Fahrbericht: Volkswagen Jetta 1.9 TDI:Auf großer Fahrt

Lesezeit: 2 min

Ist der neue Jetta nun ein großer Golf oder ein kleiner Passat? Beides! Er ist größer, eleganter und vielseitiger als seine Vorgänger - mit dem Schattenparkerdasein soll endlich auch in Deutschland Schluss sein.

Von Stefan Zaumseil

Alle Welt liebt den Jetta - außer den Deutschen. In Nordamerika ist er seit Jahren ein Bestseller und auch in Südeuropa ist man gerne mit dieser Stufenheckversion des Golf unterwegs. Allein die Käufer im Heimatmarkt haben seit den 80er Jahren immer weniger Lust auf kompakte Stufenhecklimousinen. Bis zur B-Säule unterscheiden sich Golf und Bora-Nachfolger nur marginal. Schadet so viel Gleichheit? Was kann der Jetta mehr als der Golf?

LED-Rückleuchten am Jetta (Foto: Foto:press-inform)

Zunächst einmal ist der Jetta 35 Zentimeter länger - was allein dem 527 Liter großen Gepäckabteil zugute kommt. Im Innenraum herrschen die gleichen Platzverhältnisse wie im 4,20 Meter langen Golf. Vier fahren angenehm - zu fünft ist es ein bisschen arg knapp.

Der Jetta ist das, was er immer war: praktisch. Lange Gegenstände oder der sperrige Kleiderständer lassen sich durch die umklappbare Rückbank problemlos nach vorne wuchten. Beim Design gingen die Volkswagen-Leute auf Nummer sicher. Das Heck erinnert sehr an den neuen Passat - die Front an eine Golf-Nase mit Chromeinfassung.

Gut unterwegs

Besonders beliebt ist der Jetta mit dem 1,9 Liter großen TDI-Motor: mit seinen 77 kW/105 PS kein Kraftprotz - aber allemal gut zu Rad. Das Fünfganggetriebe macht einen gewohnt guten Job. Das ordentliche Drehmoment von 250 Nm erledigt den Rest. Die rund 1,4 Tonnen Leergewicht spürt man bei spontanen Beschleunigungsversuchen, sicher. Doch der Jetta 1.9 TDI ist alles anders als eine lahme Ente. Null auf 100 km/h in rund 11,5 Sekunden und merh als 185 km/h Spitze dürfte nicht nur die Kunden im Ausland zufrieden stellen.

Schließlich ist der Jetta nicht nur ein Gepäckträger, sondern auch noch ein überaus sparsamer. VW verspricht durchschnittlich 5,3 Liter Diesel auf 100 Kilometer und mit gut sechs bis sechseinhalb Litern lässt sich der Wolfsburger Fronttriebler im Alltagsgeschäft bewegen. Euro-4 ist Serie, ein Partikelfilter kostet 565 Euro Aufpreis.

So sehr man auch sucht: Der VW Jetta der neuesten Generation zeigt keine echten Schwächen. Da sind das solide Fahrwerk, das gute Raumangebot und der überzeugende Innenraum. Schalter und Bedienelemente, Qualitätsanmutung und Haptik - hier kann die Konkurrenz teilweise nach wie vor zur Nachhilfe gehen.

Magere Ausstaffierung

Dafür kommt aber auch der neue Jetta von seinem langweiligen Image nicht ganz los. Volkswagen wird das indes kaum stören. Denn besonders im Ausland dürfte man wie gewohnt keine Probleme haben, den Jetta weiter in der ersten Verkaufsreihe zu platzieren. Schließlich ist das Image besonders jenseits des Atlantiks ein ganz anderes. Dort ist der Jetta eine sportliche Limousine, die unter einem Dreier-BMW angesiedelt wird.

Auszusetzen gibt es wohl nur etwas an der müden Basisausstattung. VW lässt sich auch beim Jetta alles extra bezahlen, was nur annähernd Komfort versprechen könnte. Hier hätte man mehr erwarten können. Der Einstieg in die Jetta-Klasse beginnt bei 18.950 Euro für den 1,6-Liter-Benziner.

Für den 1.9 TDI muss man ein paar Scheine mehr hinlegen. Doch die sind gut angelegt - gerade auch was das Thema Wiederverkauf betrifft. Vernünftig mit Extras wie Klimaautomatik, Sitzheizung und Navigation ausgestattet, kostet der VW Jetta 1.9 TDI mindestens 23.000 Euro.

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