Jackentasche damit.

Kratzer, Besen, Schippe

Im Auto sollte sich ein Eiskratzer oder zusätzlich Enteisungsspray befinden; der Kratzer ist aber ein Muss. Ein kleiner Handbesen dient dazu, Schnee von Dach, Kofferraum und Motorhaube zu kehren.

Außerdem sollte sogar ein Klappspaten an Bord sein, damit man zur Not ein Rad freischaufeln kann. Sinnvoll sind auch ein Paar Handschuhe, damit die Hände beim Freischaufeln nicht einfrieren. Am besten eignen sich wasserdichte Ski- oder Motorradhandschuhe.

Beim Kauf eines Eiskratzers ist auf einen stabilen Griff zu achten, damit nichts abbricht.

Eine metallfreie glatte Kante dient dem Abkratzen von Eis und Reif. Eine zusätzliche Sägezahnkante eignet sich dazu, dickere Eisschichten zu entfernen. Zudem sollte eine Gummilippe zum Abziehen nasser Scheiben vorhanden sein.

Beim Kratzen bitte nicht einfach wild draufloslegen. Eingefrorene kleine Schmutzpartikel oder Sandkörner können sonst das Glas zerkratzen. Nun heißt es, ruhig und systematisch von oben nach unten vorzugehen und dabei immer in dieselbe Richtung zu schaben.

Der Geist aus der Dose

Einfacher und bequemer geht es mit Enteisersprays. Sie bestehen aus speziellen Alkoholen, die aus der Sprühdose oder umweltfreundlicheren Pumpflaschen auf die Scheibe gesprüht werden.

Hauptvorteil: Die Scheiben werden nicht zerkratzt. Nachteil: Die praktische Tauwirkung gibt es im Gegensatz zum Körpereinsatz am Kratzer nicht umsonst. Für Flaschen mit üblicherweise 300 bis 500 Millilitern Inhalt sind im Handel zwischen rund zehn und mehr als 20 Mark zu zahlen.

Anleitung für Sprayer

Und so wird das Spray am besten eingesetzt: Die Scheibe gleichmäßig einsprühen und warten, bis das Eis geschmolzen ist. Dann die Scheibe mit einer Gummilippe sorgfältig abziehen. Anschließend die Scheibe nochmals dünn einnebeln, damit sie nicht gleich wieder vereist.

Manchmal kann ein weiterer Durchgang nötig sein. Und bei dickeren Eisschichten geht leicht eine ganze Flasche drauf, deshalb ist hier nach wie vor der Einsatz eines Eiskratzers zu empfehlen - wenigstens aus Kostengründen.

Vorbeugen ist besser als kratzen

Wer unter Bäumen, neben der Hecke oder an der Hauswand parkt, muss generell weniger kratzen. Der natürliche Windschutz beugt Einfrieren in gewissem Maße vor.

Ein effektives Hausmittel ist es, abends eine (trockene!) Pappe auf die Windschutzscheibe zu legen. Auch eine spezielle Frostschutzfolie verhindert das Einfrieren der Scheibe. Eine zwischen Frontscheibe und Scheibenwischer geklemmte Abdeckung verhindert außerdem, dass die Wischergummis festfrieren.

Am effektivsten schützen Abdeckplanen vor der eisigen Plage. Im Handel sind ab rund 20 Mark sogenannte Halbgaragen aus Nylon in verschiedenen Größen und Ausführungen erhältlich, die nur über die Fahrgastzelle reichen und so die Scheiben am Zufrieren hindern.

Quelle: autocert.de