BMW K 1100 LT Tourenmaschine mit großen Reserven

Die K 1100 LT hat den hubraumstärksten Motor, den die Münchner jemals gebaut haben

(SZ vom 29.04.1992) Lange hat es gedauert, doch jetzt ist es endlich heraus: Was die BMW-Ingenieure aus der bisherigen K 100 LT - als RT schon 1983 präsentiert - gemacht haben, übertrifft selbst kühne Hoffnungen. Die K 1100 LT ist ein Supertourer geworden, der in der Summe seiner Eigenschaften - Leistung, Ausstattung, Sicherheit, Fahrverhalten und Umweltfreundlichkeit - nicht mal Hondas ST 1100 fürchten muß.

Deutlichster Entwicklungsfortschritt ist der Motor. Das neue Maß der Dinge bei BMW - der Elfhunderter ist der hubraumgrößte je von den Bayern konstruierte Zweiradmotor - schüttelt die Leistung jetzt aus dem Ärmel. 74 kW (100 PS) sind selbstverständlich: Ohne Loch dreht der Sechzehnventiler von der Leerlaufdrehzahl bis gut 8000 Touren, das ist klar das beste und drehmomentstärkste K- Triebwerk. Vibrationen sind kein größeres Thema mehr. Die Fahrleistungen lassen selbst dem engagierten Tourer reichlich Reserven. Daß das Gefährt (mit Sozius) eine halbe Tonne wiegt, ist beim Fahren kaum zu spüren - alles geht fast spielerisch, auch die Schaltung.

Bremsen auch mit ABS

Ebenfalls eine Klasse besser als bisher ist das Fahrwerk: Die Verwendung der Paralever-Schwinge bringt Ruhe in die Hinterhand, die vom japanischen Hersteller Showa bezogene Telegabel überzeugt sowohl bei schneller Fahrt wie auf ruppigen Sraßenbelägen. Auch die Bremsen, von der K 1 übernommen und gegen 1995 Mark Aufpreis mit ABS, sind jetzt auf Top-Niveau.

Obwohl schon die K-100-Verkleidung höchste Ansprüche erfüllen konnte: Die neue Karosse kann es noch besser. Einerseits, weil die Scheibe jetzt elektrisch verstellbar ist, andererseits, weil die gesamte Verkleidung um 30 Millimeter nach vorne gerückt wurde. Beide Maßnahmen kommen insbesondere Großgewachsenen zugute: Auch für Zwei-Meter-Männer ist die LT jetzt kommod, nicht zuletzt, weil auch die Sitzbank verbessert wurde. Mitfahrer dürfen sich freuen: So gut wie auf dieser BMW geht es ihnen außer auf fahrenden Sofas nirgendwo. Sitz, Beinfreiheit, Verkleidung - alles bestens. Außer dem kombinierten Zünd-/Lenkschloß gibt es keine Änderungen bei den Bedienungselementen - der schlecht erreichbare Hupenknopf und die nicht vorhandene Möglichkeit, gleichzeitig zu hupen und lichtzuhupen, bleiben auch weiterhin ein Ärgernis.

Deutlich verbessert und vergrößert wurden die lackierten Seitenkoffer und das Topcase - Qualitätseindruck super. Da macht auch die hohe Zuladung von 200 Kilogramm Sinn. Dank der Griff- Kinematik ist das Aufbocken des 300 Kilogramm schweren Kolosses übrigens nicht der Rede wert. Erfreulich niedrig ist der Benzinverbrauch: Er beträgt im Normalfall etwa sechs Liter auf 100 Kilometer. Die neue LT, die 22 850 Mark kostet, ist rundum Spitzenklasse -speziell, wenn sie mit einem geregeltem Katalysator (850 Mark Mehrpreis) ausgerüstet ist. Mit solcherart gutem Gewissen macht sie doppelt Spaß.

Von Ulf Böhringer