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Motorrad-Rennen auf der Isle of Man:Der Ritt auf der Rasierklinge

Halsbrecherisch: Seit 100 Jahren geht es bei der Tourist Trophy um Ruhm und Ehre. Und um Leben und Tod.

Man schrieb das Jahr 1904, als die ersten begeisterten Automobilisten sich auf den Weg zur Isle of Man machten - jener kleinen Insel vor der Westküste Englands, die etwas ganz Außergewöhnliches zu bieten hatte.

Isle of Man Tourist Trophy

Geheimtipps auf 60 Kilometern: Die besten Aussichtspunkte werden bei den Besuchern wie heiße Ware gehandelt. Schließlich will keiner die waghalsigen Manöver verpassen.

(Foto: Foto: dpa)

Schließlich war das Eiland seinerzeit der einzige Ort Großbritanniens, an dem der schnell wachsenden Zahl von Motorfahrzeug-Liebhaber erlaubt war, was sie so wahnsinnig gern wollten: auf öffentlichen Straßen privat um die Wette fahren und echte, ehrliche Straßenrennen austragen.

Drei Jahre später, 1907, wurde dann das erste Motorradrennen zwischen den immer zahlreicher werdenden Zweirad-Touristen aus dem reglementierten England gestartet - die Tourist Trophy, kurz: TT. Nun feiert das berühmteste Straßenrennen der Welt noch bis zu kommenden Wochenende sein 100-jähriges Jubiläum. Und das hat, wie alles, zwei Seiten.

Zehntausende, dicht an dicht

Auf der einen die nackten Fakten: Die Strecke misst gut 60 Alltagsstraßenkilometer, einmal im Uhrzeigersinn um die kleine Insel herum, durch Städtchen und Dörfchen, über Brücken und Berge, herum um 270 Kurven und entlang an Zehntausenden Zuschauern, die dicht an dicht den Stadt-, Dorf- und Landstraßenrand säumen.

Der erste TT-Sieger beeindruckte das staunende Publikum mit einem Schnitt von 66 km/h, heute liegt der Schnitt bereits bei Tempo 208. Und nur in einem dieser 100 Jahre gab es während der Renntage keinen tödlichen Unfall - das war 2001, als auf der Isle of Man die Maul- und Klauenseuche wütete und das Spektakel deshalb abgesagt werden musste.

Auf der anderen Seite, angesichts der ungebrochenen Faszination dieses weltweit spektakulärsten Biker-Events, geht es um große Gefühle. Um das Gefühl, das jeden Zuschauer bei diesen Kämpfen der ledergerüsteten Straßengladiatoren unwillkürlich beschleicht und allesamt in unserer Medienfake-Gesellschaft so ungewohnt echt ergreift - dass es hier wirklich um etwas geht.

So viel, wie Reifen und Nerven ertragen

Mit etwas Glück um Ruhm und Ehre, mit Pech um Leben und Tod. Denn dieser Insel-Rundkurs ist für die Hochbegabten auf zwei Rädern wie eine Befreiung aus dem alltäglichen und so vernünftigen Leben. Auf diesem schwarzen Teerstrich durch Berg und Tal fährt man nicht so schnell, wie man darf, sondern wie man kann. Und manchmal leider etwas schneller. Aber das kommt eben auf den Mann an. Und auf die Kunst der Balance beim Ritt auf der Rasierklinge.

Man muss diese Strecke gar nicht selbst abgefahren sein, um ihre Ansprüche zu ahnen, aber man kann. Besonders am traditionellen Mad Sunday, dem verrückten Sonntag, an dem die Bergstrecke von der Ramsey Hairpin bis Creg-ny-Baa zur Einbahnstraße erklärt wird und alle Amateur-Rennfahrer auch einmal so viel Gas geben dürfen, wie es die Reifen und die Nerven des Fahrers aushalten. Oder eben etwas mehr. Statistisch gesehen kommt auf einen toten Profifahrer pro Jahr auch wenigstens sein tödlich verunglückter Amateur; 233 waren es bislang insgesamt.

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