Opel Corsa Ein Kleiner will erwachsen werden

Obwohl größer und komfortabler geraten, ist die bewährte Modellreihe wendig und kompakt geblieben

(SZ vom 02.09.2000) Mehr als 6,5 Millionen Opel Corsa sind seit dem Frühjahr 1993 gebaut worden. In Deutschland ist er seit Jahren Besteller in seiner Klasse, schlägt sogar den VW Polo. Deshalb ist der Corsa ein so gewohnter Anblick auf unseren Straßen. Und er hat sich bis auf Kleinigkeiten im Inneren über die Jahre nicht verändert. Am 6. Oktober steht nun ein neuer Corsa bei den Händlern - und er sieht wieder beinahe genauso aus wie der alte. Das Design des kleinen Runden aus Rüsselsheim, der mittlerweile in elf Werken auf fünf Kontinenten gebaut wird, erweist sich als zeitlos. So nimmt denn auch der Neue die typischen Formen und Linien wieder auf, ohne dass das Auto deshalb altbacken aussehen würde.

Tatsächlich ist der Corsa komplett neu. Das zeigt sich schon an den Maßen: Der Neue ist neun Zentimeter länger, vier Zentimeter breiter und zwei Zentimeter höher als der Vorgänger. Die Gürtellinie liegt höher, was zum einen die Insassen bei seitlichen Kollisionen schützen soll. Zum anderen aber sind die geschlossenen Blechflächen größer. Die darin eher klein wirkenden Radausschnitte haben die Designer ähnlich wie ihre Kollegen beim Ford Focus durch um die Radhäuser verlaufende Sicken optisch vergrößert. In der mit einem hohen Anteil von hochfesten Stählen in Sachen Crash-Sicherheit nach neuesten Erkenntnissen konstruierten Bodengruppe wanderte die Motor-Getriebeeinheit weiter nach vorn, was 4,8 Zentimeter mehr Radstand bringt. Dadurch verbessert sich das Fahrverhalten spürbar in Richtung mehr Komfort. Zudem stehen die Radhäuser nicht mehr ganz so weit in den Fußraum.

Drei Kopfstützen hinten

Vorn wuchs der Innenraum in Schulterhöhe um beachtliche acht Zentimeter. Die nach vorn gerückte Windschutzscheibe trägt zu einem besseren Raumgefühl bei. Hinten sitzt man im Corsa, der in seinen neuen Dimensionen aus der Gattung der Kleinwagen in die der Kompakten steuert, nicht ganz so kommod. Immerhin aber können sich auch dort alle drei Passagiere mit Dreipunktgurten anschnallen. In der im Verhältnis 2:1 geteilt umklappbaren Fondlehne stecken drei in der Höhe einstellbare Kopfstützen.

Neu im Motorenangebot ist der Dreizylinder-Benziner im Corsa 1.0. Er ist weich aufgehängt, damit die für einen Dreizylinder typischen Vibrationen nicht in den Innenraum dringen. So ist er zunächst nur akustisch als solcher auszumachen. Der kleine Motor, für den ein Durchschnittsverbrauch von 5,6 Liter auf 100 Kilometer angegeben wird, leistet mit 43 kW (58 PS) drei PS mehr als der bisherige Basismotor. Er soll nach Werkangaben den gegenüber dem Vorgänger 20 Kilogramm schwereren Corsa in 17 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und 155 km/h Höchstgeschwindigkeit schaffen. Hier die weiteren Aggregate des neuen Rüsselsheimers:

1,2-Liter-Vierzylinder, 55 kW (75 PS), Null auf 100 km/h in 14 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 170 km/h. 1,4 Liter, 66 kW (90 PS) Null auf 100 km/h in 11,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 180 km/h.

1,8-Liter-16V, 92 kW (125 PS), Null auf 100 km/h in 9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 202 km/h).

Die beiden Diesel des Hauses mit direkter Einspritzung sind auch im Corsa zu haben. Sie leisten 48 kW (65 PS) und 55 kW (75 PS). Alle Benzinmotoren des neuen Corsa halten die Grenzwerte der Euro-4-Abgasnorm ein.

Eine weitere Neuheit ist das Easytronic genannte Automatik-Schaltgetriebe. Es besteht aus einem herkömmlichen Schaltgetriebe, das um eine automatische Kupplung und Schaltung ergänzt ist. Die Konstruktion der badischen Firma LuK arbeitet wie ein Vollautomat, allerdings mit einer herkömmlichen Kupplung. Eine aufwendige elektronische Steuerung lässt die Trockenkupplung mit Gefühl einrücken, wie ein guter Chauffeur. Solange der Fahrer den Gangwechsel selber bestimmen will, gibt er das Kommando dazu durch Ziehen oder Drücken am Schalthebel. In der Automatikstellung übernehmen Hydraulikzylinder den Wechsel der Fahrstufen.

Optimal arbeitet diese Automatik mit ABS zusammen. Schneller als der Fahrer es kann, trennt die Elektronik die Kupplung, wenn das ABS zu regeln beginnt. Zudem spart diese Art von Schaltung auch noch Kraftstoff. Gegenüber dem vierstufigen Vollautomaten mit 1,2-Liter-Motor sind es beachtliche 1,3 Liter auf 100 Kilometer. Auf die Frage, warum neben dieser gelungenen Neukonstruktion noch ein schwerer, spritschluckender Vollautomat mit hydraulischem Drehmomentwandler im Programm ist, gibt der Technik-Vorstand Hans H. Demant zu, dass man noch vor zwei Jahren, als solche Dinge beschlossen werden mussten, nicht geglaubt habe, mit der Entwicklung von Easytronic bis zum Jahr 2000 fertig zu werden.

Im Fahrverhalten hat sich der neue Corsa deutlich fortentwickelt. Obwohl größer und komfortabler, ist er das wendige, kompakte Auto geblieben. Durch seine serienmäßige elektrische Servolenkung reagiert er präziser auf Lenkbewegungen als mit der bisherigen hydraulischen Lenkhilfe. Das Getriebe schaltet sich mit weniger Widerstand. Zu den guten Fahreigenschaften trägt die um ein Drittel steifere Karosserie, die voll verzinkt ist, ebenfalls spürbar bei. Verglichen mit dem Vorgänger liegt der Corsa jetzt stabiler auf der Straße, ohne weniger an Komfort zu bieten.

Für soviel Neues muss der Kunde zahlen. Zwar soll der neue Corsa ausstattungs- und inflationsbereinigt kaum teurer geworden sei, doch in Zahlen sieht das so aus: Der Basis-Corsa mit 1,0-Liter-Motor, der voraussichtlich von Januar nächsten Jahres an produziert wird, kostet 20 900 Mark. Der 1,2-Liter kostet 22 400 Mark. Den 90 PS starken 1,4er gibt es erst in der 2050 Mark teureren Comfort-Ausstattung für 26 180 Mark. Beim Corsa Sport (125 PS) stehen 30 380 Mark auf der Rechnung, die Diesel sind zu Preisen ab 24 480 beziehungsweise 25 400 Mark zu haben.

Von Peter Behse