Geliebt und unvergessen:Ciao Bella

Lesezeit: 3 min

Mofas bewegten eine ganze Generation. Doch inzwischen sind sie fast ausgestorben. Eine Hommage.

Susanne Höll

Es gibt Momente, in denen man sich etwas albern findet. Jedenfalls dann, wenn man kein Teenager mehr ist, in einer Großstadt lebt und das Fahrzeug ein Mofa ist.

Mofa; dpa

Saint Tropez im Jahre 1975: Damals konnte man sich noch mit einem Mofa blicken lassen.

(Foto: Foto: dpa)

Das sind jene Momente, in denen siebenjährige Buben vor dem Eingang zur Grundschule mit ausgestrecktem Zeigefinger auf das Gefährt samt Fahrerin zeigen, grinsen und wissen wollen, ob das Geld für "was Richtiges" fehle.

Wenn man zierliche Mädchen sieht, die auf formschönen Italo-Rollern thronen, ähnlich wie Audrey Hepburn einst in "Ein Herz und eine Krone". Oder wenn man von Fahrradfahrern überholt wird - ganz normale Menschen wohlgemerkt, keine durchtrainierten Botenradler - und einen Seitenblick erntet: "Lächerlich... Sie mit Ihrem Ding."

Überhaupt nicht schick

Dann schämt man sich ein wenig. Sagt sich, dass Mofafahren unvernünftig ist, gefährlich, unbequem, und überhaupt nicht schick. Also fällt der Entschluss, künftig die U-Bahn zu nehmen, den Helm, dessen Umfang sowieso in keiner Relation zum Fahrzeug steht, zu verschenken, das Mofa bei Ebay zu versteigern und sich vor allem nie wieder von Schulbuben auslachen zu lassen.

Dann am nächsten Tag, Sonne vorausgesetzt, steigt man wieder auf, schämt sich ein wenig, dass man sich gestern geschämt hat, tuckert mit Tempo 25 durch die Stadt und lässt sich von ganz normalen Radfahrern überholen.

Denn Mofafahren ist trotz mancher Unbill - Linksabbiegen auf dreispurigen Straßen, ruinierte Pumps, blaue Flecke am Schienbein - eine durchaus freudvolle Erfahrung, eine Rückkehr in die Jugend.

Popper in Karottenhosen und Dorfknaben

In die siebziger Jahre - jene Zeit, in der es, grob gesagt, vier Sorten von Mofafahrern gab. Städtische Popper in Karottenhosen und College-Schuhen, die Fahrräder spießig und Mopeds vulgär fanden; Dorfknaben, die lieber ein Moped gehabt hätten, es sich aber nicht leisten konnten; stämmige Rentner, die oft einen Anhänger hinterm Mofa herzogen.

Und all jene Noch-Teens und Gerade-Twens, die sich kein Auto leisten konnten und Angst vor schnellen Motorrädern hatten. Zu Letzteren zählte damals ich - nach einer schmerzhaften Erfahrung mit einem nicht zu bändigenden Roller auf einer griechischen Insel.

Mein erstes Mofa war blau, himmelblau. Auf dem Kopf trug ich einen alten Skihelm, verziert mit gelben und blauen Abzieh-Blumen. Der Unterhalt, für eine Studentin im schon damals teuren München ganz wichtig, kostete nicht die Welt: zweieinhalb Liter Gemisch langten für 100 Kilometer.

Man hatte keine Parkplatzsorgen und konnte auf vielen Fahrradwegen fahren. Mofafahren war ein Lebensgefühl. Symbol der Unbeschwertheit jener Jahre, in denen man sich nicht vor Arbeitslosigkeit fürchtete oder Hungerrenten. Viele in der Clique hatten ein Mofa; Elke eine ziemlich heimtückische Velo Solex, Peter eine schlanke gelbe Vespa Ciao.

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