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Chevrolet Trans Sport:Für Liebhaber amerikanischer Größe

Zwei Schiebetüren erleichtern den Einstieg - eine davon läßt sich elektromotorisch öffnen

(SZ vom 19.03.1997) In seinem Heimatland gehört er zu den selbstverständlichen Erscheinungen des Straßenbildes. Bei uns steht er erst am Anfang des erhofften Nachfragebooms. Gemeint ist der Minivan, wie Amerikaner eine Großraumlimousine nennen.

Ford und Volkswagen verfügen mit den baugleichen Galaxy und Sharan über das fahraktivste Modell des europäischen Marktes. Fiat Ulysse, Lancia Zeta, Citroën Evasion und Peugeot 806 bieten ein mehr funktionsoptimiertes: zwei Schiebetüren sind in jedem Fall praktischer als zwei konventionell angeschlagene Schwenktüren. Renault glänzt mit der europaweit längsten Kompetenz und schickte zum Jahreswechsel eine neue Generation des Espace ins Rennen um Marktanteile. Auch Mercedes-Benz steigt ein: die neue V-Klasse soll das Premiumangebot werden. Derweil baut Minivan-Erfinder Chryler seinen Raumriesen Voyager schon in dritter Generation.

General Motors und die deutsche Tochtergesellschaft Opel hinken am europäischen Markt bisher hinterher: Dem einzigen Modell aus der Vergangenheit, dem Pontiac Trans Sport, war nicht viel Erfolg beschieden. Er ist zu breit für europäische Stadtgassen, mit einer unübersichtlich langen Frontpartie ausgestattet und für Europäer zu futuristisch gestylt.

Mit konzeptioneller Kompetenz der Muttergesellschaft GM und mit der Würze des eigenen technischen Know-how will Opel nun jenen Erfolg einfahren, der bisher versagt blieb. Dazu einigten sich amerikanische und deutsche Techniker auf einen 4,67 Meter langen, 1,83 Meter breiten und 1,76 Meter hohen Kastenwagen, der in der Größenordnung zwischen Voyager und Galaxy/Sharan liegt und ausschließlich unter dem Markennamen Opel Sintra verkauft wird. Einigen mußte man sich, weil der Sintra streng genommen gar nicht von Opel stammt, sondern von General Motors als Nachfolger des amerikanischen Pontiac Trans Sport konzipiert ist. Gebaut wird der Minivan im GM-Werk Doraville in Georgia und heißt mehrheitlich Chevrolet Venture oder Oldsmobile Silhouette.

Opel darf den Minivan mit kurzem Radstand als Sintra national und international vermarkten. General Motors bringt den gleichen Minivan mit langem Radstand auch außer Landes, um den Pontiac Trans Sport in internationalen Märkten abzulösen - allerdings nur unter dem Markennamen Chevrolet.

Der stattliche Chevrolet Trans Sport kommt mit 5,11 Meter langer, 1,84 Meter breiten Karosserie auf 3,04 Meter langem Radstand daher. Er wirkt im fließenden Verkehr nicht wesentlich größer als sein europäischer Vetter, allerdings im Profil gefälliger proportioniert. Insgesamt bewegen sich seine Außenmaße auf dem Niveau einer ausgewachsenen Oberklasse-Limousine. Der Trans Sport schlägt sogar den langen Chrysler Grand Voyager um 4,5 Zentimeter in der Länge.

Zwei Schiebetüren nach US-Art erleichtern den Einstieg in den Fond. Und hier wartet GM mit einer Premiere auf: Als erstes Fahrzeug dieses Segments öffnet die rechte Tür elektromotorisch auf Knopfdruck vom Fahrersitz aus oder im Holm der B-Säule. Eine beeindruckende Aktion, deren Komfortgewinn man nach kurzer Zeit nicht mehr missen möchte. Im Innenraum sind serienmäßig sieben Einzelsitze mit höhenverstellbaren Armlehnen und Kopfstützen verankert. Die Passagiere werden von zahlreichen Staufächern und Ablagen umgeben. Beachtlich ist das Ladevolumen: Es variiert je nach Bestuhlung zwischen 685 und 4413 Liter (ECE-Norm). Erfreulich auch die Ösen zum Verzurren der Ladung.

Von einem amerikanischen Fahrzeug erwartet jeder einen Ausstattungsumfang, der deutlich über sparsam ausgestatteten Europäern liegt. In der Tat bietet der Trans Sport eine leistungsfähige Zwei-Zonen-Klimaanlage mit Pollenfilter, zwei Ausstellfenster hinten, elektrische Fensterheber vorne und Zentralverriegelung, eine Audioanlage mit vier Lautsprechern. In den USA üblich, doch bei uns leider nur selten anzutreffen: eine zweite 12 V-Steckdose an der Armaturentafel und eine dritte im Gepäckraum links für die elektrischen Gerätschaften der modernen Zeit.

Erfreulich ist auch das serienmäßige Sicherheitspaket. Neben ABS und zwei Airbags sind vorne höhenverstellbare Sitzgurte installiert. Besonders wichtig für einen Raumriesen dieser Dimension ist die automatische Niveauregulierung des Trans Sport. Immerhin kann er 682 Kilogramm zuladen. Gegen Aufpreis bietet GM eine Antriebsschlupfregelung, die unbedingt zu empfehlen ist.

Quer über der Antriebsachse eingebaut versieht ein V6-Motor aus Leichtmetall seinen Dienst. Er verfügt über 3,4 Liter Hubraum und leistet 137 kW (186 PS). Im Trans Sport, der in der Basisversion 56 975 Mark kostet, gleiten die Passagiere durch das Land. Sportlichkeit ist seine Stärke nicht. Sein drehmomentstarker 12 V-Motor ist mit einer Viergang-Automatik gekoppelt. Sie schaltet butterweich, an Steigungen aber oft etwas hektisch zwischen dem dritten und vierten Gang hin und her.

Mit dem Chevrolet Trans Sport kommt der dritte und größte Minivan der US-Autoindustrie nach Europa, der gerade noch in die Normgarage paßt. Ob er in jede Tiefgarage paßt, muß erst noch ausprobiert werden.

Von Jürgen Zöllter