Motorrad-Fahrbericht: BMW HP2 Megamoto Dynamik weiß-blau

BMW und der Sport: eine alte Liebe. Und eine andauernde: Die neue Megamoto ist ein Fall für besonders charakterstarke Fahrer.

Von Ulf Böhringer

Das Bekenntnis von BMW zur Sportlichkeit wird immer klarer. Jüngster Beweis ist die Präsentation der neuen HP2 Megamoto, des wohl puristischsten je gebauten Boxermodells. Ihre oberste Devise: Fahrspaß.

Verschärfte Schräglage - locker möglich mit der Neuen aus München.

(Foto: Foto: Hersteller)

Dem ordnet sich alles andere unter: Komfort spielt keine Rolle, und selbst das bislang eisern durchgehaltene Prinzip, alle für die Straße gedachten Motorräder zumindest optional mit ABS auszurüsten, wird auf dem Altar der Gewichtsreduktion geopfert - hätte man ein für den Sporteinsatz abschaltbares ABS eingebaut, dann wäre die 200-Kilogramm-Latte gefallen; so konnte die Megamoto gemäß Richtlinie 93/93/EWG mit 199 Kilo homologiert werden.

Die Megamoto flitzt

Die beiden Buchstaben HP stehen bei BMW für High Performance, also Höchstleistung. Darunter ist nicht zwingend maximale Motorleistung zu verstehen, sondern die Fahrzeugkonfiguration soll höchsten Ansprüchen genügen. 83 kW (113 PS) leistet der 1170 Kubikzentimeter große Boxermotor; mehr wäre möglich gewesen, doch dann hätte der Durchzug im mittleren, fürs Kurvenfahren so wichtigen Drehzahlbereich gelitten.

Diese Zurückhaltung in puncto Spitzenleistung macht sich bestens: Die Megamoto flitzt - fast egal in welchem Gang - dermaßen aus den Ecken heraus, dass der Fahrer gut daran tut, rechtzeitig den Hahn wieder zu schließen, will er nicht im tiefroten Gefährdungsbereich seiner Fahrlizenz verweilen.

Es gibt nur wenige Motorräder, die so viel Charakterstärke erfordern wie die Megamoto: Gnadenlos durchpfeilt sie Kurven mit einer genialen Gelassenheit und Stabilität, verlegt den Grenzbereich in Regionen, die unerreichbar scheinen. Weshalb sich der Autor dabei ertappt hat, seine Routen mit möglichst vielen Autobahn-Auf- und -Abfahrten zu durchsetzen - die sind meist übersichtlich, haben keinen Gegenverkehr und sind bei genügend Tempo häufig so eng, dass wenigstens das Gefühl verschärfter Schräglage aufkommt.

Kein Bike für Kreti und Pleti

Abgesehen davon, dass sie besondere Charakterstärke braucht: Die HP2 Megamoto ist kein Bike für Kreti und Pleti. Zu teuer (17 330 Euro), zu viel Sitzhöhe (860 bis 910 Millimeter), eine zu schmale und zu harte Sitzbank für BMW-typische Komfortansprüche, null Windschutz, kleiner 13-Liter-Tank. Der reicht aber immerhin für 200 Kilometer scharfe Gangart und nach zwei, drei Stunden im Kurvendschungel sind Kopf wie Hintern ohnehin dankbar für ein Päuschen.

Worin liegt das Geheimnis der herrlichen Dynamik der HP2 Megamoto? Einerseits, klar, im geringen Gewicht. Andererseits im phantastischen Druck, den der Boxermotor entwickelt und in der Leichtigkeit, mit der er bei 8000 Touren in den Begrenzer dreht.

Aber auch in der wunderbar gelungenen Fahrwerkskonzeption: Gitterrohrrahmen, hochwertige Upside-down-Telegabel, lange, geschmiedete Einarmschwinge mit Momentausgleich, dazu ein sündteures, in vielen Parametern einstellbares Federbein von Edelhersteller Öhlins. Das Ganze garniert mit einem Reifen (Michelin Pilot Power), der offenbar Klebstoff auf der Lauffläche hat.

Bremsen? Ein Kinderspiel

Die gut gelungene Abstimmung sämtlicher wichtiger Faktoren führt zum beschriebenen Ergebnis: Fahrspaß auf höchstem Niveau. Wozu auch die Bremse ihren Teil beiträgt; sie stammt vom Sportboxer R 1200 S und verzögert bei vorzüglicher Dosierbarkeit dermaßen brachial, dass hartes, punktgenaues Bremsen ein Kinderspiel ist.

Wie animierend die HP2 Megamoto wirken kann, dafür mag der Straßen-Freestyle-Weltmeister Chris Pfeiffer aus Halblech im Allgäu stehen. Beim Fototermin gestand er: "Demnächst will ich zum ersten Mal wieder auf Alpentour gehen. Zusammen mit meinem Vater - er auf seiner BMW K 1200 R und ich auf der Megamoto. Denn so hat mich seit ich weiß nicht wie viel Jahren kein Motorrad mehr angemacht."