Motorrad-Rennen auf der Isle of Man Der Ritt auf der Rasierklinge

"Die schwierigste Strecke der Welt" nennt auch die deutsche Motorrad-Legende Helmut Dähne den Mountain Circuit, wie der Rundkurs um die Isle of Man offiziell heißt.

TT zum Hundertsten

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Ein schwarzer Streifen durch enge Ortschaften, über bucklige Steinbrücken, hinauf durch steile Haarnadelkurven bis auf 450 Meter Höhe und dann in rasender Schussfahrt zurück zu Start und Ziel am TT-Grandstand inmitten der Inselhauptstadt Douglas; an deren Glencrutchery Road sind Boxengasse und Zuschauertribühne, Fahrerlager und Fan-Festplatz aufgebaut. Und hinter der Mauer, an der die große Anzeigetafel hängt, auf der immer noch traditionell mit schlichter Kreide der Rennverlauf notiert wird, findet sich der Friedhof.

Die Ehre zählt

Verrückt? Für Motorradrennfahrer bis Ende der siebziger Jahre kein bisschen. Denn bis 1979 hatte die TT-Strecke Weltmeisterschafts-Status, war also einer der Kurse, auf denen die Meisterschaft der Besten ausgefahren wurde. Und keiner wurde damals ein Motorradheld, der nicht auch die TT gewagt und gewonnen hätte wie Giacomo Agostini, Mike Hailwood, Phil Read, Carl Fogerty oder Steve Hislop. Und kaum eine Motorradmarke, die sich nicht über das weltweit bekannte TT-Zeichen ihren Ruhm erkämpfte.

Die englischen Marken AJS, Triumph und Norton, aber auch Italiener wie Gilera und MV Agusta legten sich hier mächtig ins Zeug; und 1961 triumphierten sogar die bis dato belächelten Maschinen von Honda vor den Augen der ganzen westlichen Welt.

Der "King of the Road"

In diesem Sinne denkt auch Helmut Dähne: "Ein TT-Sieg ist mehr wert als ein Weltmeistertitel." Vielleicht weniger Geld, aber umso mehr Ehre. MotoGP-Meister Valentino Rossi jedenfalls hat die 270 TT-Kurven noch nie durchfahren. Und deshalb achtet und ehren Isel-of-Man-Fans auch andere Männer - allen voran William Joseph Dunlop, den bislang größten TT-Helden, dessen Steindenkmal am Rand der Rennstrecke in den Bergen steht.

Denn Dunlop, von allen nur Joey genannt, errang sagenhafte 26 TT-Siege, wurde ein Held der Menschen und blieb trotzdem einer von ihnen. Einer, dessen zu höchster Vollendung gebrachte Zweirad-Fahrkunst sie zutiefst bewunderten. Weshalb Dunlop, der 2000 bei einem Rennen in Estland tödlich verunglückte, bislang ihr unsterblicher "King of the Road" ist.